| „Heesters“ in Stuttgart Aktualisiert: zurück |
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Hommage an einen (fast) Hundertjährigen Wieder einmal zieht Publikumsliebling Johannes Heesters die Zuschauer in seinen Bann - in der zu seiner Ehre produzierten musikalischen Show in der Stuttgarter Komödie |
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Zu Beginn sitzt er am rechten Bühnenrand, ein alter Mann, der „sein Leben gelebt hat“. Denkste. Kaum hat er einige Verse seines Lieds gesungen, steht Johannes Heesters auf, seine Stimme wird fester und erklingt kraftvoller, als erwartet. Er nimmt das Publikum wieder gefangen, ganz wie früher. Eine hilfreiche Hand streckt sich aus dem Off hervor und geleitet den großen alten Mann unter Beifall von der Bühne. Dann stellt sich Ben Zimmermann in der Rolle des jungen Sängers mit Schauspielambitionen Johan Marius Nicolaas Heesters vor: „Ich tanze mit Dir in den Himmel hinein“ von Friedrich Schröder als Revueszene. Das Stück über das Leben von Heesters beginnt. Etwas langatmig und holprig ist die Exposition, eine Szene im Studio, in der Simone Rethel als Simone Rethel einen Film für ihren „Jopie“ dreht, bis schließlich die unsterblichen Lieder, einige hübsche Showszenen und gelegentlich wirklich komische Regieeinfälle (Inszenierung: Volkmar Kamm) die dünne Rahmenhandlung, die Beatrix Ross zusammen mit Wolfgang Adenberg geschrieben hat, vergessen lassen. Aus den „Filmszenen“ leuchten knappe Einblicke in das lange, erfolgreiche Künstlerleben von Johannes Heesters auf. Wer allerdings tiefgehender informiert werden möchte, kauft sich besser im Foyer seine unter dem Titel „Johannes Heesters - Auch hundert Jahre sind zu kurz“ von Beatrix Ross aufgeschrieben Erinnerungen. Denn die wohl auf die Schnelle entstandenen, von den Autoren aus diesem Buch gewählten Szenen, sind kurz und nicht ohne weiteres verständlich. Man fragt sich da wirklich, was denn das Leben und den Erfolg des so beliebten Mannes eigentlich ausmacht. Glücklicherweise kommt die Antwort noch, wenn auch erst kurz vor Schluss. ![]() Schon am Ende des ersten Akts macht sich, vor allem bei den älteren Zuschauern, die ja gerade gekommen sind, um ihren Heesters nochmals „live“ zu sehen, eine gewisse Enttäuschung breit. Denn er selbst ist seit seinem Eröffnungslied nicht mehr aufgetreten. Natürlich versteht man, dass er kurz vor seinem Hundertsten am 5. Dezember nicht mehr ständig auf den Brettern der Komödie stehen kann. Und schließlich ist das Ganze ja eigentlich ein Geburtstagsgeschenk des Theaters an den Künstler. Aber er wird doch gewiss nochmals, wenigsten zum Abschluss des Abends, zurück auf die Bühne kommen?
Bis dahin freut man sich halt über die beliebten alten Schlagern. „Ich lade sie ein, Fräulein“ singt Ben Zimmermann, der als Jopie um seine zukünftige Frau Wiesje wirbt, die im Film von Eva gespielt wird, und die tatsächlich Sara Hesse heißt. Kompliziert, nicht wahr? „Mein Herz müsste ein Rundfunksender sein“ präsentiert Nils Weyland als Drehbuchautor Jonathan, der in der Rahmenhandlung in Eva verliebt ist; ihr Herz gewinnt er erst, als er schließendlich in den Frack steigt, in das Kostüm, das Heesters Zeit seines Lebens auf die Bühne begleitet hat. Sie folgen jetzt, Schlag auf Schlag, die Lieder, mit denen der große alte Mann in jungen Jahren so viel Erfolg hatte: „Ein Glück, dass man sich so verlieben kann“ (Heesters hält um Wiesjes Hand an), „Ich knüpfte manche zarte Bande“ aus „Der Bettelstudent“, dem ersten großen Theater- und Filmerfolg von Heesters (Sprachübungen mit der Schauspielerin Katja, die fast alle weiblichen Rollen spielen muss und in Wirklichkeit Stefanie Schwendy heißt), „Man müsste Klavier spielen können“ (Kameramann Andi, gespielt von Oliver Heim, der darstellerisch und gesanglich am besten über die Rampe kommt), „Lippen schweigen“ aus der „Lustigen Witwe“ (Ben Zimmermann mit Sara Hesse, Anlass dazu, mal zu zeigen, dass es bei weit über dreitausend „Danilos“, die Heesters gespielt hat, auch peinliche Pannen gab), „Auf dem Dach der Welt“ aus dem Film „Hallo Janine“ (als Wiesje guter Hoffnung ist) und „Ich spiel mit Dir“ aus „Hochzeitsnacht im Paradies“ zum Abschluss des ersten Aktes. Dazwischen gibt es eine Menge Klamauk, als Heesters zweimal - über Simones Handy sein Kommen ankündigt und so die mühsam und umständlich geheim gehaltene Überraschung, die für Ihn vorbereitet wird, gefährdet. Aber zur großen Enttäuschung der im Publikum auf ihn Wartenden kommt er dann doch nicht. ![]() Das Musical befasst sich gelegentlich auch oberflächlich mit der Nazizeit und im zweiten Akt mit den Kriegsjahren. Heesters kämpfte in der Vergangenheit immer wieder gegen Angriffe, die gegen ihn vorgebracht wurden, und er widmet diesem Thema in seinem Buch, besonders in dem Kapitel „Werkzeug der Propaganda oder: Meine schwierige Liebe zu Holland“, viele Seiten. Doch in der Komödie geht es schnell zurück zu den Schlagern. Mit Peter Kreuders „Ich brauche keine Millionen“, „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“ aus „Meine Schwester und ich“, Michael Jarys „Das Karussell fährt immer rundherum“ und „Durch dich wird diese Welt erst schön“ rettet sich die Show über die letzten Runden. Das Ensemble trifft sich zu „My little boy“ aus „Blume von Hawaii“ nochmals auf der Bühne, bevor es „ab in die Kantine“ heißt.
Also, irgendwie scheint das Buch der Hommage nicht ganz fertig geworden zu sein. Gerade bevor das Musical am Ende ganz in ein „schwarzes Loch“ fällt, erscheint wie ein „Deus ex machina“ der wahre, der echte Heesters, jetzt nicht mehr im beigen Rolli sondern im Frack, und rettet für viele, die da ausgeharrt haben, den Abend. Unvermittelt steht er mitten auf der Bühne, scheinbar locker an den Flügel gelehnt, und füllt sie mit seiner Persönlichkeit. Jetzt weiß man endlich, was „den Heesters“ ausmacht. Man braucht ihn gar nicht mehr mit seinem „Double“ zu vergleichen. Hier ist sie, die Bühnenpräsenz. Schalkhaft, galant spielt er offenbar mühelos mit dem Publikum. Der Kontakt ist hergestellt, bis zur letzten Reihe des Theaters, die Stimme trägt, man muss nicht mehr die Ohren spitzen, wie bei den um mehr als ein halbes Jahrhundert jüngeren Schauspielern, die sich zuletzt wie seine Kinder um ihn scharen. „Ich bin Gott sei dank nicht mehr jung“, singt er. Und natürlich „Da geh ich ins Maxim“. Seine Frau Simone Rethel hält ihn fest an der Hand und sagt: „Du hast uns etwas versprochen“ und Heesters singt „Ich werde 100 Jahre alt“. Arthur H. Maute 22. September 2003 ![]() Information: Vorstellungen: Noch bis 9. November 2003 in der Komödie im Marquardt Dienstag bis Samstag um 20 Uhr, Sonntag um 18 Uhr Samstag, 11. Oktober auch um 17 Uhr Mittwoch,5. November auch um 16 Uhr Theaterkasse: Tel. 0711-2277022 Inszenierung: Volkmar Kamm Ausstattung: Konrad Kulke Choreographie: Verena Rendtorff Musikalische Leitung: Uli Kofler |
| Darsteller: Johannes Heesters Simone Rethel, Filmregisseurin Jonathan, Drehbuchautor René, Heesters-Darsteller im Film Eva, Darstellerin der Wiesje Katja, Schauspielerin Andi, Kameramann Manuel, Pianist |
Johannes Heesters Simone Rethel Nils Weyland Ben Zimmermann Sara Hesse Stefanie Schwendy Oliver Heim Uli Kofler / Jan Röck |