Stiftsruine Bad HersfeldPremiere von "Jesus Christ Superstar" in Bad Hersfeld am 14. Juni 2002

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„J.C.“ – Leiden und Kreuzigung eines Superstars in der Hersfelder Stiftsruine
Am Freitag Premiere: Alle 22 Shows seit Wochen ausverkauft

"Jesus Christ Superstar" in Bad Hersfeld - Yngve Gasoy-Romdal als Jesus ChristIn den vergangenen drei Jahren hatten die Bad Hersfelder auf eine Provinzschönheit namens Eva Duarte gesetzt, die es mit berechnendem Ehrgeiz bis zur First Lady an der Seite des argentinischen Diktators Juan Perón brachte und dort als „Evita“ die Massen bezauberte – bis der Krebs ihr 33-jährig 1952 die rote Karte zeigte. Gemessen an jener schillernden Persönlichkeit, die in diesem Jahr in der 1000-jährigen Stiftsruine im Mittelpunkt steht, ist die historische Bedeutung der Blondine nachgerade lächerlich gering: Jesus Christus. Leben, Wirken und Tod beider haben den britischen Musical-Papst Sir Andrew Lloyd Webber zu zwei eindrucksvollen Rock-Opern inspiriert. Und die haben, wie die ihnen zugrunde liegenden Titelfiguren, bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. 2002 nun präsentieren die Nordhessen im Rahmen der 52. Bad Hersfelder Festspiele das unkonventionelle und zur Zeit seiner Entstehung kontrovers-diskutierte Frühwerk des Komponisten, der dem Religionsgründer des Abendlandes nebenbei noch das Attribut „Superstar“ verpasste.
   Als ein solcher mit internationalem Format galt und gilt auch Helen Schneider, die als Evita drei Spielzeiten hintereinander Deutschlands schönstes und größtes Freilichtheater füllte. Exakt 112 682 Zuschauer fanden alleine in der letzten Saison den Weg in diese grandiose zur Festspielarena umgebauten Sakral-Ruine. (Sie war in ihrer Blütezeit der größter romanische Kirchenbau nördlich der Alpen, ehe im Jahre 1761 ein Feuer dieses imposante Gemäuer zerstörte). Bereits heuer steht fest, dass diese Besuchermarke auch 2002 wieder locker erreicht wird. Dazu dürften neben allen anderen Aufführungen und Konzerten auch die 22 Shows von „Jesus Christ Superstar“ beitragen, die bereits allesamt restlos ausverkauft sind, und das seit Monaten. Premiere ist übrigens am morgigen Freitag.
   Der frühe Run auf die begehrten Tickets mag nicht alleine durch das Stück ausgelöst worden sein „.J.C.“ wird eigentlich ständig irgendwo in "Jesus Christ Superstar" in Bad Hersfeld - Anna Montanaro
Deutschland auf die Bühne gebracht. In Bad Hersfeld erweisen sich neben dem stimmungsvollen Ambiente der Spielstätte stets auch die großen Namen auf der Besetzungsliste als Zugpferde. Und in dieser Beziehung waren die Verantwortlichen um Intendant Dr. Peter Lotschak auch diesmal wieder auf der sicheren Seite. Sie konnten einige der populärsten Künstler der europäischen Musical-Szene um sich scharen.
Mozart als Jesus, Valjean als Herodes
   Allen voran „Mozart“ himself, Yngve Gasoy-Romdal. Der norwegische Top-Star, der sowohl in Wien als auch in Hamburg so unnachahmlich das rebellische Genie mit den Rastalocken verkörpert(e), steht in Bad Hersfeld als Titelfigur auf der Bühne. An seiner Seite ein nicht minder leuchtender Stern des internationalen Musiktheaters – „Miss. Velma Kelly“: Anna Montanaro darf als Maria-Magdalena eine bislang völlig unbekannte Facette ihrer Persönlichkeit zeigen. Diese Personal-Konstellation allein verspricht schon ziemlich spannend zu werden.
   Und da wäre ja auch noch ein gewisser Reinhard Brussmann, der ebenfalls, und das seit Jahren, zu den wirklich ganz Großen der Branche zählt. Spätestens seit er in Wien bei „Les Misérables“ als Valjean auf den Brettern stand, wofür er mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde, ist er hierzulande ein Begriff. Diese Rolle spielte der Mann auch in Duisburg und glänzte ferner als Petruccio/Fred Graham in „Kiss me, Kate“. In Bad Hersfeld obliegt diesem Multitalent der Part des Herodes.
   Der Amerikaner Jimmie Earl Perry (Starlight Express) gibt sich als Pilatus die Ehre, während der Brite Nigel David Casey („Starlight Express“, „Saturday Night Fever“, „Cabaret“) als Judas die wohl anspruchsvollste Rolle des Stücks bekleidet.
In jeder Beziehung auf der sicherern Seite
   Auf der sicheren Seite ist aber auch das Publikum - wettermäßig betrachtet. Sollte es regnen, lässt sich binnen weniger Minuten ein 1 400 Quadratmeter großes Regendach ausfahren, das das 1 600 Menschen fassende Auditorium überspannt. Dass das Kartenkontingent bereits seit langem vergeben und ausgeschöpft ist, mögen viele Fans bedauern. Tickets lassen sich allenfalls noch auf dem „Schwarzmarkt“ ergattern - hier natürlich zu mächtig überzogenen Preisen. Es empfiehlt sich, ab und an, bei eBay vorbeizuschauen.

12.6.2002
Jürgen Heimann

Kritiken und Berichte stellen grundsätzlich die Meinung des Autors, nicht die der MKV dar.

Fotos: Stefan Odry und Jürgen Heimann

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