Bericht von einer Vorstellung von Joseph im Wiener Raimund Theater

Bericht
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You Name It - 
Werner Cracked A Joke About It!

"Joseph" im Raimund Theater
 
   Flughafen Wien-Schwechat am 19. Januar 2000 morgens um 8-Uhr-irgendwas (Ortszeit: In meinem Kopf ist es noch 2-Uhr-irgendwas…). Und wer latscht mir gemächlich in aller Ruhe eine Zimtschnecke (oder was auch immer) verzehrend an mir vorbei?? Hannes Muik, seines Zeichens Hauptdarsteller in der Vereinigte-Bühnen-Wien-Produktion von JOSEPH. Huch. Ich habe ein Bild, um das zu beweisen! So geistesgegenwärtig bin ich sogar um zwei-Uhr-irgendwas in der Früh… (eine Zeit, die man normalerweise ja im U4 verweilt, so man in Wien, in den Besten Jahren und überhaupt "in" ist).
   Dann vergehen fast zwei Wochen, bis ich endlich endlich wieder dazu komme, mich um Musical‘ische Dinge zu kümmern: Am Dienstag, den 2. Januar 2001 stehe ich mit meiner besten Freundin vor dem Raimund Theater. Und diesmal ist sie es, die geistesgegenwärtig genug ist, die letzten beiden Karten zu ergattern. Die Show kennen wir zwei beidenn ja mittlerweile auswendig: ich hab sie knapp unter zehn Mal gesehen und meine Freundin ein paarmal öfter.
   Die monotone Märchenonkelstimme, die uns noch vor dem Prolog die gesamte Story bis zur Pause erzählt, hätte nach meinem Geschmack eigentlich nicht sein müssen. Na gut, die Show ist auf Englisch, wir sind in Wien, und im Publikum sitzen Kinder. Immerhin hat man so ein bisschen Zeit, sich das Bühnenbild anzusehen. Dieses ist nämlich wirklich einen zweiten Blick wert: Vor allem die riesengrossen Sphinx-Statuen, die die Bühne bewachen. Und beide tragen stolz ihre Nasen!
   Der Vorhang geht auf… Hmmmm… Entweder Lucy Thould hat alarmierend abgenommen (und sie war alles andere als dick!), oder dies hier ist nicht die erste Besetzung. Die Dame, die da oben steht und ihre glasklare Stimme in schwindelnde Höhen treibt, stellt sich als Nina Weiss heraus. Zweitbesetzung Erzählerin also. Na gut, auch mal interessant! Wenigstens sollten dann sonst alle "ersten" da sein!
   Denkste! Als sich zu den Klängen von "Any Dream Will Do" der Vorhang im hinteren Teil der Bühne zur Seite schiebt, steht da ein schmaler Mann mit sehr sehr schwarzen Haaren: Ramesh Nair. Dem jungen Inder steht die Rolle wie angegossen! Bei Hannes Muik habe ich jedes Mal eine Verbesserung gesehen (bei der ersten Show, die ich mit ihm gesehen habe, im Dezember 1999, war ich eher enttäuscht – tags darauf war er ein Star: strahlend, glitzernd, mitreissend, glamourös und einfach wunderschön!). Hier ist Perfektion! Von einem Freund habe ich allerdings gehört, Ramesh Nair habe anfangs "mehr laut als gut" gesungen, also dürfte auch er sich im Laufe der Produktion sehr verbessert haben!
   In der Pause erfahren wir, dass "Zweitbesetzungstag" ist – merkwürdige Institution!
   Also nochmal zum Mitschreiben:
   Ramesh Nair als Joseph: Perfekt! Darf von mir aus auch halbnackt im Käfig bleiben. Sogar ganz nackt, wenn ich‘s mir recht überlege! *ggg*
   Nina Weiss als Erzählerin: Die Schönheit in Person. Und ihre Stimme liesse Mariah Carey vor Neid erblassen!
   Simon Eichenberger als Pharao: Meine Bauchmuskeln tun mir immer noch weh vom vielen Lachen.
   Ruben Gabira als Simeon: Seit Jérôme Knols ausgestiegen ist, trauern die Fans, obwohl Gabira wirklich gut ist, manche Witze sogar besser rüberbringt als Knols! Irgendwie ein hartes Los nach einem dieser "Fanlieblinge" diese Rolle anzutreten!
   Wechselnde Jungs als Benjamin ist anscheinend Normalzustand, seit der erklärte Fan-Darling Gregor Tscherne seine Ausbildung an den PASV wieder aufgenommen hat (sein Fanclub trifft sich übrigens weiterhin Mo-So von 0 bis 24 Uhr im Gästebuch unter http://www. tanzforum.at zum Chat). Einer dieser Buben kann hüpfen wie ein Flummi: Sehr erstaunlich!
   Die Inszenierung von Werner Sobotka, einem Mitglieder der Wiener Kabarett-Gruppe Die Hektiker, ist lustig: Die Brüder sind so sauer, dass sie Joseph auch mal den Stinkefinger zeigen.
   Potiphar bezahlt seinen neuen Sklaven per Kreditkarte (hoffentlich hat die Kartenfirma auch kräftig gesponsert!), nachdem dieser ihn von seinen Step-Künsten überzeugt hat. Ein heuchlerisches Engerl wird kurzerhand mit dem eigenen Heiligenschein geknebelt. Als Lob für ihr Schauspieltalent bekommen die Brüder Hamburger und den "Asi-Softdrink vom Dienst" von Joseph (Product-Placing scheint Werner Sobotkas grösste Stärkezu sein!). In other words: You name it – Werner cracked a joke about it!
   Die Choreographien von Kim Duddy sind mitreissend: Genau die richtig Einstimmung für unsere Stammdisco U4. Türlsteher Conny begrüsst uns in alter Freundlichkeit zum "Katerfrühstück am Tu-es-day", obwohl schon längst Mittwoch ist. Und dort finden wir dann schliesslich auch, was wir im Raimund Theater schmerzlich vermisst haben: Jungs, denen man eine Affaire mit der Frau des Pharaos auch abnimmt!

Eva Oberschlick
13.1.2001

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