Für die Wiederaufnahme des Musicals konnte man den Amerikaner Ethan Freeman verpflichten. Freeman ist Musicalkennern und Fans aus „Jekyll and Hyde“, „Mozart!“ und „Elisabeth“ ein Begriff. Somit steht in Fulda ein Weltstar auf der Bühne und verkörpert mit seiner charismatischen Art alle Höhen und Tiefen von Bonifatius. Er haucht dem Heiligen von Fulda gekonnt Leben ein. Seine Interpretationen der einzelnen Lieder haben ihren eigenen Charakter. Immer wieder leidet man mit ihm, wird aber durch die Erzählungen von Willibald, gespielt von Christian Böhm, immer wieder in die Gegenwart zurückgeholt. Karl Martell erlaubt dem Bischof die Gründung eines Klosters. Er gibt ihm seine beiden Söhne Pippin und Karlmann mit. Pippin wird später die Thronfolge seines Vaters übernehmen.
In Bonifatius wird Pippin von dem jungen Mainzer Christian Burkhardt dargestellt. Der junge Mime wurde in Wien ausgebildet und studierte vor seiner Ausbildung als Sänger, Schauspieler und Tänzer Germanistik und Musikwissenschaften in seiner Heimatstadt Mainz. So verbindet ihn eine ganz besondere Beziehung zu Bonifatius und Gewilip, dem Bischof von Mainz.
Dieser wird von Stefan Poslowski dargestellt. Auch Poslowski stand schon vor einem Jahr als Bischof von Mainz im Schlosstheater auf der Bühne. Er wurde in Karlsruhe geboren und kam über Umwege zum Musical. Er wurde an einer Hamburger Musicalschule ausgebildet und war danach bei der Uraufführung des Musicals „Caspar Hauser“ in Ansbach in der Titelrolle zu sehen. Er gibt den dekadenten Bischof mit Bravour. Er ist einfach der personifizierte Teufel, er will leben und hält sich nicht an Regeln, er nützt seine Macht schamlos aus. Poslowski glaubt man jedes Wort von Gewilip, die Bosheit und Dekadenz steht ihm ins Gesicht geschrieben.
Als Alrun war wie im Vorjahr die Philippinin
Leah Delos Santos
zusehen. Mit ihrer bezaubernden Art spielte sie das Schankmädchen, welches sich in den jungen Mönch Sturmius verliebt. Im Duett mit dem Mönch überzeugt sie auch den letzten Zuschauer im Schlosstheater. Sturmius ist nicht wie im Vorjahr Arne Stephan, sondern Dave Mandell, der neu im Ensemble ist. Der gebürtige Schwede wurde in London ausgebildet und war auch schon in „Jekyll and Hyde“ in Köln zu sehen. Willibald galt als wichtigster Biograph von Bonifatius. Eindrucksvoll führt Christian Böhm in dieser Rolle durch das Musical und lässt so das Publikum an den Geschehnissen im 8. Jahrhundert teilhaben.
Die Liedtexte von Dennis Martin sind sehr gelungen, die Musik, die ebenfalls von ihm stammt, vermag schon von nach den ersten paar Takten zu begeistern Die Lieder „Ein Mann, ein Wort“, „Gib mir Kraft“, „Licht der Erde“ und „Salz der Welt“ sind Ohrwürmer und könnten zu Hits werden.
Das Grab des Bonifatius im Dom zu Fulda ist alleine schon eine Reise in die hessische Stadt nördlich von Frankfurt am Main wert. Das Kloster Fulda ist das älteste Kloster nördlich der Alpen. Es wurde 744 gegründet von Bischof Bonifatius. Der erste Abt des Klosters war Sturmius, sein Schüler.
Die Transzendenz in dem Musical wird durch ein unschuldiges Kind dargestellt.
Marie-Anne Lammar
25. Juli 2005