Neben ihrem schauspielerischen Können setzt Astrid Vosberg professionell die vielseitigen Möglichkeiten ihrer exorbitanten Stimme ein
„Heute Abend: Lola Blau“
in Kaiserslautern
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Frau steht gerne einen ganzen Abend lang
allein auf der Bühne
Astrid Vosberg als „Lola Blau“ in Kaiserslautern


Astrid Vosberg als Lola Blau. Am Flügel begleitet die versierte Eva Herrmann. - Foto: © 2004 Arthur H. Maute


Georg Kreislers Eine-Frau-Musical „Heute Abend: Lola Blau“ beherrscht seit mehr als 20 Jahren ununterbrochen die Theater-Spielpläne. Kreisler hat auch ein Ein-Mann-Musical mit dem Titel „Adam Schaf hat Angst“ geschrieben. Tim Fischer hat es 2002 in Berlin erfolgreich uraufgeführt. Nur leider hat es bisher niemand nachgespielt. Der Autor und Kabarettist Kreisler meint dazu: „Offensichtlich macht es den Frauen mehr Spaß, den ganzen Abend lang allein auf einer Bühne zu stehen, als den Männern.“
   Dass es der vielseitigen Künstlerin Astrid Vosberg offensichtlich sehr viel Spaß macht, allein und einen ganzen Abend lang in die anspruchsvolle und abwechslungsreiche Rolle der Lola Blau zu schlüpfen, war jetzt wieder im Pfalztheater Kaiserslautern zu erleben. Auf der Werkstattbühne des Hauses machte sie Furore mit ihrer lebendigen und wandlungsfähigen Darstellung der Jüdin Lola. Und das, nachdem sie am gleichen Tag mit dem Auto stundenlang aus Bremen zurückgefahren ist, wo sie am Abend vorher in „Victor/Victoria“ aufgetreten war.   


Die junge Lola Blau (Astrid Vosberg) freut sich auf ihr erstes Engagement. Noch ahnt sie nicht, dass es nie zu einem Auftritt am Landestheater Linz kommen wird. - Foto: © 2004 Arthur H. Maute

   Für Georg Kreisler begann die Geschichte von „Lola Blau“ mit einem Chansonabend, den seine Frau Topsy Küppers in Wien geben wollte. Es war ihre Idee, die Leidensgeschichte einer Emigration mit den Liedern zu verknüpfen. Aus dem ursprünglich angedachten „roten Faden“ für die Songs wurde allerdings dann ein richtiges Theaterstück, das mehr oder weniger die Geschichte von Kreislers Auswanderung auf eine junge jüdische Schauspielerin übertrug. Kreisler nennt das Ganze „die Geschichte einer Ohnmacht“, einer Ohnmacht gegenüber dem Antisemitismus wie dem eigenen Judentum, den sturen Schweizern gegenüber wie einer Sexkarriere in Amerika, und schließlich, zurück in Wien, gegenüber den österreichischen Ewig-Gestrigen.

Lola Blau (Astrid Vosberg) ist wieder zu Hause und beim Kabarett gelandet. Sie singt Georg Kreislers berühmtes, acht Minuten dauerndes Chanson „Im Theater ist nichts los“ und überzeugt durch eine außerordentliche künstlerische Leistung. - Foto: © 2004 Arthur H. Maute

   Zu Beginn des Stücks freut Lola sich über ein bevorstehendes Engagement am Landestheater Linz. Sie begreift gar nicht, warum das alles plötzlich zu Ende sein soll, warum alle das Land verlassen wollen, nachdem Hitler in Österreich einmarschiert ist. Doch dann flieht sie, nachdem ihr Vertrag in Linz geplatzt ist, vor den jetzt deutlicher gewordenen Veränderungen in die Schweiz, wo sie ihren Lebensunterhalt in Nachtclubs verdient. Aus der Schweiz wird sie schnell wieder ausgewiesen, darf dafür allerdings nach USA einreisen. Dort hat sie einen gewissen Erfolg, allerdings sind die Auftritte nicht ganz so, wie sie sich das vorgestellt hat. Also schluckt sie Tabletten und Alkohol. Ihr alter Freund Leo, der die Jahre im Konzentrationslager verbracht hatte, stöbert sie auf, und Lola kehrt nach Wien zurück, wo die meisten Menschen nach dem Zusammenbruch so weitermachen, wie zuvor. Sie wendet sich, jetzt politisch bewusster geworden, schließlich dem Kabarett zu, wo sie letztendlich aber resigniert.
   Astrid Vosberg stellt alle Phasen des Lebens von Lola Blau, sei es die junge ambitionierte Schauspielerin, die nichts begreift, sei es den vom Leben angeödeten Showstar, oder sei es die Kabarettistin, die mutlos aufgibt, glänzend dar. Neben ihrem schauspielerischen Können setzt sie professionell die vielseitigen Möglichkeiten ihrer exorbitanten Stimme ein, sei es Belten oder klassischer Gesang, oder Sprechgesang, meistens eine Mischung aus allem, und sie bringt Kreislers Chansons, begleitet von der versierten Pianistin Eva Herrmann, mit Biss über die Rampe. Zum Lachen ist einem bei diesem Stück allerdings selten zu Mute.

Arthur H. Maute
30. November 2004

Besetzung:
Lola Blau
Am Flügel
Inszenierung und Bühne
Kostüme
Musikalische Einstudierung
Choreographie


Astrid Vosberg
Eva Hermann
Peter Nüesch
Jola Kämmer
Eva Herrmann
Astrid Vosberg

Information:
„Heute Abend: Lola Blau“
Musical für eine Schauspielerin
Nächste Vorstellung:
17. Dezember 2004 um 20:00 Uhr
Kartenverkauf:
Telefon: 0631-3675-209, -208, -207
E-Mail: vorverkauf@pfalztheater.bv-pfalz.de