| "Jekyll & Hyde" 1997 kurz nach der Premiere am Broadway |
Kritik
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Ein CD-Musical auf der
Bühne |
Nach dem mehrfachen Hören
der Musik vorab war ich begeistert und äußerst gespannt
auf die Aufführung im New Yorker Plymouth Theatre,
nach der Vorstellung dagegen hätte meine Enttäuschung
nicht größer sein können. Etwa vier Wochen waren seit
der Premiere vergangen, so daß eventuelle
Anfangsschwächen des Stücks hätten ausgemerzt sein
müssen. Die Musicalbearbeitung (Buch und Gesangstexte
von Leslie Bricusse) erweitert das genial
spartanische Handlungsgerüst der Originalerzählung von Robert
Louis Stevenson um zahlreiche Szenen und Personen.
Diese Ergänzungen hätten wohl kaum banaler und
langweiliger ausfallen können. Beim Verlassen des
Theaters hörte ich zahlreiche Stimmen, die meine
diesbezügliche Meinung bestätigten, insbesondere was
den ersten Akt bis zur Verwandlung von Dr. Jekyll in Mr.
Hyde angeht. Da die Musik kaum dramatische Akzente setzt,
plätschert sie - trotz wunderschönener lyrischer
Momente - mehr oder weniger als Untermalung der
ermüdenden Szenen auf der Bühne dahin. Nicht einmal das
Zusammentreffen von Jekyll und Lucy im "The Red
Rat" hatte genügend Pfeffer. Das unnötig
verschachtelte Bühnenbild, dessen Sinn und Zweck mir
völlig unverständlich erschien, verdeckte nicht nur den
Blick auf die Akteure, und trug zur szenischen Wirkung
des Musicals so gut wie nichts bei, sondern schien sie
eher zu verhindern.. Schier unerträglich war die
Choreographie von Joey Pizzi, die ihren
schrecklichen, unfreiwillig lächerlichen Höhepunkt im
Chor Murder, Murder zu Beginn des zweiten
Aktes hatte.Überhaupt erinnerten die Volksszenen stark an My Fair Lady. Ob das wohl so gewollt war? Die mühselige Exposition der Handlung gab den durchweg ordentlich singenden Darstellern wenig Chancen, sich zu profilieren, was insbesondere für Jekylls Verlobte, die Emma der Christiane Noll, gilt. Auch Linda Eder hatte es trotz ihrer gewaltigen Stimme schwer, das Publikum von der Figur der Lucy zu überzeugen, - wenn man einmal von ihren Fans absieht. Interessanter wurde es erst, als Jekyll Robert Cuccioli (endlich!) zu Hyde werden durfte: Ein außerordentlicher Musicalsänger, der sich mit bewundernswerter Verwandlungsfähigkeit in Stimme und Spiel im zweiten Akt schließlich mit sich selbst konfrontierte. Es ist offensichtlich, daß dieses Musical gerne auf den Spuren des Phantoms wandeln möchte (Regie: Robin Phillips). Es fehlt ihm nur alles, was das große Musiktheater eben ausmacht: erregende Dramatik, hinreißende Komik, die wirklich große Liebe, und nicht zuletzt eine phantasievolle Bühnenrealisierung. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, daß das Stück in dieser Form vergleichbare Laufzeiten wie das Phantom erreichen kann, wobei man natürlich auf andere Inszenierungen, oder noch besser Bearbeitungen, gespannt sein darf. Das Theater war voller Popmusikfans, die von Frank Wildhorns Komposition angelockt worden waren und deshalb die Schwächen des Stücks gerne übersahen. Mein Fazit ist: Ein Super-CD-Musical, das noch auf eine adäquate szenische Bearbeitung wartet. Arthur
H. Maute |
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Foto:
Plymouth Theatre, New York, N.Y., PACE Theatrical Group
and FOX Theatricals |