Joseph
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| Pyramiden und Sphinxen,
sogar gebrauchte, gibt es in diesem Sommer bei Potiphar
in Stetten zu kaufen Joseph wird Berater und Kornkammernverwalter beim rockenden Pharao in einem kunterbunten Musical-Wunder in "Technicolor" |
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![]() Immer wieder überrascht das Stettener Theater unter den Kuppeln (TudK) die Zuschauer mit seinen anspruchsvollen und gelungenen Show-Produktionen. Im November letzten Jahres hatte sich der Theaterverein, der ausschließlich mit Amateuren arbeitet, entschieden, in diesem Sommer das bekannte Stück Joseph And The Amazing Technicolor Dreamcoat in sein großes, mit einer Drehbühne ausgestattetes Freilichttheater zu bringen. ![]() Das Musical mit dem langen Titel wurde von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice ursprünglich als zwanzigminütiges Oratorium konzipiert, das Rockelemente, Country- und Westernklänge sowie Calypso-Rhythmen verknüpfte und bei einer Schuljahres-Abschlussfeier am 1. März 1968 zum ersten Mal aufgeführt wurde. Bei einer von Andrews Vater, dem Organisten der Central Hall, Westminster, organisierten zweiten Aufführung der Pop-Kantate am 12. Mai desselben Jahres vor etwa 2500 Zuhörern war zufällig Derek Jewell, der Jazz- und Popkritiker der Sunday Times anwesend, der einen begeisterten Bericht verfasste. Schon bei der dritten Wiederholung am 9. November 1968 in der St. Paul´s Cathedral gab es Songs wie Pothiphar zum ersten Mal. Danach arbeiteten die Autoren immer wieder zusammen und entwickelten das Oratorium weiter, bis daraus schließlich eine abendfüllende Show wurde, die 1976 in New York Premiere hatte. Nach vielen Versionen und Aufführungen hatte das Musical von Sir Andrew schließlich seine auf eine Broadwayproduktion von 1993 zurückgehende eigentliche deutsche Bühnenpremiere im Dezember 1996 in Essen. Übrigens hatten die beiden Autoren das Copyright für Joseph im Jahr der Erstaufführung für zweimal 50 Guinees verkauft. Erst 1989 erwarb Webbers Really Useful Group die Rechte wieder und bezahlte dafür eine Million Englische Pfund. ![]() Die Handlung berichtet die bekannte, im Ersten Buch Mose erzählte Geschichte von Joseph, der aus Neid und Missgunst von seinen elf Brüdern als Sklave nach Ägypten verkauft wird. Seine hellseherischen Fähigkeiten erregen die Aufmerksamkeit des Pharao. Er deutet dessen Traum von den sieben fetten und sieben mageren Kühen erfolgreich, und wird so zu Pharaos mächtigem Stellvertreter, der die ägyptischen Kornkammern verwaltet. Nachdem tatsächlich auf die von Joseph vorhergesehenen sieben fetten Jahre sieben magere folgen, kommen Josephs Brüder in ihrer Not nach Ägypten und bitten um Nahrung. Nachdem Joseph seine Brüder auf eine harte Probe gestellt hat, gibt er sich schließlich zu erkennen und verzeiht ihnen. Der etwas ironische Titel des intelligenten Werks geht auf die Szene am Anfang des ersten Aktes zurück, in der Josephs Vater Jakob seinem Lieblingssohn einen traumhaft bunten Mantel schenkt. ![]() Der Charakter des Oratoriums blieb trotz der phantasievollen Bühnenproduktion in Stetten natürlich erhalten. Die eigentliche Story wird von einer Erzählerin berichtet. Durch Soli, Chöre und Ballett werden einzelne Situationen der Geschichte herausgegriffen und bebildert. Joseph, die erste Musical-Inszenierung von Joachim Riesch, ist wirklich gut gelungen. Im wirklichen Leben verdient Riesch seine Brötchen als Gesellschafter eines Softwarehauses, aber schon seit 1994 wirkt er als Mitglied des Theater-Ensembles im TudK. Da Tanz die besondere Stärke des Vereins ist, konnte der Regisseur für die Choreographie auf fünf erfahrene Tanzlehrer zurückgreifen, die ihm zur Hand gingen. Sandra Irrgang zeichnete für Jazz Dance, Tine Kluth für Modern Dance, Hazelle Kurig für die Stepptanzszenen, Marvin Lorch für HipHop und Andrea Nedele für klassisches Ballett verwantwortlich. So gelang Riesch eine fetzige Produktion, die außerordentlichen Schwung und viel gute Laune über die Rampe brachte. Nicht zuletzt war das auch der in diesem Jahr wieder live spielenden 15köpfigen Band unter Sylvio Zondler zu verdanken, die so verschiedene Musikstile wie Potiphars Geschichte im moderaten Twenties Style, Pharaos 1957er Rock´n Roll und den Benjamin-Calypso zum Klingen brachte. ![]() Zu Anfang des ersten Akt verwirrten Bühnenbild (Tine Kluth und Michael Balz), Kostüme (Hanni Loritz und Christina Kang) und Choreographie ein wenig. Es sah aus, als ob die Szenerie der Dryade vom Vorjahr irgendwie übrig geblieben war. Mit ihren mittelalterlichen Märchenhäuschen, den einfachen blau-roten Kostümen und den eher simplen Tänzchen der Mädchen schien das alles absolut nicht zum Stück zu passen, zumal die Erzählerin in einem modisch schwarzen Hosenanzug singend durchs Publikum auf die Bühne geschritten kam. Na ja, dachte man sich, das alles muss ja auch noch für andere Theaterstücke passen, in diesem Jahr zum Beispiel zur Unendlichen Geschichte. Als dann jedoch Joseph in seinem weißen Gewand und die Brüder in Ihren ausgezeichnet charakterisierenden Kostümen auftraten, hatte man doch das Gefühl, sich im gelobten Land Kanaan zu befinden. Auch Josephs gelungener bunter Traummantel trug zur weiteren Steigerung des optischen Effekts bei. Der Clou kam allerdings plötzlich und unerwartet, als sich im zweiten Akt die Bühne wieder einmal drehte, und man sich unversehens vor einem aufwendig gestalteten ägyptischen Palast mir Sphinxen, Säulen und vielen gut aussehenden Ägypterinnen wieder fand. Plötzlich war das Theater quasi in die richtige Umgebung versetzt worden, und Szenenapplaus brandete auf. Also war alles doch dramaturgisch irgendwie durchdacht und auf den Haupteffekt des Stücks, die Szenen bei Pharao, zugeschnitten. Von da an steigerte sich das Bühnengeschehen bis zum Finale. Und wer sich mit den sich oft scheinbar unmotiviert ändernden Lichtstimmungen (Tobias Mancinella) nur schwer anfreunden konnte, sollte sich vielleicht erinnern, dass die jüngere Generation durch schnelle Beleuchtungswechsel in Discos geprägt ist. ![]() Heraus aus dem Palast kam also der Pharao, der mit seinem Song Of The King (Sieben fette Kühe Seven Fat Cows) so begeisterte, dass er, von der Regie natürlich von vorn herein eingeplant, seinen Traum gleich zweimal erzählen musste. Steffen Schwarz, mit Rockröhre und als Typ glänzend geeignet für diese Rolle, war hier wirklich der King of Rock´n Roll, wenn auch sein Elvis-Hüftschwung vielleicht noch ein klein wenig verbesserungsfähig wäre. Matthias Tränkle als strahlend blonder Joseph, jetzt endgültig als erfolgreicher Träumdeuter zu Pharaos Adlatus gekürt, hatte schon im ersten Akt mit seinem Hauptsong Wie vom Traum verführt (Any Dream Will Do), begleitet von den Kindern, die fröhliche Stimmung des Abends eingeleitet. Und ganz am Anfang hatte der Prolog der Erzählerin Ingrid Herzberg, die mit schöner und klarer Stimme und dem Song Mancher träumt, dass er Wunder vollbringt, solange das Pendel der Lebensuhr schwingt in die biblische Story eingeführt. Danach ging es Schlag auf Schlag und ein Webber-Hit folgte dem anderen. Besonders Oliver Schmidt als Ruben mit Ein Engel mehr schwebt am Himmel (One More Angel In Heaven) und Alexander Schiller als Judah, der mit seinen Brüdern den Benjamin-Calypso Oh nein, nicht er (Oh No, Not He) sang, prägten sich ein. ![]() Das Publikum sparte nicht mit Beifall, die zahlreichen Mitwirkenden bedankten sich mit dem Joseph-Medley, und die meisten Zuschauer machten sich fröhlich, noch die gehörten Melodien summend, auf den Heimweg. Das Stück steht noch bis Anfang August jeweils freitags und samstags auf dem Spielplan. Arthur H. Maute 21. Juni 2003 Information: Weitere Vorstellungen am Fr. 27.6., Sa. 28.6., Fr. 4.7., Sa. 5.7., Fr. 11.7., Sa. 12.7., Fr. 18.7., Sa. 19.7., Fr. 25.7., Sa. 26.7., Fr. 1.8., Sa. 2.8. jeweils um 21:00 Uhr; Tickets zu 13, 11 und 9 Euro; Theater unter den Kuppeln, Gräbleswiesenweg 32, 70756 Leinfelden-Echterdingen/Stetten Telefon: 0711-795111 |
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