Jekyll + Hyde - Logo der Erstaufführung in Bremen"Jekyll & Hyde" im Juli 1999 in Bremen

Kritik
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"Jekyll & Hyde"
Bericht über die deutsche Produktion in Bremen

Ethan FreemanAlles fing eigentlich schon Ende Februar an, als ich mehrere Kritiken über die Premiere in Bremen las. Hier wurden insbesondere die technische Umsetzung und die gute Kooperation mit dem amerikanischen Komponisten - Frank Wildhorn - gelobt. Das Thema - ein junger Arzt forscht nach einem Serum, mit dem das Gute und das Böse im Menschen getrennt werden kann und geht letztendlich daran zu Grunde - basiert auf der Short-story von Robert L. Stevensson, der zu Lebzeiten des Jack the Ripper mit dieser und anderen Kurzgeschichten weltbekannt wurde.
   Im Juli fand ich dann zusammen mit meiner Freundin Zeit, mich um Karten und Anreise nach Bremen zu kümmern. Die telefonische Kartenreservierung klappte reibungslos, Bestätigung per Telefax. Kompliment: Das Touristeninformationszentrum auf dem Bahnhofsplatz war gut zu finden und wir erhielten dort neben einem Innenstadtplan auch sofort Auskunft, daß der Fußweg von 10 Minuten unkompliziert zu finden sei, was sich auch bestätigte.
Die Ankunft vor der ehemaligen Schwimmhalle - der Umbau begann im September 1997 und verschlang rund 45 Millionen Mark - war schon beeindruckend: Die Fassade ist modern mit viel Glas gestaltet und auch das Foyer mit eher nüchternem Betonambiente ließ dem Besucher seinen Blick auf die wesentlichen "verkaufsorientierten" Servicepunkte lenken. Eine Vielzahl von Merchandise-Produkten kann man im "Jekyll & Hyde Corner" - Shop erwerben. Das Programmheft enthält viele Informationen zum Background und ist sehr empfehlenswert. Tip am Rande: Die CD mit den Höhepunkten der deutschen Aufführung ist bereits zum gleichen Preis auch außerhalb des Hauses erhältlich, andere Produkte nicht.
   Dann wurden die Türen geöffnet und das Publikum konnte seine Plätze einnehmen und einen ersten Blick auf den Innenraum und die Bühne werfen. Alles in rot und schwarz gehalten und die Bühne mit einem maskenartigen Gesicht dekoriert. Auf welchem Platz auch immer man sitzt, eine gute Sicht auf die Bühne ist von überall aus möglich, der Ton ist exzellent.
Hochzeit
   Und mit einer Ansage aus dem Off beginnt das Stück. Die Dramatik der Geschichte - hier in der Bremer Aufführung mit Schwerpunkt auf der Liebesgeschichte Dr. Jekyll und Lisa auf der einen und Hyde und Lucy auf der anderen Seite - wird kontinuierlich aufgebaut und endet - wie nicht anders zu erwarten - in einem dramatischen Finale. Auf dem Weg dahin wird der Zuschauer von der Technik des Öfteren "abgelenkt": 30 Kilometer an Leitungen und Kabeln versorgen Licht- und Tontechnik mit der erforderlichen Energie. Die 10 Meter breite Hauptbühne und die beiden Seitenbühnen sind mit modernster Technik ausgestattet. Der Schnürboden des 28 Meter hohen Bühnenturmes nimmt über 50 Züge für bis zu 2 Tonnen Last auf, die einen schnellen und störungsfreien Wechsel der 32 Bühnenbilder ermöglichen. Das gesamte Beleuchtungs-equipment wird über den zur Zeit modernsten Lichtcomputer gesteuert.
   Die Schauspieler - in den Hauptrollen Ethan Freeman als Jekyll/Hyde, Lyn Liechty als Lucy und Susanne Dengler als Lisa (erste Besetzung) - überzeugten in ihrer Darstellung und wirken auch in den Gesangsszenen sehr stark. Aber auch allen anderen Mitwirkenden sei an dieser Stelle ein großes Lob ausgesprochen: Insbesondere in den Szenen, in denen eine Bühnenbewegung während des laufenden Songs erfolgt, müssen alle sehr konzentriert jeden Schritt genau setzen, um nicht im Zwischenboden zu verschwinden. Jeder Charakter, insbesondere die der Lower-Class, ist in ein zeitgemäßes Kostüm gesteckt worden und spiegelt deutlich die viktorianische Zeit wieder.
   Allen Interessierten an dieser Stelle ein Tip: Auch wenn die technischen Stärken dieses Theaters öfters den Betrachter in seinen Bann ziehen, verlieren Sie die Story und damit verbundene Umsetzung durch die Schauspieler nicht aus dem Auge. Insbesondere die "Verwandlung" im 1. Akt und die "Konfrontation" im 2. Akt sind neben "Mädchen der Nacht" und "Ein neues Leben" stark emotionale Szenen, deren Lebendigkeit man auch im nachhinein immer wieder beim Hören der CD erleben kann. Wenn man jedoch die Broadway CD-Aufnahme von Jekyll & Hyde kennt, ist man von der Auswahl der "Höhepunkte" der deutschen Aufführung enttäuscht. Ich hätte andere Schwerpunkte gesetzt.
   In jedem Fall ist die Bremer Inszenierung sicher sehenswert, insbesondere wenn man sich von der lebendigen Atmosphäre, die einen während der gesamten Vorstellung im Bann hält, mitreißen läßt.

Tip: Ein Besuch der Jekyll & Hyde Homepage lohnt!

Manuela Kippes
19.11.1999

Kritiken stellen grundsätzlich die Meinung des Autors, nicht die der MKV dar.

Fotos: NEUE METROPOL Bremen Theater Produktion GmbH & Co

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