Am 31. März 2005 fand im Theater des Westens eine Präsentation für die Medien statt. |
„3 Musketiere“ in Berlin Aktualisiert: zurück |
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Einer für alle, alle für einen
Regisseur Paul Eenens präsentiert Szenen aus „3 Musketiere“ und spricht mit den Darstellern |
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Sechs Tage sind es noch bis zur deutschen Erstaufführung von „3 Musketiere“, die am 6. April im Theater des Westens in Berlin gefeiert werden soll. Genau genommen handelt es sich um eine „neue Uraufführung“, wie Paul Eeenens den Medienvertretern erklärt, die am 31. März im Theater erschienen sind, um einen Vorgeschmack auf die Produktion zu erhalten. „Wir haben zwei Jahre an einer Neufassung gearbeitet. Diese neue Fassung wird am kommenden Mittwoch Premiere haben. Es ist wirklich eine völlig neue Fassung, neue Szenendesigns, neue Choreografien, ein überarbeitetes Buch und neue musikalische Arrangements.“ Sehr stolz sei man darauf, dass man diese neue Fassung gerade in Berlin präsentieren könne. Seit Anfang Januar wurde geprobt, zunächst fünf Wochen auf der Probenbühne, bevor man auf der Hauptbühne weiter gearbeitet hat, und das Bühnenbild, die Kostüme, Masken und Perücken dazu gekommen sind.
Der Die Präsentation beginnt mit dem ersten großen Gefecht des Stücks. Fechtregisseur Malcolm Ranson, der viel für die Royal Shakespeare Company gearbeitet hat, ist in Berlin für die Choreographie der rasanten Fechtszenen verantwortlich und hat am 10. Januar mit den Proben begonnen. Die Gefechte seien „hundertprozentig echt“, betont Eenens, „es sind echte Degen, und jede Bewegung ist sehr sorgfältig geprobt.“ Deshalb sei Blitzlicht auch nicht erlaubt, da dies die Schauspieler gefährde. Und schon geht es los mit Patrick Stanke als d’Artagnan, den drei Musketieren Marc Clear als Athos, Christian Schleicher als Porthos und Mathias Sanders als Aramis, mit Cusch Jung als Rochefort und dem Ensemble. Während die nächste Szene vorbereitet wird, spricht Eenens mit den Darstellern der drei Musketiere, die noch etwas atemlos sind. Christian: „Porthos ist der gut Aussehende im Stück. Wein Weib und Gesang sind seine Themen, und ab und zu haut er auch gerne jemandem mal auf die Fresse.“ Marc erklärt: „Also Athos ist eigentlich der dunklere Ältere, sagen wir, weisere Musketier, und hat am meisten Erfahrung. Er versucht, der Anführer zu sein“, was aber nicht immer klappe. Außerdem habe er eine Beziehung zu Milady de Winter, ein ganz wichtiger Teil der Geschichte. Und seine zwei Freunde brauche er halt, „um ihn aus seinen Gemütsschwankungen wieder heraus zu holen“. Und Mathias sagt: „Aramis ist fast ein Geistlicher. Er hat sich überlegt, vielleicht ins Kloster zu gehen, hat sich dann aber entschieden, dass ihm die Frauen doch zu gut gefallen.“ Aber er sei das Gewissen der drei Musketiere. |
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Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte
Paul Eenens geht jetzt weiter auf die Handlung des Musicals ein. D’Artagnan habe das Haus seiner Eltern verlassen und folge wirklich seinem Traum. Er begegne den drei Musketieren, deren Einstellung und Haltung ihm gefalle. Auch eine Liebesgeschichte gebe es im Stück - natürlich. D’Artagnan stelle sich vor, erklärt Eenens, dass er, wenn er nach Paris gehe, dort vielen tollen Frauen begegnen werde. „Aber dann verliebt er sich gleich in die erste Frau, die ihm begegnet, und das ist Constance, die Zofe der Königin Anna, der Königin von Frankreich.“ Als nächstes werde das Duett „Alles“ mit Sabrina Weckerlin als Constance und Patrick Stanke als d’Artagnan gezeigt. Dieses Lied sei inzwischen als Single veröffentlicht worden, und habe auch schon in der Hitparade gestanden. Nach dem Duett fragt Eenens Sabrina, die hier in ihrer ersten großen Rolle auf der Bühne steht: „Wer ist Constance?“ Und Sabrina antwortet: „Sie ist eine selbstbewusste, noch ein bisschen naive Frau, die einfach träumen will, die sich für ihre Familie opfert, und deshalb nach Paris geht, mit einem Mann, der sie eigentlich nicht liebt, der aber ihrer Familie Brautgeld bezahlt. Aber sie weiß, tief in ihrem Herzen weiß sie, dass irgendetwas kommen wird.“ Und d’Artagnan? „D’Artagnan ist eine junger Bauerntrampel, der aus der Gascogne kommt“ erklärt Patrick. „Er macht sich auf den Weg nach Paris, um Musketier zu werden, und trifft dort seine große Liebe Constance. Aber er tritt auch in jedes Fettnäpfchen, in das man treten kann er ist so ein bisschen der Trottel aber trotzdem wird er der große Held der Geschichte.“ Das Interessante sei für ihn, so viel Patrick wie möglich in einer Rolle zu entdecken. „Das suche ich immer, und ich glaube, das ist mir auch gelungen.“ |
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Richelieu will Gott auf Erden sein
Aber in dem Stück geht es auch um die Religion. Eenens: „Religion ist ein sehr wichtiges Thema ist in unserer Fassung von ‚3 Musketiere’. Natürlich ist unsere Fassung eine freie Bearbeitung des Buches.“ Es gehe um Richelieu, den Kardinal von Frankreich, der neben Ludwig XIII stehe. „Ludwig XIII, der eigentlich, historisch gesehen, ein schwacher König ist, hat neben sich diesen sehr starken, politisch sehr intelligenten Mann.“ Richelieu kämpfe zusammen mit Gott für ein besseres und total katholisches Frankreich. „Aber eigentlich fühlt Richelieu, dass er immer mehr Gott auf Erden sein will. Und da geht es schief.“ Kardinal Richelieu wird von Musicalstar Uwe Kröger gespielt und tritt zusammen mit Cusch Jung als Rochefort und dem Ensemble mit „Glaubt mir“ auf. „Wer ist Kardinal Richelieu?“ fragt Eenens nach dieser Szene. Uwe: „Das Oberhaupt der französischen Kirche in der damaligen Zeit, in der Zeit von König Ludwig XIII. Er hat damals geglaubt, dass er irgendwann auch die ganze Macht, nicht nur die religiöse kirchliche Macht, an sich reißen kann, sondern auch die weltliche Macht. Und das, was wir gerade gesehen haben, ist eine von diesen typischen Sachen, wie ein religiöser Herrscher bzw. Führer wahnsinnig wird und glaubt, dass er das Richtige tut. Und am Ende, sag ich auch, ‚glaubt an mich’. Es geht dann gar nicht mehr um Gott, es geht dann einfach um die Person.“ Er betreibe den großen Kampf gegen die Hugenotten und provoziere damit einen Krieg mit England. „Und das ist auch mit die Geschichte, ein Teil der Geschichte, dieses wunderbaren Musicals.“ Aber Regisseur und Darsteller haben auch probiert, mehr Farbe in seinen Charakter zu bringen. Und Uwe erklärt: „Kein Mensch ist schwarz-weiß. Keiner ist nur lieb und keiner ist nur bös. Das wäre auch langweilig, da wäre das Leben doch langweilig. Und der Richelieu hat damals geglaubt, dass er das Richtige tut, logischerweise. In der damaligen Zeit war es auch wahrscheinlich das Richtige, was er getan hat, aus dem Glauben heraus. Sonst wären ja auch die Kreuzzüge nicht passiert, die aus heutiger Sicht furchtbar waren. Aber damals haben die geglaubt, sie tun das Richtige. Wir haben wunderbare Szenen entdeckt, wo man nicht genau spürt, ob Richelieu Intrigant ist, oder ob er nur das Richtige tun möchte. Und man sieht auch seine Schwächen, Schwächen gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Wir haben wunderbare Szenen mit Milady de Winter, mit Pia Douwes, wo nicht ganz klar ist, ob er wirklich so gerne im Zölibat lebt. Und wir haben natürlich auch Szenen, wo er mit sich hadert, wo er sich selbst in Frage stellt, nicht aus Stein ist. Ein großer Titel im zweiten Teil zeigt, dass er zweifelt - ähnlich wie in Gethsemane in ‚Jesus Christ Superstar’ -, ob er das Richtige für den Glauben oder für sein großes Ziel tut.“ Rochefort spielt schon 15 Jahre lang 300 Vorstellungen pro Jahr im Theater des Westens Und Rochefort? Cusch, ein „alter Hase“ im Theater des Westens, der schon seit 15 Jahren mit etwa 300 Vorstellungen pro Jahr dabei ist: „Rochefort ist der Oberbefehlshaber der Leibgarde des Kardinals und ist seinem Herrn wohl ergeben. Er ist ein Raufbold seiner Zunft, wie man heute schon gesehen hat. Er hat ein großes Problem, und das sind die Musketiere. Die Musketiere sind ihm ein Dorn im Auge, denn er möchte mit seiner Leibgarde des Kardinals die Führung übernehmen. Aber die Musketiere gehorchen ihm nicht, und damit hat er große Probleme. Er wird auch immer wieder verletzt. Er hat sein Auge verloren, in einem Kampf, in dem er sich mit dem Vater von d’Artagnan duelliert hat.“ Deshalb gebe es zum Schluss des Stückes auch einen Showdown, wo d’Artagnan und Rochefort ein Duell mit zwei Schwertern haben. „Milady ist zurück“ heißt die nächste Szene, die präsentiert wird. Paul Eenens erklärt, die Milady sei ein anderer, sehr wichtiger Charakter des Stücks. Die Rolle wurde von Pia Douwes für die holländische Fassung von „3 Musketiere“ kreiert. Pia: „Milady de Winter ist eine ganz starke Frau. Sie hat viele Rückschläge in ihrem Leben ertragen müssen, und hat sich durchgekämpft, auf der Ebene der Männer, d.h. sie kämpft eigentlich mit den Waffen der Männer. Nicht nur verbal, sondern auch mit ihrem Degen.“ Sie komme nach Paris und suche ihre große Liebe Athos. Wegen der vielen Rückschläge, die sie ertragen müsse, ergebe sich natürlich, dass sie nicht immer den richtigen Weg wähle, sondern dass sie auch auf schlechtem Weg versuche, das Gute zu bewirken. So werde sie Intrigantin von Richelieu, „weil Richelieu der einzige ist, der sie von ihrem Makel reinwaschen kann. Dadurch wird sie natürlich eine ganz tragische Figur. Sie findet zwar ihre Liebe, aber was dann passiert, verrate ich nicht.“ Zum zweiten Mal führt Paul Eenens Milady de Winter Paul Eenens und Pia Douwes arbeiten schon zum zweiten Mal bei diesem Stück zusammen. Pia: „In Holland, das war eine tolle Produktion, aber es war noch nicht fertig. Das heißt, meine Rolle war auch noch nicht fertig, hat kleine Brüche gehabt.“ Milady habe jetzt Tiefe bekommen, sie sei nicht mehr nur eine böse Intrigantin. Und: „Ich habe eine zweite Chance bekommen, diese Rolle neu zu erarbeiten.“ Außerdem sei es inspirierend, „mit ganz vielen neuen Leuten zu arbeiten“. Am Ende der Präsentation gibt es das „Pausenfinale“ des Musicals. Es handelt vom Credo des Stücks, von Liebe, Ehre und Freundschaft. Es sei ein sehr positives und weltberühmtes Credo, meint der Regisseur: „Einer für alle, alle für einen.“ Die drei Musketiere wollen zusammen mit d’Artagnan nach England, um die Diamanten von Königin Anna zurückzuholen. „Die ‚3 Musketiere’ sind ein Stück, das Inhalt hat, das aber auch amüsiert, das ein Abenteuer erzählt, und das mit ungeheuer viel Liebe gemacht ist, durch viele Leute aus vielen Ländern“ verabschiedet sich Paul Eenens. Arthur H. Maute 4. April 2005 |