Am 08.12.2004 wurde das Musical „Grillparzer, leicht gekürzt“ zum letzten Mal im Wiener Metropol aufgeführt. Dieses Musical von Peter Hofbauer (Buch und Idee) und Erhard Pauer, „das künstlerische Gewissen“ von Alfons Haider (Regie und Dramaturgie) zeigte, dass man nicht viele Mittel braucht, um ein Musical auf der Bühne zu inszenieren. Haider, seit Jahren den Stockerauer Sommerfestspielen fest verbunden, ist nicht nur Künstler sondern hat auch seit 1998 die Intendanz der Sommerfestspiele Stockerau inne.
Das Publikum zeigte sich auch an diesem Abend von den Darbietungen der einzelnen Darstellerinnen und Darsteller begeistert. Der erste Teil war verschiedenen Stücken von Grillparzer gewidmet, so wurden einzelne Szenen aus dem Stücken, „Der Traum ein Leben“, „Sappho“, „Jüdin von Toledo“, „König Ottokars Glück und Ende“, „Medea“ aus dem „Goldenen Vlies“ und „Wehe dem, der lügt“ gezeigt. Erwin Windeegger stand als Zanga, die Hauptfigur aus „Der Traum ein Leben“, am Anfang des Musicals auf der Bühne. Er ist ein Stück Grillparzer in einem Stück über Grillparzer.
Das Ensemble bestand aus sieben Darstellern und Darstellerinnen. So verkörperte jede und jeder einzelne verschiedene Rollen. Alfons Haider war am Anfang Grillparzer, schlüpfte einige Minuten später in den König Alfons von Kastilien, wurde dann in „Sappho“ zum strengen Richter, er brillierte auch als König Ottokar und im zweiten Teil spielte er den Räuber Jaromir. Caroline Athanasiadis, welche ihre Ausbildung 2002 am Konservatorium der Stadt Wien mit Auszeichnung abschloss, zeigte als Kathi Fröhlich, Melitta in „Sappho“, als Reporterin und im zweiten Teil als Zofe, dass sie eine hervorragende Schauspielerin ist. Als Zofe stand ihr im zweiten Teil die dynamische Künstlerin Kathleen Bauer zur Seite. Die junge Darstellerin, die auch in dem Erfolgsmusical „Elisabeth“ auf der Bühne steht, konnte dem Publikum ihre Vielseitigkeit als Edrita, als Reporterin und als Zofe beweisen. Erwin Windegger, der aus Meran stammende Südtiroler, gab die Rollen des Zanga in „Der Traum ein Leben“, Jason in „Medea“ und in der „Ahnfrau“ den Grafen Borotin.
Lukas Perman der junge talentierte Darsteller, verkörperte gekonnt die Rollen des jungen Rustan in „Der Traum ein Leben“, den Phaon in „Sappho“, wo er auch zeigen konnte dass er nicht nur Musical, sondern auch Schlager singen kann. In der „Ahnfrau“, der ja der gesamte zweite Teil gewidmet war, glänzte er als Hauptmann. Johanna Arrouas gab im zweiten Teil eine hervorragende Ahnfrau und konnte auch im ersten Teil als Königin Eleonore, Sappho, Medea, und nicht zuletzt als Reporterin überzeugen. Die junge Mimin, die 2004 ihre Ausbildung im Bereich Musical und Chanson am Konservatorium der Stadt Wien abschloss und seit 2003 Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt ist, zog das Publikum sofort in ihren Bann und konnte in allen Rollen überzeugen. Nicht zu vergessen aber auch die junge Jasmina Sakr, eine engagierte Studentin des Konservatoriums der Stadt Wiens, die als Rahel, als Reporterin und als Bertha zeigte dass auch in ihr ein ganz großes Talent steckt.
Musikalischer Leiter und Arrangeur dieses Musical war Peter Uwira, Korrepetitor am Konservatorium der Stadt Wien und langjähriger musikalischer Begleiter von Günter Mokesch. Walter Vogelweider, der sich auch für das Bühnenbild von „The Wild Party“ im Stadttheater Klagenfurt verantwortlich zeichnen wird, gestaltete das Bühnenbild von „Grillparzer, leicht gekürzt“. Mimi Zuzanek die an der Modeschule Hetzendorf in Entwurf und Modegrafik, und an der Akademie für angewandte Kunst ausgebildet wurde, war für die Kostüme von Grillparzer und Co verantwortlich. Barbara Dulcinea Jan, die erste Beleuchtmeisterin, und seit 1990 als freischaffende Lichtdesignerin in der freien Tanz-, Musik-, Musical- und Opernszene in Wien und im Ausland tätig, kümmerte sich um das Lichtdesign.
Dem Team Peter Hofbauer und Erwin Pauer ist es auf beeindruckende Weise gelungen, den Zuschauer in die Welt von Franz Grillparzer zu entführen. Durch die hervorragende Umsetzung des Lichtes, des Bühnenbildes, und die mehr als überzeugenden Cast genossen die Zuschauer eine geführte Wanderung durch die Geheimkammer der österreichischen Seele.
Der zweite Teil des Musicals war gänzlich dem Erstlingswerk von Grillparzer, der „Ahnfrau“ gewidmet. In dem Drama „Die Ahnfrau“ erweist er sich als Psychologe hohen Grades, indem er ein gotisches Schloss in der Landschaft der modernen Seele ansiedelt. Auf dem Schloss lastet ein Fluch, denn die Ahnfrau, die in jungen Jahren heiraten musste, konnte ihren Liebhaber nicht vergessen und ließ sich auf ihn ein. Als ihr Mann sie erwischte, wurde sie von ihm mit einem Dolch erstochen. Von nun an lastet auf dem Schloss der Fluch. Nur wenn das Geschlecht der Ahnfrau durch ein Verbrechen ausstirbt, dann ist sie von ihrem Fluch erlöst. So liebt der Räuber Jaromir, ohne es zu wissen, seine gräfliche Schwester Bertha und ersticht mit dem Dolch, mit welchem die Ahnfrau erstochen wurde, seinen eigenen Vater. Jaromir will seine Geliebte Bertha aufsuchen, doch er begegnet der Ahnfrau, seiner Mutter, die Bertha zum Verwechseln ähnlich sieht, sie zeigt ihm die Leiche Berthas und sagt ihm, dass er der tot geglaubte Sohn, des alten Grafen Borotin ist, und dass seine Geliebte in Wahrheit seine Schwester ist. Sie küsst auf die Stirn, Jaromir stirbt, die Ahnfrau ist von ihrem Fluch erlöst. „Öffne dich zu stille Klause, denn die Ahnfrau geht nach hause.“
Diese weitere Co-Produktion mit den Sommerfestspielen Stockerau, lässt auf eine kommende Zusammenarbeit des Theater Metropol mit Stockerau hoffen. „Grillparzer, leicht gekürzt“ zeigte ebenso wie die Produktion „Sag beim Abschied“, dass man nicht immer die VBW sein muss, damit man ein sehr gutes Ensemble zusammenstellen und mehr als erfolgreich Musicals produzieren kann.
Marie-Anne
Lammar
12. Dezember 2004