ERSTER AKT (11. - 19.
Dezember 1933)
Es ist drei Uhr nachts an einem kalten
Dezembermorgen. Sechs Waisenkinder schlafen tief und fest
im Schlafsaal des Girls' Annex des städtischen
Waisenhauses von New York. Molly, 6 Jahre alt, Kate,
7, Tessie - die Heulsuse - ist 10, Pepper,
die "abgebrühte", 12, July, die
Ruhige, 13 und Duffy, die Größte, ebenfalls
13. Molly erwacht aus einem Traum und weint nach ihrer
Mutter. Sie weckt damit die anderen, die zu streiten
beginnen. Die elfjährige Annie kommt
hereingerannt, in der Hand einen Eimer. Sie mußte putzen
- zur Strafe. Aufgebrummt hat ihr das Miss Hannigan,
die böse Leiterin des Waisenhauses. Annie tröstet
Mollie und bittet sie, ihr den Brief vorzulesen, den ihre
Eltern hinterlassen hatten, als sie Annie verließen.
Pepper erinnert sich, daß sie Annie
auch ein halbes silbernes Medaillon zurückgelassen
hatten mit dem Versprechen, sie eines Tages mit der
anderen Hälfte als Beweis wieder abzuholen. Annie umarmt
Molly und singt von den Eltern, die sie sich so sehr
wünscht, die sie aber nie kennengelernt hat ("Maybe")
Annie beschließt, aus dem Waisenhaus zu fliehen und ihre
Eltern auf eigene Faust zu suchen. Sie packt ihre Sachen,
wird aber von Miss Hannigan überrascht. Zur Strafe für
Annies Fluchtversuch müssen alle
Waisenkinder den Boden schrubben und die Betten
überziehen. Die Beschwerde, daß es vier Uhr in der
Früh ist, stößt bei Miss Hannigan auf taube Ohren ("It's
A Hard Knock Life").
Als am Morgen Bundles McCloskey kommt, um
Wäsche abzuholen, nutzen die Waisenkinder ihre Chance:
während Bundles mit Miss Hannigan flirtet, schmuggeln
sie Annie in einem Wäschesack aus dem Waisenhaus. Miss
Hannigan kann nur noch die Polizei rufen, doch die
Waisenkinder feiern ihren Triumph ("It's A
Hard-Knock Life-reprise").
Auf der Straße entdeckt Annie eine
Promenadenmischung, die von Hundefängern gejagt wird.
Sie rettet den Hund und singt davon, wie schön es für
sie beide in der Zukunft werden wird ("Tomorrow").
Doch ein Polizist verlangt von ihr, zu beweisen, daß der
Hund ihr gehört - auf der Stellen behauptet Annie, der
Hund hieße Sandy und ruft ihn. Wie durch ein
Wunder gehorcht der Hund - Annie und Sandy sind jetzt ein
echtes Team...
Wenig später erreicht Annie
Hooverville (eine ärmliche Siedlung unter einer Brücke
am East River). Die Bewohner, die durch die Rezession ihr
Hab und Gut verloren haben, kochen über einem
Lagerfeuer. Sie besingen ihr Schicksal, für das sie den
ehemaligen Präsidenten Herbert Hoover verantwortlich
machen ("We'd Like to Thank You")
Die Menschen sind freundlich zu Annie
und Sandy und teilen das Essen mit ihnen. Annie versucht,
sie aufzuheitern, sagt, daß die Zukunft besser werden
wird. Doch die Menge wird durch einen Polizisten
auseinandergetrieben. Annie und Sandy rennen weg.
Währenddessen im Waisenhaus: Miss Hannigan fühlt sich
von den Waisenkindern terrorisiert - ihre Verachtung für
diese "kleinen Mädchen" ist klar zu sehen ("Little
Girls"). Gerade, als sie sich im Radio ein
Hörspiel anhören will, bringt ein Polizist Annie
zurück. Als Miss Hannigan Annie bestrafen will, betritt Grace
Farell das Waisenhaus. Sie ist gutgekleidet,
attraktiv und jung - die Privatsekretärin des
Milliardärs Oliver Warbucks. Der will ein
Waisenkind über Weihnachten zu sich nach Hause einladen.
Annie tut alles, um diese Einladung zu bekommen, doch
Miss Hannigan läßt nichts aus, um Annie
schlechtzumachen: sie behauptet sogar, Annie lüge und
trinke. Doch Grace ist fasziniert von Annie und will sie
zu Warbucks mitnehmen.
Sie verlangt von Miss Hannigan, alle
nötigen Papiere zu unterzeichnen und bringt Annie zur
bereitstehenden Limousine. Bei Warbucks angekommen, wird
Annie zunächst den Bediensteten vorgestellt. Annie ist
begeistert von der neuen Umgebung und merkt, daß sie
dort alle mögen ("I Think I'm Gonna Like It
Here").
Oliver Warbucks betritt die Szene. Er ist ein mächtiger
Mann und in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise eine
wichtige Figur. Nur selten denkt er an etwas anderes als
an's Geschäft und verwundert über Annies Ankunft - er
hatte einen Jungen erwartet. Doch sofort fühlt er eine
große Nähe zu Annie und ihrer Persönlichkeit. Sie
erinnert ihn an seine eigenen bescheidenen Anfänge.
Anders als üblich beschließt er, sich einen Abend
freizunehmen.
Warbucks geht mit Annie ins Roxie-Kino.
Dort sehen sie sich einen Film an, und Annie bekommt Eis
und Getränke, ja sogar eine Kutschfahrt rund um Central
Park. Annie sieht eine ganz neue, ihr unbekannte Seite
von New York.
("N.Y.C."). Annie
wird zusehends müder von all diesen Eindrücken -
Warbucks bringt sie zurück in sein Haus. Als sie den
Times Square verlassen, taucht der treue Sandy auf und
macht sich - alleine und verlassen - auf die Suche nach
Annie.
Im Waisenhaus: Grace teilt Miss
Hannigan mit, das Oliver Warbucks Annie adoptieren will.
Gerade als sie geht, kommt Miss Hannigans Bruder Rooster
mit seiner Freundin Lily an. Er will sich wieder
einmal Geld borgen. Als Miss Hannigan ihm nichts geben
will, erinnert er sie an das Wiegenlied ihrer Mutter ("Easy
Street"). Miss Hannigan erzählt von Warbuck's
Adoptionsabsichten.
Gerade, als Warbucks mit dem
US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt telefoniert, kommt
ein Päckchen von Tiffany & Co an. Der Inhalt: ein
silbernes Medaillon für Annie. Warbucks erzählt Annie
davon, daß er sie adoptieren will und gibt ihr das
Päckchen. Doch statt der erfreuten Antwort, die er
erwartet hat, beginnt Annie zu weinen. Als er von Annies
Suche nach ihren Eltern und dem Geheimnis des Medaillons
hört, stellt Warbucks seine eigenen Gefühle hintan und
ordnet eine landesweite Suche nach Annies Eltern an ("You
Won't be an Orphan for Long").
Der erste Akt endet mit Annies
optimistischer Reprise von "Maybe".
Warbucks ist traurig über den Verlust von Annie, doch
ist entschieden, ihre echten Eltern zu finden.
ZWEITER AKT ( 21. bis 25.
Dezember 1933)
Annie und Warbucks sind zu Gast in der
populären Radiosendung von Bert Healy. Sie
erzählen von der Suche nach Annies Eltern. Warbucks
verspricht denjenigen 50.000 Dollar als Belohnung, die
beweisen können, daß sie Annies Mutter und Vater sind.
Die Sendung endet damit, daß alle Beteiligten an der
Radiosendung singen "You're Never Fully Dressed
Without A Smile". Auch die Waisenkinder hören
diese Sendung und singen ihre eigene Version dieses
Lieds. Miss Hannigan, wütend auf Annies Glück,
verscheucht die Kinder.
Rooster und Lily habe sich verkleidet,
geben sich als Ralph und Shirley Smudge aus und
behaupten, Annies Eltern zu sein. Sie erzählen Miss
Hannigan von ihrem Plan, die 50.000 Dollar zu kassieren.
Sobald sie das Geld haben, wollen sie Annie verschwinden
lassen und ihr Leben im Luxus genießen ("Easy
Street-reprise").
Präsident Roosevelt und einige
Kabinettsmitglieder hören im Radio gerade die Attacke
eines polulären Kommentators auf die Politik an, als
Warbucks und Annie im Oval Office eintreffen. Während
Warbucks und die Politiker die schlechte Wirtschaftslage
diskutieren, "widerspricht" Annie diesen
negativen Gedanken mit "Tomorrow". Dem
Präsident gefällt Annies Standpunkt. Enthusiastisch
bringt er seine Kabinettmitglieder dazu, mitzusingen.
Als Warbucks und Annie erfahren, daß
hunderte von Menschen behaupten, Annies Eltern zu sein,
machen sie sich unverzüglich auf den Rückweg nach New
York. Der Präsident und die Kabinettmitglieder sind so
inspiriert von Annies Optimismus, daß sie den "New
Deal" erfinden - den Grundstock zu der Politik,
die Amerika aus der Wirtschaftskrise geführt hat.
Zurück in Warbucks' Haus: Grace hat
bereits einen Großteil der "Eltern" befragt
und weggeschickt - keiner von ihnen hatte das Medaillon
erwähnt. Der Goldschmied, der das Medaillon gefertigt
hatte, hat auch keinen Hinweis auf die
Käufer. Es scheint, als würde Annies Suche kein
glückliches Ende nehmen. Warbucks versucht Annie zu
trösten, indem er ihr seine eigenen Gefühle für sie
offenbart und die Bedeutung, die sie in seinem Leben hat
("Something Was Missing").
Die Pläne von Warbucks, Annie zu adoptieren, nehmen
Gestalt an - ebenso die Vorbereitungen für die Party, um
die Adoption zu feiern. Warbucks und Annie erzählen von
der Freude, jetzt plötzlich Vater und Tochter zu werden
("I Don't Need Anything But You").
Jeder im Haus wird in die
Vorbereitungen einbezogen. Das Haus wird dekoriert, Annie
hübsch angezogen - jeder preist "Annie".
Gerade als der Oberste Richter Brandeis die
Adoption genehmigen will, erscheinen Rooster und Lily,
verkleidet aus Ralph and Shirley Mudge und präsentieren
die andere Hälfte des Medaillons. Sie haben auch Annies
Geburtsurkund dabei - Miss Hannigan hatte sie ihnen
gegeben. Annie solle mit ihnen kommen und leben - auf
einer Schweinfarm in New Jersey. Warbucks überzeugt die
beiden, daß Annie noch über Weihnachten bei ihm bleiben
darf. Alle gratulieren Annie Mudge. Als Grace Annie ins
Bett bringen will, erinnert sie sich daran, daß sie
Mr. Mudge schon einmal gesehen hat. Warbucks ruft
Präsident Roosevelt an und bitte ihn um einen Gefallen.
Am näcshten Morgen wartet Annie
gespannt auf die Mudges ("Maybe-reprise").
President Roosevelt taucht mit der Nachricht auf, daß
das FBI die Handschrift des Briefs analysiert hat, den
Annies Eltern vor Jahren zurückgelassen hatten. Diese
Analyse komme zu dem Ergebnis, daß die Eltern David und
Margaret Bennett heißen und verstorben sind. Die Mudges
seien Betrüger.
Annie und Warbucks versichern sich
gegenseitig ihrer Liebe. Sie erkennen, daß nur Miss
Hannigan den Mudges das Medaillon und die Geburtsurkunde
gegeben haben kann. Miss Hannigan kommt mit den
Waisenkindern, um Weihnachten zu feiern. Als auch die
Mudges eintreffen, enthüllt ein weiteres Dokument des
FBI deren wahre Identität: Rooster und Lily. Miss
Hannigan versucht ihren Hals zu retten und behauptet,
Rooster und Lily nicht zu kennen - aber alle drei werden
verhaftet.
Annie stellt Warbucks die Waisenkinder
vor und verspricht ihnen eine bessere Zukunft ("A
New Deal For Christmas"). Ein großes Paket
kommt an. Als Annie es öffnet, springt Sandy in ihre
Arme.....
Text:
Kelley Theatre
19.11.2002
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