Kurzaufenthalt am Broadway
im Juli 2001

Bericht
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Broadway im Juli 2001
Notizen aus New York City

"Contact" mit Deborah Yates und Boyd GainesAuch dieses Jahr wurde es Sommer, bis ich es schaffte, wieder eine kurze Broadway-Theater-Tour zu machen. Während es im letzten Jahr (siehe Bericht vom Juli 2000) ununterbrochen regnete, war es dieses Jahr "nice and cool", ein Wetter, das wir Deutschen eher als sonnig und warm bezeichnen würden.
   Allein das Angebot an Musicals ist überwältigend, wenn auch nicht für jeden erreichbar. Der Renner ist zur Zeit das geschickt lancierte Stück "The Producers" von Mel Brooks mit einem Rekord von 12 Tonys, den meisten Preisen, die je eine Broadwayproduktion erhalten hat. In diesem Jahr gibt es so gut wie keine Karten mehr, wenn man nicht bereit ist, größere Summen am Schwarzmarkt zu bieten. Es soll Leute geben, die $1.000 für eine Karte bezahlen. Das musste es also nun wirklich nicht sein.
   Auch zu normalen Preisen ist der Broadway, besonders bei einem Kurs von DM 2,30 pro US-Dollar, ziemlich teuer geworden. Gute Tickets kosten auf jeden Fall um die $90. Also musste ich schon gründlich überlegen, welches Musical sein Geld wirklich wert war. Zur Wahl standen natürlich unter anderen die von Reuters/Variety unter der Überschrift Broadways hottest tickets aufgelisteten 10 Stücke, an deren Spitze immer noch "The Lion King" mit einer Auslastung von 101% steht. Genannt werden neben "The Producers" außerdem "42nd Street", "Beauty and the Beast", "The Rocky Horror Show", "Follies", "The Music Man", "Cabaret" und "The Full Monty"."Follies"

   Nachdem wir in Kürze bei uns in Hamburg "The Lion King" bewundern können, fiel die Wahl dann gar nicht mehr so schwer. Meine New Yorker Theaterfreunde flüsterten mir, dass die im Belasco-Theater gezeigte erfolgreiche Show "Follies" von Stephen Sondheim am nächsten Tag abgesetzt werde - schwer zu verstehen, nachdem doch Anfang des Monats noch 93,5% Auslastung genannt wurden. Ich also nichts wie hin: tatsächlich bekam ich noch einen ganz ausgezeichneten Platz, wenn auch zum Höchstpreis. Doch ich habe es nicht bereut. Das für "Follies" wieder in Betrieb genommene Belasco gab den richtigen Rahmen ab für die Handlung, die in einem Theater spielt, das in Kürze abgerissen und durch ein Parkhaus ersetzt werden soll. Das fast schon sagenumwobene Musical wird einerseits in der Musicalliteratur als Flop aufgeführt, hat aber andererseits wesentlich mit zur Begründung von Sondheims Ruhm beigetragen."Contact" mit Karen Ziemba und Partner

   
Schon letztes Jahr hatte ich berichtet, dass ich damals leider keine Chance hatte, das im letzten Jahr mit Tonys ausgezeichnete Tanzmusical "Contact" zu sehen. Ich entschied mich daher für diesen interessanten Versuch, die Kategorie Musical um eine neu Form zu bereichern. Ich habe es nicht bereut. Noch nicht ganz ausgegoren, zeigt "Contact" jedoch einen Weg, Unterhaltung auf hohem Niveau für ein anspruchsvolleres, tanzbegeistertes Publikum zu bieten. Ich hatte das Glück, Tony-Preisträgerin Karen Ziemba auf der Bühne zu sehen, obwohl sie laut Playbill schon nicht mehr auftreten sollte. Darüber hinaus sah ich zum ersten Mal und mit großer Begeisterung die super-coole Deborah Yates als Girl in the Yellow Dress.
   Last, but absolutely not least, war ich dieses Mal nun wirklich im
42nd Street Theatre Workshop. Shakespeares "The Merchant of Venice" stand auf dem Programm, in einer Inszenierung meiner Freundin Carol Bennett Gerber. Ihr Mann Charles Gerber spielte den Shylock. Charles ist ein faszinierender Schauspieler, dem ich beim Jennifer Jiles als Portia in William Shakespeares "The Merchant of Venice" mit Judd Rubin im "The 42nd Street Workshop"gemeinsamen Essen nach der Vorstellung sagte, er habe den Shylock nicht als Teufel oder groteske Figur, sondern "als wirklichen Menschen mit all seinen Stärken und Schwächen" gespielt, worauf er mir entgegnete, das sei das größte Kompliment, das ich ihm machen könne. In der Vorstellung saß ich neben der Schauspielerin und Kritikerin Julie Halpern, die aus ihrer Begeisterung über den Abend keinen Hehl machte und dieser in ihrer Kritik besonderen Ausdruck verlieh. Ihr Bericht ist auf den Seiten des Off-Off-Broadway Review publiziert. Ein Erlebnis war auch Jennifer Jiles als Portia, die mich sogleich in die Reihe ihrer Fans einreihen konnte.

Arthur H. Maute
24. Juli .2001

Fotos: "Contact" Lincoln Center Theater
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