Heidilandchef
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„Heidi“ für Erwachsene
Die Schweizer Ferienregion Heidiland erhält ihr eigenes Musical. Sue Mathys ist Johanna Spyri. |
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Wer kennt „Heidi“ nicht?
Schon 1880 erschien „Heidi's Lehr- und Wanderjahre“ von Johann Spyri (1827-1901) und im Jahr darauf „Heidi kann brauchen was es gelernt hat“. Zwischen 1879 und 1895 hat die Schweizerin 16 Bände ihrer „Geschichten für Kinder und solche, die Kinder lieb haben“ veröffentlicht. Ihre Erzählung „Heidi“ aber gehört zu den bekanntesten literarischen Werken der Schweiz. Sie wurde in 50 Sprachen übersetzt und hat eine Gesamtauflage von mehr als 50 Millionen Exemplaren erreicht. Noch heute kennen die meisten Kinder die Geschichte des Naturkinds aus den Schweizer Bergen, wenn auch vielleicht eher durch die mehr als ein Dutzend Filme und Fernsehserien, zu denen auch die 52 Folgen der 1977 produzierten japanischen Zeichentrickfilmreihe und das Remake von 2001 gehören. Überaus bekannt und beliebt wurde das Titellied der Serie „Heidi, Heidi, deine Welt sind die Berge“ des inzwischen siebzigjährigen Christian Bruhn, von dem auch Evergreens wie "Marmorstein und Eisen bricht" oder "Liebeskummer lohnt sich nicht" stammen. Nun gibt es also am 23. Juli die Uraufführung eines neuen Heidi-Musicals am Schweizer Walensee, direkt in der so genannten Ferienregion Heidiland. Bis zum 3. September soll die Show 60.000 Zuschauer auf die 2000 Sitzplätze fassende Tribüne des Freilichttheaters am See locken. Hierzu wurde ein Budget von rund 5 Millionen Franken bereitgestellt. Auf einem 15.000 m2 großen Gelände wurde eine 700 m2 große Bühne aufgebaut. „Heidi Das Musical“ ist beileibe nicht das einzige Musical über das Mädchen aus den Bergen. So wird gegenwärtig von der Oper Leipzig "Heidi - Das Heimatmusical" von Dominik Wilgenbus und h. c. mylla im Haus Dreilinden gespielt. 2001 erschien auf CD das Hörmusical „Heidi“ von dem 2003 unerwartet gestorbenen Züricher Komponisten und Musiker Emil Moser (Buch und Gesangstexte von Jörg Schneider), eingespielt vom German Pops Orchestra unter der Leitung von Bernd Ruf. Letzteres ist schon deshalb erwähnenswert, weil Sue Mathys, die jetzt in Walenstadt die Rolle von Johanna Spyri spielt, damals in der Rolle des Fräulein Rottenmeier dabei war. Die Version, die jetzt am Walensee herauskommt, unterscheidet sich allerdings wohl von den meisten filmischen und musikalischen Produktionen. Denn die ursprüngliche Handlung des Romans wird zwar beibehalten, jedoch mit der Lebensgeschichte der Autorin Spyri verknüpft. Das Buch, die Liedtexte und die Musik stammen von Engländern. Das heißt, dass das Stück erst mal ins Deutsche übersetzt werden musste. Das überrascht. Marco Wyss, seit fünf Jahren Direktor der Ferienregion Heidiland, hatte schon seit seinem Amtsantritt die Idee, die Region im Bewusstsein der Schweizerinnen und Schweizer und der ausländischen Feriengäste durch eine Musicalinszenierung nachhaltig und positiv zu verankern. Im Frühjahr 2004 sprach Wyss in einem Interview mit der „SonntagsZeitung“, über seine Vision. Worauf er von Creative Producer John Havu kontaktiert wurde, der ihm erklärte, er arbeite mit seinem Team bereits seit einiger Zeit an der Entwicklung eines Heidimusicals. Verfolgt man den Entstehungsprozess des Stücks, so geht alles letztlich doch zurück auf eine Idee eines Schweizers. Stefan Mens aus Winterthur beschäftigt sich schon länger mit dem Thema „Heidi“ und entwirft ein Grundkonzept für eine Produktion, die sich nicht nur an Kinder wenden, sondern auch erwachsene Menschen inspirieren soll. Sein Konzept präsentiert er schließlich dem Produzenten John Havu. Der greift das Thema auf. Der Engländer Shaun McKenna erhält den Auftrag, ein wirkungsvolles Stück für eine Musicalbühne zu schreiben. Dieser legte ein Buch vor, das auf den Recherchen von Mens basiert, aber auch auf anderen Quellen, wie dem Film der Praesens Film A.G. von 1954 mit Heinrich Gretler. Als Komponist wird Stephen Keeling, ebenfalls Engländer, verpflichtet. Touristikchef Die international anerkannte Zürcher Sängerin und Schauspielerin Sue Mathys übernimmt die Rolle von Johanna Spyri. Als Heidi wurde die junge Sabine Schädler engagiert, die ihre ersten Schritte auf der Neuen Studiobühne Wien als «Cordelia» in „Falsettos“ und als „Rotkäppchen“ in „Into The Woods“ machte. Alpöhi Florian Schneider, geboren 1959 in Basel, machte sich nach zahlreichen Rollen besonders einen Namen als „Phantom der Oper“ am Musical Theater Basel, wo er den Basellandschaftlichen Kantonalbank-Preis erhielt. In der Handlung des neuen Heidi-Musicals ist das Leben der Züricherin Johanna Spyri mit ihrer Romanfigur eng verwoben. Spyri pflegt ihren schwerkranken Sohn Bernhard und beginnt, ihm Stück für Stück die Heidi-Geschichte zu erzählen. Am Sterbebett ihres Sohnes verspricht sie, Heidis Geschichte niederzuschreiben. Keelings Musik zu diesem Buch soll, wie man erfährt, in bester britischer Musical-Theater-Tradition komponiert sein und 19 Songs umfassen, die sowohl die Stimmung der Schweizer Alpen als auch das pulsierende Stadtleben von Zürich und Frankfurt charakterisieren. Wenn die Musik der neuen Produktion auch nur annährend die Popularität der Bruhnschen Heidimelodie erreicht, darf man den Machern gratulieren. Arthur H. Maute 19. Juli 2005 |