Premiere
der Katzenrevue "Cats" am
2. März 2001 in Stuttgart |
Premieren-Kritik
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| "Cats"
auch nach 20 Jahren noch erstaunlich frisch Die Premiere der Katzenrevue in Stuttgart war am 2. März 2001 |
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Musicalfreunde waren zunächst doch
ziemlich enttäuscht, dass die "alten" Katzen
jetzt von Stella an Stelle eines
"zeitgemäßeren" Stückes nach Stuttgart
geholt wurden. Die gesamte Produktion schien jedoch
zusammen mit Grizabella, der "Glamour
Cat", gleichsam mehrfach durch den Heavyside
Layer in den Katzenhimmel aufgestiegen und jetzt nochmals
neu geboren worden zu sein. Jedenfalls erlebte man in
Stuttgart überrascht, wie frisch Darsteller und
Choreografie erschienen. Nachdem Zuschauer, für die "Memory"
bisher der einzig bekannte Song aus "Cats"
war, erst mal erschrocken die sehr dissonant beginnende
Ouvertüre überstanden hatten, nachdem erste
Unsicherheiten und Nervositäten auf der Bühne
überwunden waren, - immerhin kontrollierte die berühmte
Gillian Lynne, die Mutter der Katzenchoreografie,
die Vorstellung persönlich -, kamen die Katzen
ausgezeichnet über die Rampe und strichen natürlich,
wie immer, nach Katzenart um die Zuschauer im Saal, so
dass sich die Begeisterung im Publikum bis zum vehementen
Schlussapplaus steigerte.Natürlich fragt man sich, was den Erfolg dieser Nummernrevue eigentlich ausmacht. Hört man die Musik von der CD, so kann sie über große Strecken nicht besonders begeistern, selbst die Aufzeichnung des "weltweit beliebtesten Musicals von Andrew Lloyd Webber", das immerhin eigens für die Videoveröffentlichung choreografiert worden sein soll, läßt einen eher kalt. Doch jetzt, live auf der Stuttgarter Bühne, versteht man plötzlich, warum "Cats" immer wieder Begeisterungsstürme hervorruft. Es ist nicht nur Tatsache, dass der Zuschauer quasi in der Mitte des "lebendigen" Geschehens
sitzt, sondern es ist vor allem die Begeisterung für das
Können der Darsteller, für den Tanz und nochmals den
Tanz, und die damit verbundene Artistik, die auf jeden im
Saal überspringt und alle mitreißt. Nicht umsonst
erhält der Mr. Mistophelees von Juan Jimenez
Sanchez mit seiner fulminanten klassischen Tanznummer
den größten Beifall. Und so läßt einen die fetzige
Revue die dürftige, kaum zu bemerkende Handlung auch gar
nicht vermissen.Sie kann mit wenigen Sätzen erzählt werden. Eine Reihe von Katzen treffen sich auf der Müllhalde, in der auch die Zuschauer sitzen, zum jährlichen "Jellicle-Ball". Gegen Morgen, wenn der Ball zu Ende geht, wird Old Deuteronomy, eine Art von Ältester oder Stammeshäuptling der bunten Katzengesellschaft, ein Mitglied des Clans auswählen, das in den Katzenhimmel kommen und wiedergeboren werden soll. Nach knapp 20 Shownummern, in der eine Reihe von unterschiedlichen Katzentypen charkterisiert werden, wird ausgerechnet und dramaturgisch nicht ganz zwingend, die Außenseiterin Grizabella, die vorher ständig von den anderen Katzen geschnitten worden war, von gerade diesen Stammesmitgliedern für "die Reise zum sphärischen Licht" ausgewählt, die sie auch sogleich über eine gefährlich aussehende, TÜV-geprüfte Himmelstreppe, antreten darf. Klar? Wer nicht erwartet, dass in einem solchen Showtanzstück auch noch gut gesungen werden kann, wird überaus angenehm überrascht. Jede Rolle verfügt über die zu ihr passende Stimme. Seien es der RocknRoll-Kater Rum Tum Tugger von Thierry Gondet, dem die Katzenmädchen zu Füßen liegen,
zu Recht, denn er ist der Popstar der Revue; das
clowneske und ständig Unfug treibende Pärchen Mungojerrie
(Enrique Segura) und Rumpelteazer (Kristi
Mancini) - bei letzerer fragt man sich, ob sie nun
wirklich ein so piepsiges Stimmchen hat, oder so
großartig im Parodieren ist -; oder Kelly Robertson als
Growltiger und Wiebke Wötzel als Griddlebone
in ihrer an Puccinis Turandot erinnernden
Opernparodie. Nur wenige der Darsteller haben keine
Tanzrolle, wie Jonathan Agar als Old
Deuteronomy und Nicole Sieger als Grizabella.
Während Jonathan Agar stimmlich und
darstellerisch nicht gerade eine Offenbarung ist, singt Nicole
Sieger ihren einzigen Song "Erinnerung"
hinreißend und überzeugend ausdrucksvoll, ohne in eine
der üblichen "Memory"-Maschen zu
verfallen.Die deutsche Übersetzung der Verse von T.S. Eliot nervt noch immer, wenigstens an den Stellen, wo man sie versteht, besonders die unzähligen Wiederholungen von "Katz' " anstelle des englischen Wortes "Cat". Da der englische Titel unverändert stehenblieb, hätten die Übersetzer wohl auch "Gumbie Cat" statt "Gumbie-Katz' " singen lassen können. Während das sattsam bekannte Bühnenbild im extremen Cinemascopeformat trotz teilweiser Erneuerung merkliche Ermüdungserscheinungen hervorruft, wenn man einmal von den exzellenten Lichteffekten absieht, so können die Kostüme immer wieder begeistern. An das Aussehen der Katzen hat man sich in den vielen Jahren so gewöhnt, dass man sich wirklich keine andere Ausstattung vorstellen kann. Leider verschwinden die Darsteller weitgehend unter ihren Masken, so dass man nur mit Hilfe einer Liste der Titelfolge in der Lage ist, die Künstler zu identifizieren. Oder man muss sich das Stück einfach öfter ansehen, wie jener Premierengast aus Hamburg, der angeblich schon über 440 Vorstellungen von "Cats" gesehen hat. Wer die Show noch nicht kennt, sollte sie sich auf jeden Fall bald anschauen. Da die Katzenrevue so langsam von den Bühnen verschwindet - für Stuttgart sind zur Zeit noch 16 Monate Spieldauer angedacht - , könnte es sonst bald zu spät dafür sein, die Katzen live zu erleben. Aber auch wenn man das Stück schon kennt, macht einem ein nochmaliges Wiedersehen Freude. Arthur
H. Maute |
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Kritiken und Berichte stellen grundsätzlich die Meinung des Autors, nicht die der MKV dar. Premieren-Besetzung Fotos:
Stella
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