"Elisabeth"-Logo der VBWIn Wien wird „Elisabeth“ nach der Sommerpause nur noch vom 15. September bis zum 27. November gespielt. Dann ist ein für allemal Schluss im Theater an der Wien. „Elisabeth“ in Wien
Aktualisiert:
zurück

In Wien geht eine Ära geht zu Ende
Fast schon ein Nachruf

Im Gegensatz zu Stuttgart symbolisiert in Wien die "Himmelsleiter" eindrucksvoll die Feile, Luchenis Mordwaffe, und erstreckt sich fast über die ganze Bühne. - Copyright © VBW/Jean Marie Bottequin

Das Musical um die Kaiserin Elisabeth in der überarbeiteten Originalfassung ging am 21.4.2005 in die letzte Sommerpause in Wien. Im Herbst wird das Musical noch für zwei Monate aufgeführt werden. Am 27.11.2005 wird der letzte Schleier fallen.
   Das Musical beginnt im Jetzt. Im Dunkeln sieht man nur eine Feile, an ihr baumelt eine Puppe, eine Stimme aus dem Off befragt Luigi Lucheni, den Mörder Elisabeth, wieso er die Kaiserin Elisabeth umgebracht hat. Lucheni gibt an, Zeugen dafür zu haben, dass Elisabeth den Tod liebte. Aus dem Dunkeln erscheinen die Toten und der Tod selbst, Michael Kunzes dramaturgischer Kunstgriff. Der Tod kommt auf die Bühne und gibt zu Elisabeth geliebt zu haben. “Weiß nicht wie’s geschehn kann, was es gar nicht gibt, doch es stimmt ich habe sie geliebt“. Er erscheint nicht als Sensenmann, sondern als jugendlicher attraktiver Liebhaber. Dann beginnt die wirkliche Geschichte des Musicals, und sie führt uns nach Possenhofen, Maya Hakvoort hat ihren ersten Auftritt zusammen mit Dennis Kozeluh als Herzog Max. Hakvoort ist auch nachdem sie die Rolle schon über 900 mal gespielt hat, immer   noch die  junge Sisi, verkörpert die Rolle der Kaiserin perfekt. Máté Kamarás ist als Tod auf der Bühne präsent, kommt aber in seiner Darstellung nicht an einen Uwe Kröger heran. Kröger kreierte diese Rolle bei der Uraufführung im Theater an der Wien und wird immer der Tod bleiben. Überzeugen konnte Serkan Kaya, der über zwei Spielzeiten die Rolle des Lucheni verkörperte. Er ist mal zynisch, mal sarkastisch, hat aber auch das Publikum perfekt im Griff, und versteht es, die Zuschauer immer wieder in das Geschehen mit einzubeziehen.
   Die Zuschauer wurden von der Musik und der Orchestrierung von Sylvester Levay in den Bann gezogen, seine Musik begeistert einfach immer wieder, auch wenn man das Musical öfter sieht. Lieder wie „Der Letzte Tanz“, „Ich gehör nur mir“ im ersten Akt und  „Die Schatten werden länger“ und „ Wenn ich dein Spiegel wär“ sind immer wieder einfach nur schön und haben etwas Magisches. Das Bühnenbild von Hans Schavernoch passt perfekt zur Regie von Harry Kupfer. Besonders eindrucksvoll ist die Feile, die sich in Wien über die ganze Bühne erstreckt. Sie dient als zentrales Bühnenelement und soll einen immer daran erinnern, dass Elisabeth tot ist, denn auch wenn die Feile ganz hochgezogen wird, ist sie immer noch ein bisschen zu sehen. Im Ensemble konnte vor allem Burgschauspielerin Else Ludwig begeistern. Sie ist die strenge Schwiegermutter und wirkt immer resolut und unnachgiebig. Auch Fritz Schmid, der die Rolle des Rudolf von Lukas Perman übernommen hatte, konnte in seiner Darstellung des Kronprinzen überzeugen. Gefühlvoll sang er das einzige  Solo von Rudolf „Wenn ich dein Spiegel wär“,  und überzeugte auch in dem Duett „Die Schatten werden länger“ zusammen mit Máté Kamarás als Tod.
   Elisabeth wird seit kurzem auch in Stuttgart gespielt, aber auch in Budapest und in Japan finden Aufführungen statt, doch das Musical gehört einfach nach Wien, und es ist schade, dass es im Herbst nur noch zwei Monate gespielt werden wird. Seit der Uraufführung haben über vier Millionen Menschen weltweit dieses Musical um die Kaiserin Elisabeth gesehen und zusammen mit ihr gelitten. Doch eines hatten und haben alle Inszenierungen gemeinsam: sie faszinieren die Zuschauer und die Musik begeistert und berührt so manchen.
   Den Fans bleiben im Herbst noch zwei Monate, um sich dann endgültig von dem „Elisabeth“ in Wien zu verabschieden, und es wird mit Sicherheit ein tränenreicher Abschied werden, denn durch das Musical sind viele Freundschaften entstanden und für so manchen gehört Elisabeth einfach zum Leben dazu. Das Leben der Kaiserin fasziniert und in dem Musical wird das Bild von ihr so wiedergegeben wie sie war, eine emanzipierte Frau, die freiheitsliebend war und sich den Zwängen des Wiener Hofes nicht anpassen wollte. Sie wollte frei sein und sich selbst nie verlieren und wehrte sich gegen ihre Schwiegermutter. Sie selbst sprach nie von der Hofburg, sondern immer nur von der „Kerkerburg“ und flüchtete nach Korfu und Funchal auf Madeira.
   Sylvester Levay aber wird Wien treu bleiben. Im Herbst 2006 wird im Raimund Theater in Wien sein neuestes Werk „Rebecca“, ein Musical nach dem Roman von Daphne de Maurier, uraufgeführt werden.

Marie-Anne Lammar
25. April 2005