Logo der Stuttgarter „Elisabeth“ ProduktionAm 3. Juni 2005 gab es nochmals eine Premiere. Ross Antony von Bro'Sis trat im Apollo Theater erstmals als Kronprinz Rudolf auf. „Elisabeth“ in Stuttgart
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Blaues Popstar-Blut für das darnieder liegende Haus Habsburg-Lothringen
Ross Antony von Bro’Sis ist seit dem 3. Juni Kronprinz Rudolf im Stuttgarter Apollo


Der erfolgreiche Popstar Ross Antony steht wieder im Musical-Rampenlicht. Seit heute ist er Kronprinz Rudolf in der Stuttgarter "Elisabeth". – Foto: Copyright © 2005 Arthur H. Maute

Das Musical, das in Stuttgart „die wahre Geschichte der Sissi“ erzählt, hat im Mai, wie man hört, beträchtlich geschwächelt. Anderswo erfolgreiche Musicals wie „42nd Street“ oder jetzt gar der Wiener Renner „Elisabeth“ wollen im Apollo Theater nicht so richtig Fuß fassen. Wer weiß, vielleicht ist im Apollo irgendwo noch ein Phantom versteckt, ein Mitglied der Krolock-Dynastie, das weder etwas für flotten Stepptanz noch für die Habsburger und die bayerische Seitenlinie der Wittelsbacher übrig hat. Auf der anderen Straßenseite im Palladium Theater scheint die unentwegt Abba-Songs singende „Mamma Mia!“ das Phantom aus den Katakomben des Hauses vertrieben zu haben. „Elisabeth“ aber scheint eine Bluttransfusion zu brauchen. Popstars und Musicalstars haben dieselbe Blutgruppe. Also kann die Blutspende eines Mitglieds der Gruppe Bro’Sis der Musicalproduktion vielleicht wieder auf die Beine helfen.
   Nicht ohne Grund haben deshalb wohl die Verantwortlichen den Popstar Ross Antony engagiert. Am letzten Freitag fand sein erster Auftritt in der Rolle des Kronprinzen Rudolf statt. So ganz scheint das den geheimnisvollen unsichtbaren Hinterbliebenen des Vampirgrafen nicht gepasst zu haben, und sie haben wohl viel vom Phantom des Palladiums gelernt. Denn kaum hatte die Vorstellung begonnen – Klein-Elisabeth war gerade von der Schaukel gestürzt -, gab es auch schon eine Unterbrechung wegen technischer Probleme. Nachdem das Publikum brav eine Viertelstunde ausgeharrt hatte, wurde es ins Foyer zu freien Getränken geladen, denn, so tönte es vom Chef des Hauses, der Computer müsse neu programmiert werden. Mit ungefähr einer Dreiviertelstunde Verspätung gab es dann die Audienz bei Franz-Josef. Das Phantom war vorerst vertrieben.


Ross Antony nimmt den Applaus des voll besetzten Hauses zusammen mit Karin Seyfried, Olegg Vynnyk und Ivar Helgasson (von links) entspannt entgegen. – Foto: Copyright © 2005 Arthur H. Maute

   Das alles war nicht gerade ermutigend für den Neuen im Team. Denn Ross Antony hatte sowieso schon beträchtliches Lampenfieber vor seinem ersten Auftritt: „Ich war vor der Premiere unglaublich aufgeregt! Auch wenn ich schon so viele Rollen in Musicals gespielt habe und mit meiner Band Bro'Sis vor Tausenden von Leuten live aufgetreten bin - es ist doch jedes Mal etwas ganz Neues.“
   Dabei hat der Brite nun wahrlich Bühnenerfahrung. Im Alter von drei Jahren stand er schon zusammen mit seinem Vater auf der Bühne. Er machte eine Musicalausbildung an der „Guildford School of Acting“, er ließ seine Stimme professionell entwickeln und erarbeitete sich eine fundierte tänzerische Ausbildung in Stepptanz, Jazz und klassischem Ballett. Zu Antonys Musicalrepertoire gehören Rollen in „Cabaret“, „A Chorus Line“, „La Cage Aux Folles“ und „Carousel“. 1997 kann er zum ersten Mal anlässlich der Uraufführung von „Catharine“ nach Deutschland und trat danach in „Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat“, in „Tabaluga & Lilly“ und auch in „Mozart!“ auf. Während der Proben zu „Hair“ sang er dann für die Castingshow „Popstars“ vor, wurde Mitglied der R’n’B-Formation Bro’Sis und verwirklichte so einen seiner Träume, nämlich Popstar zu werden. Antonys allergrößte Leidenschaft soll aber nach wie vor das Musical sein. Also nahm der Sänger an Auditions in Stuttgart teil und kehrte letzte Woche als Kronprinz Rudolf in „Elisabeth“ auf die Bühne zurück.
   Die Rolle des Kronprinzen, der von Elisabeth als Kind sträflich vernachlässigt wird, der sich später mit gewissen, der habsburgischen Krone nicht genehmen politischen Aktivitäten befasst, und der schließlich Hilfe suchend zu seiner Mutter geht, aber nach einem unerquicklichen Gespräch mit der Kaiserin schließlich vom Tod in persona eine Pistole zugespielt bekommt und Selbstmord begeht, scheint genau das Richtige für Antony zu sein. Das hatte sich schon bei den ersten Proben abgezeichnet. Der Sänger bewies bei seiner Premiere mit der unvorhergesehnen Panne, dass er gute Nerven hat, und dass er die kurze, aber wichtige Rolle von Rudolf im Griff hat. Im Duett mit Olegg Vynnyk als Tod harmonierten die Stimmen in „Die Schatten werden länger“ ganz ausgezeichnet. Und in „Wenn ich Dein Spiegel wär“, der Szene mit Karin Seyfried als Elisabeth, brachte Antony seine psychischen Nöte nicht nur mit schöner Stimme, sondern auch darstellerisch glaubhaft zum Ausdruck. So wurde Ross Antonys Debüt im Apollo trotz der anfänglichen Widernisse zu einem vom Publikum mit großer Begeisterung und viel Applaus aufgenommenen Erfolg.

Arthur H. Maute
6. Juni 2005