Bericht über das Fest der Darsteller und Fans am 22. Dezember 2000 in Stuttgart

"Die Schöne und das Biest" in Stuttgart
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Ein Fest für die Darsteller und ihre Fans
Abschied von "Die Schöne und das Biest" in Stuttgart

 
Abschiedsvorstellung von "Die Schöne und das Biest" in Stuttgart - Schlussapplaus

Schlussapplaus

Die letzte Vorstellung von Disneys Musical, das nach Angaben der Stella Entertainment 1260 mal vor mehr als 1,5 Milionen Zuschauern gespielt worden war, fand am 22. Dezember 2000 statt. Es war ein Abend der gemischten Gefühle. Da waren die Fans mit einer Mixtur aus Begeisterung für das Stück und seine Künstler, und gleichzeitig der bitteren Enttäuschung, dass mit diesem Abend nun wirklich alles endgültig aus und vorbei sein sollte. Das weitgehende Desinteresse der nicht-musical'ischen Prominenz war offensichtlich, sie war einfach nicht da. Das umherschweifende Auge entdeckte schließlich OB Wolfgang Schuster mit seiner Tochter und, nicht zu übersehen, Wommy Wonder mit einem überhohen Dutt. Dann waren da noch die Vertreter der Presse, die sich eher resigniert am großzügigen Buffet labten, statt die Gelegenheit zu nutzen, Informationen von den offiziellen Stella- und Disney-Vertretern zu erfragen.Leah Delos Santos, Uwe Kröger, Anne Sanders, Gene Roberts (v.l.n.r.) - Klicken zum vergrößern
  In der Pressekonferenz vor der Vorstellung gab es außer der offiziell bekannt gegebenen Premieren-Besetzung von "Cats" für den 2. März 2001 ja nun wirklich so gut wie nichts Neues. Stella-Chef Klaus von der Heyde erwähnte als Basis für die zukünftigen Expansionspläne den Allerweltsbegriff "Live Entertainment", war aber auf Rückfrage, was denn das konkret bedeute, nicht zu einer Antwort bereit. Begründung: die Haupversammlung und der Gang an die Börse stünden in wenigen Tagen bevor, daher sei beim Frager ein wenig Fantasie im Moment besser angebracht.
Bombalurina (Charlotte Heinke), Thierry Gondet, Nicole Sieger (v.l.n.r.) - Klicken zum vergrößern
  Direkt verstanden wurde, dass es offensichtlich vorerst bei der Zahl von sechs Spielstätten bleiben soll. Indirekt wurde deutlich, dass Stuttgart wohl dabei ist, ans Ende der Rangliste der Stella-Musicalstädte abzurutschen. Hamburg bleibt die deutsche Musical-Metropole mit Stellas "Phantom" und der neuen Produktion von "Fosse". Disneys in New York so erfolgreiches Musical "The Lion King" wird zwar nicht von der Stella, sondern von der Stage Holding, doch ebenfalls in Hamburg produziert. An zweiter Stelle steht wohl Berlin mit dem "Glöckner", und Bochum mit "Starlight Express" ist eh ein Sonderfall. Nein, in Stuttgart sind keine großartigen neuen Premieren zu erwarten, vielmehr soll das "regionale" Publikum - das sind diejenigen, die es bisher weder nach Hamburg noch nach Wien schafften, und nicht einmal ins nur zweieinhalb Stunden entfernte Zürich gefahren sind - für "Cats" mobil gemacht werden. Man hörte, dass der Kartenvorverkauf sich überraschend gut anlasse. Disney-Vertreter Dan Mojica, der anschließend vor dem Publikum wahre Lobeshymnen auf alle an "Beauty and the Beast" Beteiligten anstimmte, antwortete auf meine Frage, warum man Stuttgart bei den Musical-Plänen auslasse, ausweichend. Lion King käme ja nach Hamburg. Dass nicht mit Stella, behielt er allerdings für sich. Und "Aida"? Nun, da sei es wohl noch zu früh. Auch hier verschwieg er, dass die Stage Holding längst eine Option für die Rechte an diesem Musical für Deutschland und die Niederlande hat.
Klaus von der Heyde mit den Darstellern der ersten und letzten Vorstellung
  Der Musicalfreund, wissend, wie viele erstklassige Musicals in den letzten 40 oder 50 Jahren geschrieben wurden, zieht enttäuscht von dannen. Er fühlt, dass Stuttgarts Theater jetzt zu Wiederaufführungs-Spielstätten abzusinken drohen, Spielstätten, die eher lustlos versorgt werden, fast wie Kinos in der Provinz. Na ja, vielleicht läßt das erwähnte "Live Entertainment" noch hoffen.
  Vor der Presse aufgetreten waren noch Theaterleiterin Renate Gritschke sowie die Protagonisten der Abschiedsvorstellung Gene Roberts (Biest) und Ann Sanders (Belle), außerdem in strahlender Schönheit Leah Delos Santos und das "Original-Biest" Uwe Kröger mit "Napoleon"-schwarzen Haaren. Von der angekündigten "Cats"-Premierenbesetzung waren - Grippewelle in Hamburg - nur die wunderbare Nicole Sieger (Grizabella) und der sympathische Thierry Gondet (Rum Tum Tugger), der sich von "Cats" scheinbar nicht losreißen kann, gekommen.
  Mit einer gewissen inneren Leere ging man also in die Vorstellung, die in gewohnter Perfektion abzulaufen schien - hinter die Kulissen konnte man schließlich nicht sehen - , abgesehen davon, dass der eine oder andere ein wenig extemporierte, vor allem der Lumière von Daniele Nonnis. Dies bestätigten wenigstens die weiblichen Fans, die das Stück schon unzählige Male gesehen hatten, als ganz gewißlich wahr. Der Zauber der Stücks der früheren Vorstellungen schien jedoch verflogen, man wußte, dass heute das diesmal traurige Ende mit den sich nochmals symbolisch gegen die endgültige Entscheidung aufbäumenden Fans nahte.
  Und jetzt fand das eigentliche Fest statt. Während die Fans, im Werfen von Blumensträußen nicht ganz so geübt - ich könnte ihnen glatt eine Lehre als Blumenwerfer erteilen -, den Saal stürmten und rote Fahnen schwenkten, zeigten sich nach und nach fast alle Beteiligten, die mehr als drei Jahre vor und hinter der Bühne mitgewirkt hatten, zusammen mit vielen Darstellern früherer Jahre, dem Publikum und nahmen die begeisterten und lange andauernden Standing Ovations entgegen.
  Sodann stürzte man sich in den Partyrummel und freute sich königlich, einige der Darsteller aus nächster Nähe bewundern oder gar begrüßen zu dürfen. Das Fest der Künstler soll bis in die Morgenstunden gedauert haben.

Arthur H. Maute
28.11.2000

Fotos: Stella Entertainment
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