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Schlussapplaus
Die letzte
Vorstellung von Disneys Musical, das nach Angaben
der Stella Entertainment 1260 mal vor mehr als 1,5
Milionen Zuschauern gespielt worden war, fand am 22.
Dezember 2000 statt. Es war ein Abend der gemischten Gefühle.
Da waren die Fans mit einer Mixtur aus Begeisterung für
das Stück und seine Künstler, und gleichzeitig der
bitteren Enttäuschung, dass mit diesem Abend nun
wirklich alles endgültig aus und vorbei sein sollte. Das
weitgehende Desinteresse der nicht-musical'ischen
Prominenz war offensichtlich, sie war einfach nicht da.
Das umherschweifende Auge entdeckte schließlich OB Wolfgang
Schuster mit seiner Tochter und, nicht zu übersehen,
Wommy Wonder mit einem überhohen Dutt. Dann waren da
noch die Vertreter der Presse, die sich eher resigniert
am großzügigen Buffet labten, statt die Gelegenheit zu
nutzen, Informationen von den offiziellen Stella- und
Disney-Vertretern zu erfragen.
In der Pressekonferenz vor der
Vorstellung gab es außer der offiziell bekannt gegebenen
Premieren-Besetzung von "Cats" für
den 2. März 2001 ja nun wirklich so gut wie nichts Neues.
Stella-Chef Klaus von der Heyde erwähnte als
Basis für die zukünftigen Expansionspläne den
Allerweltsbegriff "Live Entertainment",
war aber auf Rückfrage, was denn das konkret bedeute,
nicht zu einer Antwort bereit. Begründung: die
Haupversammlung und der Gang an die Börse stünden in
wenigen Tagen bevor, daher sei beim Frager ein wenig
Fantasie im Moment besser angebracht.
Direkt verstanden wurde, dass es
offensichtlich vorerst bei der Zahl von sechs Spielstätten
bleiben soll. Indirekt wurde deutlich, dass Stuttgart
wohl dabei ist, ans Ende der Rangliste der Stella-Musicalstädte
abzurutschen. Hamburg bleibt die deutsche Musical-Metropole
mit Stellas "Phantom" und der neuen
Produktion von "Fosse". Disneys in New
York so erfolgreiches Musical "The Lion King"
wird zwar nicht von der Stella, sondern von der Stage
Holding, doch ebenfalls in Hamburg produziert. An
zweiter Stelle steht wohl Berlin mit dem "Glöckner",
und Bochum mit "Starlight Express" ist
eh ein Sonderfall. Nein, in Stuttgart sind keine großartigen
neuen Premieren zu erwarten, vielmehr soll das "regionale"
Publikum - das sind diejenigen, die es bisher weder nach
Hamburg noch nach Wien schafften, und nicht einmal ins
nur zweieinhalb Stunden entfernte Zürich gefahren sind -
für "Cats" mobil gemacht werden. Man hörte,
dass der Kartenvorverkauf sich überraschend gut anlasse.
Disney-Vertreter Dan Mojica, der anschließend vor
dem Publikum wahre Lobeshymnen auf alle an "Beauty
and the Beast" Beteiligten anstimmte, antwortete
auf meine Frage, warum man Stuttgart bei den Musical-Plänen
auslasse, ausweichend. Lion King käme ja nach
Hamburg. Dass nicht mit Stella, behielt er allerdings für
sich. Und "Aida"? Nun, da sei es wohl
noch zu früh. Auch hier verschwieg er, dass die Stage
Holding längst eine Option für die Rechte an diesem
Musical für Deutschland und die Niederlande hat.
Der Musicalfreund, wissend, wie viele
erstklassige Musicals in den letzten 40 oder 50 Jahren
geschrieben wurden, zieht enttäuscht von dannen. Er fühlt,
dass Stuttgarts Theater jetzt zu Wiederaufführungs-Spielstätten
abzusinken drohen, Spielstätten, die eher lustlos
versorgt werden, fast wie Kinos in der Provinz. Na ja,
vielleicht läßt das erwähnte "Live
Entertainment" noch hoffen.
Vor der Presse aufgetreten waren noch
Theaterleiterin Renate Gritschke sowie die
Protagonisten der Abschiedsvorstellung Gene Roberts
(Biest) und Ann Sanders (Belle), außerdem
in strahlender Schönheit Leah Delos Santos und
das "Original-Biest" Uwe Kröger mit "Napoleon"-schwarzen
Haaren. Von der angekündigten "Cats"-Premierenbesetzung
waren - Grippewelle in Hamburg - nur die wunderbare Nicole
Sieger (Grizabella) und der sympathische Thierry
Gondet (Rum Tum Tugger), der sich von "Cats"
scheinbar nicht losreißen kann, gekommen.
Mit einer gewissen inneren Leere ging
man also in die Vorstellung, die in gewohnter Perfektion
abzulaufen schien - hinter die Kulissen konnte man schließlich
nicht sehen - , abgesehen davon, dass der eine oder
andere ein wenig extemporierte, vor allem der Lumière
von Daniele Nonnis. Dies bestätigten
wenigstens die weiblichen Fans, die das Stück schon unzählige
Male gesehen hatten, als ganz gewißlich wahr. Der Zauber
der Stücks der früheren Vorstellungen schien jedoch
verflogen, man wußte, dass heute das diesmal traurige
Ende mit den sich nochmals symbolisch gegen die endgültige
Entscheidung aufbäumenden Fans nahte.
Und jetzt fand das eigentliche Fest
statt. Während die Fans, im Werfen von Blumensträußen
nicht ganz so geübt - ich könnte ihnen glatt eine Lehre
als Blumenwerfer erteilen -, den Saal stürmten und
rote Fahnen schwenkten, zeigten sich nach und nach fast
alle Beteiligten, die mehr als drei Jahre vor und hinter
der Bühne mitgewirkt hatten, zusammen mit vielen
Darstellern früherer Jahre, dem Publikum und nahmen die
begeisterten und lange andauernden Standing Ovations
entgegen.
Sodann stürzte man sich in den
Partyrummel und freute sich königlich, einige der
Darsteller aus nächster Nähe bewundern oder gar begrüßen
zu dürfen. Das Fest der Künstler soll bis in die
Morgenstunden gedauert haben.
Arthur H.
Maute
28.11.2000
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