| Als besonderes Bonbon brachte das Pfalztheater rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft eine Rock-Oper voller altägyptischer Träume heraus. Premiere war am 25. Februar 2006. |
„Abydos“
in Kaiserslautern Zuletzt geändert: zurück |
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Zeitreisen ins pharaonische Ägypten
Uraufführung einer „Heavy-Mental-Shadow-Opera“ im Pfalztheater |
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Was ist eine „Heavy-Mental-Shadow-Opera“? Nein, das ist kein Schreibfehler, vielmehr ein Wortspiel. Aber auch noch ein wenig mehr. Interessierte können Genaueres noch bis Anfang Juli im Pfalztheater herausfinden. Die Premiere des ungewöhnlichen Musicals war am 25. Februar in Kaiserslautern. Der an die zwanzig Minuten dauernde Beifallssturm des begeisterten Publikums verlangte unzählige Vorhänge und mehrere Zugaben. Die Bezeichnung „Heavy Metal“ ist schon eher bekannt. Und wer diese Musik mag, kennt auch die Band Vanden Plas und ihren Leadsänger Andy Kuntz. Die Gruppe, zu der Andreas Lill (Drums), Stephan Lill (Guitars), Torsten Reichert (Bass) und Günter Werno (Keyboards) gehören, trat an jenem merkwürdigen Abend Ende Februar in einem Theater auf, das sonst vorwiegend konventionelles Musiktheater anbietet. Da stehen Opern wie „Die Regimentstochter“, „Der Freischütz“ oder „Turandot“, Operetten wie „Die Lustige Witwe“ oder Musicals wie „Jesus Christ Superstar“ auf dem Spielplan. Und jetzt also ein Stück, dessen Basis das Genre „Heavy Metal“ ist. Ein Glücksfall - Andy Kuntz ist Lauterer Das mag vor allem zwei Gründe haben. Einmal der Wunsch des Theaters, anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft, die Ihren Schatten auch in Kaiserslautern voraus wirft, etwas Besonderes anzubieten. Zum anderen die Verfügbarkeit und die Bekanntheit von Andy Kuntz, der in Kaiserslautern geboren und aufgewachsen ist. Da man das Thema „Fußball“ schon mal hatte, sollte es jetzt „ein Projekt von Lauterern für Lauterer“ sein, sagt Theaterdirektor Johannes Reitmeier, und schiebt nach „... und natürlich die Welt zu Gast.“ Der Frontman von Vanden Plas hatte schon 2004 ein Soloalbum mit dem Titel „Abydos“ herausgebracht. Nachdem der Text der Lieder stand, war offenbar eine ganze Menge an Subtext da. Der inspirierte Kuntz, „eine eigene Story um die Songs herum zu basteln“. Damit habe er Trauerarbeit über „den Tod fünf geliebter Menschen“ geleistet, sagt er. Diesen Menschen sei die Schatten-Oper „Abydos“ gewidmet. Darüber hinaus seien „Liebe, Freundschaft und die Dinge auf der anderen Seite, die sie zerstören könnten“ ein wichtiges zentrales Thema seiner „schweren mentalen Schattenoper“. |
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Sind Träume logisch?
Das Stück, an dessen Entwicklung auch Reitmeier als „Rechercheur und Ideengeber“ mitbastelte, würfelt Elemente zusammen, wie man sie Zufall oder Absicht aus dem Science Fiction Genre („Stargate“, „Star Trek“) oder anderen Musicals („We Will Rock You“, „Tanz der Vampire“) kennt. Das geschieht mit einer absurden Theaterlogik, die von Schikaneder sein könnte. Dessen „Zauberflöte“ hat bekanntlich viele Schwächen. Trotzdem ist seine „Deutsche Oper“ mit der Musik von Mozart bis in unsere Tage ein Renner auf allen Bühnen und nimmt in der Opernstatistik einen führenden Rang ein. Einen solchen Erfolg würde man der Shadow-Opera und ihren Machern natürlich ebenfalls gönnen. Denn genau wie Mozarts Oper lebt auch das deutsche Musical „Abydos“ - mit englischen Sontexten - von der Musik und seinen Songs. Gewisse Mängel der Story nimmt man deshalb gerne hin. Coppermoon, die Seite, wo die Schatten wohnen Fly, Strida und Llitt, drei Jugendfreunde, verstört durch ein gemeinsames Kindheitserlebnis, das zum Tod von Flys Vater führt, sehen sich über Jahre nicht mehr. In dieser Zeit verarbeitet jeder von ihnen die Vergangenheit anders. Fly entwirft Comics, Strida ist Schauspielerin und Llit erfindet Computerspiele und will das menschliche Bewusstsein in sie mit einbeziehen. Sie treffen vermeintlich zufällig wieder zusammen und stellen fest, dass sie dieselben Albträume haben. Llits Spiel „Brain Boy“ scheint mit daran schuld zu sein. Llit wird von Green, dem Traumbild des dunklen Hohepriesters Grenoses, in die „andere Seite“, in Coppermoon, hineingezogen. Grenoses war im alten ägyptischen Abydos der Erzfeind von Pharao Mithemhep. Dieser geistert jetzt als Mito in unterschiedlichen Funktionen durch die Szene. Green entführt auch Strida, die gerade die Rolle der Pharaonentochter Siridafeth studiert, in die Vergangenheit. Llit soll dort als Illitare, Baumeister des Pharaos, mit dem „Brain Boy“ ein neues Weltwunder schaffen, das die Herrschaft über die Gedanken der Menschen ermöglich soll. Fly sucht und findet Strida. Das Drama wird zur Parodie Soweit der erste Akt, der eher den Charakter eines Dramas aufweist. Im zweiten Akt wird das Musical dann über weite Strecken zur Parodie. Llit hat seinen „Brain Boy“ fertig und das Spiel übt seinen bösen Einfluss auf die Menschheit aus. Schauspielerin Strida spielt inzwischen die Rolle der Königin im virtuellen Abydos. Jetzt macht sich Green daran, auch Fly zu verführen. Sie hat dabei allerdings das Pech, dass Fly keine Träume hat, wie die anderen, sondern nur ein Tagebuch mit seinen Notizen füllt. Mito schaltet sich rechtzeitig ein und zwingt Fly zur Auseinandersetzung mit Abydos. Er muss sich seinen ureigensten Ängsten stellen. Deshalb ist der „Healing Tree“ sein Ziel. Und so werden die Freunde rasch aus den Fängen des Bösen befreit. Am Ende findet Fly einen Verleger für seinen Comic, der den Namen „Abydos“ erhält. Projektionen malen altägyptisches Tempelareal Für das exzellente Bühnenbild holte sich Ausstatter Michael D. Zimmermann Anregungen vom Tempelareal des historischen Abydos. In der Szenerie, die gekonnt durch effektvolle, schnell wechselnde Projektionen auf praktikable weiße Flächen und einen transparenten Vorhang entsteht, tummeln sich Traumgestalten in fantasievollen, Gegenwart und Vergangenheit beschwörenden Outfits. Regisseur Reitmeier lässt seine Protagonisten vorwiegend an der Rampe agieren, während das Tanzgetümmel, erdacht von vier, in Worten „vier“, Choreographen (Adonis Daukaev, Felicity Hader, Stefan Hammel, Eva Reinthaller), sich mehr im Hintergrund abspielt und glücklicherweise nicht zu sehr von der Musik ablenkt. Die vierköpfige Band unter der Leitung von Günter Werno sorgt durchweg für einen trockenen Sound, dem sich der Zuhörer schwer entziehen kann. Und die ohrenbetäubende Lautstärke gehört gewiss dazu. In diesem musikalischen Ambiente schaffen es die Protagonisten, unter ihnen Abseits ausgetretener Pfade Kuntz bezeichnet seine Schattenopernmusik als „Genre-Mix mit eigener Handschrift“. Sie klingt insgesamt beileibe nicht so hart, wie man aufgrund der Heavy-Metal-Basis erwarten würde. Neben den authentischen Titeln gibt es auch beinahe klassische Musicalsongs im Stil von Frank Wildhorn oder des frühen Webber. Trotzdem bleibt die Rock-Oper „Abydos“ abseits der ausgetretenen Pfade der meist angloamerikanischen Kommerzmusicals und lässt auf eine interessante neue Tendenz in diesem Genre hoffen. Es wäre schön, wenn die Show noch weiterentwickelt würde. Auch wenn die Urversion in Kaiserslautern trotz ein paar Schwächen unbedingt sehenswert ist. Arthur H. Maute 28. Februar 2006 |
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Weitere Vorstellungen:
03.03., 05.03., 16.03., 26.03., 01.04., 14.05., 28.05., 15.06. und 02.07. jeweils 19:30 Theaterkasse: Pfalztheater Kaiserslautern, Willy-Brandt-Platz 4-5, 67657 Kaiserslautern Telefon: 0631-3675-209, -208, -207 E-Mail: vorverkauf@pfalztheater.bv-pfalz.de |