Logo der Stuttgarter „Elisabeth“ ProduktionAm 6. März, dem Premierentag, soll die Produktion stehen. „Elisabeth“ in Stuttgart
Aktualisiert:
zurück

„Was blieb von ihrem Leben, als Bodensatz der Zeit? Kitsch! Kitsch!“
Probenrummel um „Elisabeth“ im Apollo Theater Stuttgart


"Wenn ich tanzen will ..." - "Elisabeth", die neue Kaiserin von Stuttgart, stellte ihren Hofstaat vor. - Maike Boerdam bei den Proben im Apollo Theater. – Foto: © 2005 Arthur H. Maute


Gerade mal seit zwei Wochen laufen die Proben im Apollo Theater Stuttgart. Kunze/Levays „Elisabeth“ wird dort erarbeitet. Im Probensaal des Musicalhauses herrscht Hochstimmung. Die Stimme des Tods, der Elisabeth bedrängt, ist durch die noch geschlossene Tür zu hören. Davor drängen sich zahlreiche Medienvertreter und warten darauf, eingelassen zu werden. Alle wollen einen Vorgeschmack auf das DramaMusical über die österreichische Kaiserin bekommen. Schließlich wird die Tür geöffnet, und die Presse wird, zusammen mit den ebenfalls eingeladenen Vertretern von Vertrieb und Marketing, eingelassen.


Die Protagonisten des DramaMusicals von Michael Kunze und Sylvester Levay: Olegg Vynnyk, Maike Boerdam und Carsten Lepper (von links). – Foto: © 2005 Arthur H. Maute

   Schon am 6. März soll die Produktion stehen, denn das ist der Premierentag. Geschäftsführer Jan Verveer, der die Besucher begrüßt, ist stolz darauf, „was wir in den letzten zwei Wochen erarbeitet haben“ und „dass wir schon so weit sind“. Denn schließlich müssen mehr als dreißig Darsteller von Choreograph Dennis Callahan gedrillt werden. Die stellen sich jetzt selbst vor. Man kennt sich ja und freut sich, im Apollo dabei zu sein. So ist Maike Switzer, die schon seit fünf Jahren in Stuttgart lebt, unter ihnen. Zuletzt war sie im „Phantom“ auf der anderen Straßenseite zu sehen, nachdem sie vorher schon mit den „Vampiren“ getanzt hatte. Michael Flöth, der Captain der „Titanic“, kommt aus Hamburg und sagt, dass er „nach so vielen Eisbergen mal den Killesberg sehen“ wollte. Carsten Lepper, der den Raoul im Stuttgarter „Phantom“ sang und im Film synchronisierte, war in Essen schon als Lucheni zu erleben. Und Maike Boerdam, der Musicalstar aus Holland, wird, wie schon in Essen, auch dieses Mal in der Titelrolle auf der Bühne stehen.

"Der letzte Tanz, der letzte Tanz, gehört allein nur mir" - Auf dem Hochzeitsball umwirbt Olegg Vynnyk als Tod Kaiserin Elisabeth. – Foto: © 2005 Arthur H. Maute

   Dennis Callahan gibt das Zeichen. Alle gehen in Position. Für die Vertreter der Medien wurde ein Mini-Podium erstellt, auf dem kaum alle Fotografen Platz haben. Alle anderen Gäste drängen sich an einer der Saalwände. Der ganze Raum wird für die Solisten und das Ensemble gebraucht. Und schon haut Klaus Wilhelm, der musikalische Leiter der Show, in die Tasten. Schon vor zehn Jahren, in den Anfängen der Stuttgarter Musicalzeit, war er bei der Premiere von „Miss Saigon“ in dieser Position dabei.

„Nehmt ein hübsches Souvenir mit, aus der kaiserlichen Welt. Alles innig, lieb und sinnig. So wie es Euch gefällt. Kitsch! Kitsch!“ Carsten Lepper spielt den Anarchisten und Elisabeth-Mörder Lucheni, begleitet von Klaus Wilhelm am Piano. – Foto: © 2005 Arthur H. Maute

   Der Hochzeitsball wird probiert. Elisabeths Vater Max (Michael Flöth) und des Kaisers Mutter Sophie (Susan Rigvava-Dumas) sind der Meinung: „Liebe macht dumm“ und „Er passt nicht zu ihr“. Während sie sich in Rage über die unpassende Heirat von Franz-Joseph mit Elisabeth singen, erscheint als nicht geladener Gast der Tod (Olegg Vynnyk).  Er „zieht alle von der Gesellschaft in seinen Bann, die sind auf einmal also auch quasi tot. Die einzige, die lebt noch, ist Elisabeth“, erklärt Dennis Callahan, der offenbar jetzt auch die Aufgabe des Regisseurs Eddy Habbema übernommen hat. „Der letzte Tanz, der letzte Tanz, gehört allein nur mir“ droht der Tod. Und schon ist die Nummer zu Ende. Ab in die Kantine.
   Doch halt. Am Klavier treffen sich Maike und Olegg, und probieren das 2001 für den zweiten Akt neu geschriebene Duett. Elisabeth brüskiert den Tod: „Wenn ich tanzen will, dann tanz ich so wie’s mir gefällt. Ich allein bestimm' die Stunde. Ich allein wähl die Musik.“
   Als Letzter kommt Carsten Lepper zum Zuge. Er singt den aggressiven Song des Anarchisten Lucheni, des Mörders von Elisabeth, und ordnet den ganzen Mythos und den Rummel um Sissi unter den Oberbegriff „Kitsch“ ein. Erstaunlich, nicht wahr? Nicht zuletzt von diesem Rummel profitieren doch jetzt auch wieder das Apollo Theater und die Macher des Musicals.

Arthur H. Maute
14. Januar 2005