In Überlingen am Bodensee gab es am 20. September 2009 die veritable Uraufführung einer Miniatur von Robert Schumann mit dem Titel „Ahnung“, einem Stück, das erst vor drei Jahren entdeckt wurde. Luiza Borac spielt Schumann in Überlingen
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Die Schumann-Forscher hatten lange keine „Ahnung“
Luiza Borac verleiht Einfachem Bedeutung
und Schwierigem Leichtigkeit

„Das Schwerste ist, einfach zu sein“ - Luiza Borac vor „Ahnung“, dem Notenblatt der vor drei Jahren entdeckten Komposition von Robert Schumann - Foto: Copyright © 2008 Arthur H. Maute
„Das Schwerste ist, einfach zu sein“
Luiza Borac vor „Ahnung“, dem Notenblatt der vor drei Jahren entdeckten Komposition von Robert Schumann
Foto: Copyright © 2009 Arthur H. Maute

„Das Schwerste ist, einfach zu sein“ sagt Pianistin Luiza Borac. In BW aktuell berichtete der SWR über die Weltpremiere des 2006 in Überlingen entdeckten Klavierstücks „Ahnung“ von Robert Schumann, das am Sonntag aus der Taufe gehoben wurde. Nur 24 Takte lang ist die hübsche Miniatur, die von Borac liebevoll interpretiert und mehrfach zu Gehör gebracht wurde. Natürlich wollte die Stadt Überlingen mit ihrer Entdeckung Furore machen und so gab es vorab einen ziemlichen Wirbel um das kleine Klavierstück, in den Medien und im Internet.
   Zu Beginn des Konzertabends im Kursaal begrüßte Oberbürgermeisterin Sabine Becker stolz die Ehrengäste. Dr. Jochen Reutter vom Musikverlag „Wiener Urtext Edition“ stellte die gedruckte Ausgabe inklusive Faksimile von Schumanns Autographen vor. Von dem natürlich im Foyer genügend Exemplare auflagen, die gleich für den Hausgebrauch gekauft werden konnten. Schließlich gab Dr. Michael Beiche von der Düsseldorfer Robert-Schumann-Forschungsstelle im ersten Teil des Konzerts musikhistorische Erläuterungen zu den auf dem Programm stehenden Kompositionen.

Luiza BoracDie Widmung von Clara Schumann als Echtheitsgarantie
   Bis 2006 hatte also kein Mensch eine Ahnung von der „Ahnung“, auf die man damals in der Überlinger Leopold-Sophien-Bibliothek gestoßen war. Es gebe keinen Zweifel an der Authentizität des Notenmaterials, das zudem mit einer Widmung Clara Schumanns an einen befreundeten Lithographen versehen ist, erläuterte Beiche. Die Komposition gehöre möglicherweise zu den 1838 entstandenen dreißig „putzigen Dingern“, aus denen Schumann die Sammlung der „Kinderszenen“ ausgewählt habe. Sie sei außerdem in der Novellette 5 op. 21 wiederverwendet worden.
   
Kraft und Posie
   Diese Komposition Schumanns brachte Luiza Borac im Anschluss an die in der Hausmusik beliebten „Kinderszenen“ zu Gehör, bei denen sie den schlichten Ton der Stücke traf und sich auch bei der „Träumerei“ nicht in der Entdeckung der Langsamkeit verlor. Die Novellette 5, eine Art Polonaise, leide an „schwächeren Zwischensätzen“, heißt es im von Werner Oehlmann 1967 herausgegebenen Klaviermusikführer. Dabei kommen einem unwillkürlich die aus „Ahnung“ entstandenen Passagen in den Sinn. Bei Borac klang das Stück allerdings brillant und ausdrucksstark zugleich.
   Mit dem nach der Pause auf dem Programm stehenden „anderen Kaliber“ (so Beiche), den „Symphonischen Etüden op. 13“, folgte der musikalische Höhepunkt des Abends. Hier konnte Luiza Borac ihre ausgereifte Technik, die männliche Kraft ihres Spiels, die Kultur ihres Anschlags und die Poesie ihrer Interpretation demonstrieren. Ihnen verdankt sie die internationale Anerkennung und enthusiastische Kritiken. Das Publikum belohnte die sympathische Künstlerin mit begeistertem Beifall.

Arthur H. Maute
21. September 2009

21.09.2009
Fotos von Luiza Borac: Copyright © 2009 Arthur H. Maute
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