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Der Neujahrsempfang 2005 der Bezirkskammer Rems-Murr der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart fand am 18. Januar in der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf statt. Mitglieder der MKV waren dazu eingeladen, und die Gäste der IHK konnten nicht nur interessante Vorträge und das Musikprogramm goutieren, sondern danach auch noch beim Stehempfang schlemmen. Die zentrale Festrede von „Mr. Mercedes“ Prof. Jürgen Hubbert, Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler AG, befasste sich mit dem „Wirtschaftstandort Deutschland im globalen Wettbewerb“. Der langjährige und verdiente Präsident der Bezirkskammer Walter Schloz wurde vom IHK-Präsidenten Dr. Günter Baumann für seine langjährigen Verdienste geehrt.
Die Reden wurden von einem furiosen Programm der vielseitigen
Astrid Vosberg
umrahmt. Sie wurde mit Enthusiasmus am Flügel begleitet von Eva Herrmann. Chansons von Günter Neumann, Georg Kreisler, Peter Kreuder, Hugo Wiener, Friedrich Hollaender und Bronislaw Kaper boten einen humorvoll nostalgischen Rückblick in die Welt der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Und die Gäste der IHK staunten nicht schlecht, wie aktuell die alten Texte über Karriere, Mode, Manager und die Frauen auch heute noch sind.
Gestern wie heute spielt Erfolg auf allen Ebenen die große Rolle und jeder möchte gerne bekannt und berühmt werden. Mit einem Seitenblick auf die gängigen Casting-Shows gab es Günter Neumanns Lied „Wie wird man heut Star“ und gleich darauf die Bewerbung einer Möchtegern-Darstellerin bei einem Theaterdirektor unter dem Titel „Im Theater ist nichts los“, die berühmte Szene aus Georg Kreislers Musical für eine Frau „Heute Abend: Lola Blau“, in der
Astrid Vosberg
alle Register zog. Im zweiten Musikblock wurden die Frauen im Publikum direkt angesprochen. Das Thema Mode spielte vor allem eine Rolle in „Was trägt man dieses Jahr“ von Peter Kreuder, einem Titel, den schon Grethe Weiser in den 30er Jahren sang. Davor gab es zu der Musik der Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt die „Birnbaum-Rhapsodie“, in der eine Frau Birnbaum zu „einer Gesellschaft ohne Sinn“ geladen ist, auf eine gesanglich untalentierte Gastgeberin trifft und diese schließlich erschießt. Der Text dieser Parodie ist vermutlich von einem Rudolf Nelson, der in den 30ern Kabarettrevuen veranstaltete.
Nach dem sehr ernsten und konzentrierten Vortrag von Professor Hubbert gab es passend und beziehungsreich zwei Songs zum Thema „Manager“, beide von Günter Neumann, zuerst aus der Sicht des Managers „Der Mann mit dem Stundenplan“ - „Was ich auch mache, die Zeit ist zu knapp“, seien es die Termine in der Firma, aber auch am Sonntag, und sogar bei der vom Arzt angeratenen Kur. „Wann bleibt mal ein Stündchen für mich?“ klagt der Geplagte schließlich. Nicht zuletzt führt dieses Leben natürlich auch zu Frustrationen bei seiner Frau, denn sie muss feststellen „Ich hab ´n Haus, ich hab ´n Herd, ich hab ´n Hund, ich hab ´n Pferd, ich hab sogar auch einen Mann“. Doch was soll sie machen, denn „Er ist immer so müde“.
Das musikalische Finale. das nach den Dankesworten des Leitenden Geschäftsführers der Bezirkskammer Hans Martin Gayer die Veranstaltung krönte, befasste sich ganz mit den verschiedenen Charakteren bei den Frauen: „Die Unscheinbare“ von Hugo Wiener findet „I bin ned schiach, i bin ned schön …“, während die Kleptomanin über ihren Trieb zum Klauen meint „Ach, wie mich das aufregt“, und auch vor dem Bösendorfer Konzertflügel, an dem die virtuos begleitende Eva Herrmann sitzt, nicht halt machen will. Die dritte schließlich will unbedingt zur Oper, kann aber ihr kleines Problem nicht verbergen. Sie lispelt und singt ausgerechnet Franz Lehars „Meine Lippen, sie küssen so heiß“.
Zum Schluss klärte Astrid Vosberg das Publikum noch auf - „Gäste sind mein größter Schreck, denn sie gehn fast niemals weg“ - und verabschiedete dann die Honoratioren in der ersten Reihe und alle anderen Gäste ganz direkt und persönlich mit Bronislaw Kapers „Auf Wiedersehn Herr Doktor, auf Wiedersehn Frau Doktor, es hat mich sehr gefreut“.
Die Waiblinger Kreiszeitung schrieb unter der Überschrift „Multitalent“ über den Neujahrsempfang: „ ‚Astrid Vosberg, Gesang, Eva Herrmann, Klavier’ hieß es schlicht zum Programmteil. Tatsächlich entpuppte sich Astrid Vosberg nicht nur als in vielen Rollen versierte Sängerin, sondern auch als Conférencière, Komödiantin, Kabarettistin als Multitalent eben. Wobei sich das Duo nicht scheute, auch stressgeplagte Manager musikalisch aufs Korn zu nehmen: ‚Er ist immer so müde’ hieß eines der Lieder.“
Arthur H. Maute
24. Januar 2004
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