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Der 1966 geborene John von Düffel erarbeitete die erste Bühnenfassung des Romans „Buddenbrooks“ von Thomas Mann, die am 3. Dezember 2005 am Thalia-Theater in Hamburg uraufgeführt wurde. Im Alten Schauspielhaus kann sein Stück seit dem 12. April 2009 erlebt werden. |
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Weltliteratur kompakt
Das Scheitern eines Geschwistertrios |
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Zwei gegensätzliche Brüder
Der sich selbst verleugnende Businessman Thomas (Matthias Hermann) und der manieriert extrovertierte Christian (Fabian Gröver) Foto: Jürgen Frahm |
| Thomas Manns 1901 verfasster Roman „Buddenbrooks“ ist die Geschichte vom „Verfall einer Familie“. Doch „trotz seines Pessimismus wurde der Roman ein behagliches, den Reiz der alten Bürgerlichkeit mit Liebe und Humor, geduldiger Breite und köstlichem Detail ausbreitendes Buch“. So beschrieb Fritz Martini, Professor an der Technischen Hochschule Stuttgart, das umfangreiche Opus in seiner 1957 in achter Auflage erschienen Literaturgeschichte. Breite und Detail waren von dem am 12. März von Theaterchef
Wer trotz einiger Bedenken zur Premiere in das Alte Schauspielhaus in Stuttgart gekommen war, schon deshalb, weil er die Abschiedsinszenierung des in Kürze nach Salzburg wechselnden Intendanten nicht versäumen wollte, sah sich zunächst mit einem raffinierten, dabei aber kalt und technisch wirkenden Bühnenbild (Barbara Krott) konfrontiert. Ein gefühltes Hochregallager, in dem sich Schauspieler mit einer Taschenlampe verirrten? Nein, vier praktikable helle Vielzwecksäulen mit Schubladen, die einen an ein futuristisches Büro denken ließen. Sie fuhren wie ferngesteuert hin und her und verschwanden auch mal ganz auf der Seitenbühne. Im Hintergrund gab es glänzende Leichtmetalltreppen, die auch gut in eine industrielle Großanlage passen würden. Diese führten zu einer rechteckigen Öffnung, die - mal offen, mal verdeckt - immer wieder einen Blick auf eine andere, den Personen des Stücks verschlossene Welt freizugeben schien. Aus der Versenkung an der Rampe konnte alles Mögliche hochgefahren werden, so konnte dort schon auch mal im Wasser geplantscht werden. John von Düffel will in seiner Arbeit das Leben der drei Geschwister Thomas, Christian und Tony in einem Spannungsbogen über einen Zeitraum von etwa 25 Jahren erzählen, von ihrer späten Jugend bis zu ihrem endgültigen Scheitern. Dieses spielt sich zwischen zwei Generationen ab, der ihrer Eltern Konsul Johann Buddenbrook und seiner Frau, und der nächsten, die durch den kleinen Hanno Buddenbrook repräsentiert wird. Dabei bleiben Düffels Figuren plakativ und zeigen wenig Leben. Es ist schwierig, die psychologischen Hintergründe und wahren Ursachen der Handlungsweisen der Protagonisten in den kurzen Szenen und immer neuen Situationen wirklich zu begreifen. Die Tendenz zu schnellen Schnitten, alles, was in Jahren oder Jahrzehnten geschieht, in kurzen Sequenzen wie im Film nur spotlightartig zu erhellen, scheint sich auch bei Autoren durchzusetzen, die für die Bühne schreiben. Für den Zuschauer ist es deshalb nicht leicht, sich wirklich in die handelnden Personen hinein zu versetzen und mit ihnen zu fühlen. so dass im Kopf ein packendes Drama entstehen kann. In Düffels Romanbearbeitung verschwindet die menschliche Komponente hinter dem Spektakel des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Niedergangs einer Kaufmannsfamilie. Der eine oder andere mag das Geschehen mit dem modernen Raubtierkapitalismus in Verbindung bringen, übersieht dabei aber die weitgehende Inkongruenz der wirtschaftlichen Gegenwart zur vorgestrigen gesellschaftlichen Situation, wie sie Thomas Mann darstellt. Die Darsteller haben die nicht ganz leichte Aufgabe, unter diesen Voraussetzungen in ihrer Rolle den Menschen über die Rampe zu bringen. Dies gelingt besonders dem präzise artikulierenden Volker Conradt als Johann Buddenbrook und dem in seiner manierierten Extrovertiertheit überzeugenden Fabian Gröver als Christian. Matthias Hermann als sich selbst verleugnender Businessman Thomas hat es da schwerer, und Shantia Ullmann nimmt man die einfach gestrickte, aber lebensbejahende Tony, die sich geschickt durch alle Lebenslagen laviert, nicht so ganz ab. Karin Schroeder gibt glaubhaft Elisabeth Buddenbrook als zwischen Ökonomie und Familienglück hin und her gerissene Mutter. Die Cello spielende Lisa Charlotte Friedrich als Thomas’ Frau Gerda bleibt blass, was von der Regie so gewollt sein könnte. Andreas Klaue gibt den unerbittlichen Bankier Kesselmeyer, der den Schmarotzer Grünlich (Jens Woggon) unter Druck setzt, und den polternden Erzbayer Permaneder, der Tony ehelicht. Nicht vergessen darf man den musisch begabten kleinen Hanno, der die Herzen der Zuschauer gewinnt. Brauchbare kompakte Inhaltsangaben großer Werke der epischen Weltliteratur sind schwer zu finden. Hier im Alten Schauspielhaus hat der Interessierte noch bis zum 25. April die Möglichkeit, sich einige Aspekte des Handlungsgerüsts von Thomas Manns Roman in weniger als drei Stunden in zu Gemüte zu führen. Arthur H. Maute 14. März 2009 |