Auch in diesem Jahr gaben die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) ein Gastspiel auf der Donauinsel. Die Fans der Show begrüßten „ihre“ Stars mit einem tosenden Applaus. Das Orchester der VBW spielte unter der Leitung von Caspar Richter die Highlights der letzten Jahre. Den Anfang machten Mark Seibert, der Star aus „Romeo und Julia“, und Marjan Shaki mit dem Lied „Summer Nights“ aus „Grease“. Shaki und Seibert harmonierten bei diesem Song. Die Ensemblemitglieder aus den Produktionen der VBW tanzten und trugen das Ihre dazu bei, dass die Show, wie auch schon in den Jahren zuvor, gelingen konnte. Alexander Goebel führte mit einer witzigen Moderation durch den Abend. Für jeden der Fans war etwas dabei.
Natürlich durfte „Elisabeth“, der Hit der VBW, nicht fehlen. Maya Hakvoort (Foto: VBW), die ungekrönte Kaiserin, sang ihr Lied „Ich gehör nur mir“ mit einer ganz eigenen Melancholie in der Stimme und im Ausdruck. Die Rolle der Elisabeth spielte Hakvoort nie, sie lebte die Elisabeth. Máté Kámarás konnte auch in diesem Jahr als Tod überzeugen. Ihm fehlt manchmal das gewisse Androgyne eines Uwe Kröger, aber in den drei Spielzeiten, in welchen er den Tod in Wien interpretierte, hat er der Rolle auch seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt. Lukas Perman, der schon als Rudolf in „Elisabeth“ die Fans in seinen Bann ziehen konnte, harmonierte perfekt mit Máté Kámarás in dem Lied „Die Schatten werden länger“.
Natürlich fehlte auch der „Tanz der Vampire“ nicht. Perman und Shaki gefielen als schüchterner Alfred und als kokette Wirtstochter Sarah. In dem Lied „Draußen ist Freiheit“ gaben die beiden ihrer Sehnsucht Ausdruck, aus dem Leben, das sie führen, auszubrechen. Beide wünschen sich ein Land, in dem alle Wunder möglich sind. Das Musical, welches in Wien seine Uraufführung im Oktober 1997 erlebte, wurde nach Deutschland exportiert und wird nach erfolgreichen Aufführungen in Stuttgart und in Hamburg ab Dezember dieses Jahres in Berlin aufgeführt werden.
Maya Hakvoort zog mit der schnellen Nummer „All That Jazz“ aus „Chicago“ das Publikum in ihren Bann. Sie bewies, dass sie nicht nur eine Elisabeth, sondern auch eine verruchte Velma Kelly sein kann. Das Ensemble zeigte bei dieser Nummer, was in ihm steckt. Jeder Tanzschritt saß und die Choreographie passte.
Im Mozart- und im Freud-Jahr durften die beiden Musicals „Mozart!“ und „Freudiana“ nicht fehlen. Mark Seibert braucht einen Vergleich mit dem Ur-Wolfgang Yngve Gasoy-Romdal nicht zu scheuen. Sein „Wie wird man seinen Schatten los“ ging jedem, der das Stück und die Texte kennt, unter die Haut. Seibert, der vor einem Jahr seine Ausbildung am Konservatorium der Stadt Wien abschloß, zeigte an diesem Abend, dass ihm nach seinem Engagement bei „Romeo und Julia“ eine internationale Karriere bevorsteht. Er meistert allabendlich eine der Hauptrollen in „Romeo und Julia“. Carin Filipcic, vor Jahren die Baronin von Waldstätten im ehrwürdigen Theater an der Wien, berührte mit ihrer Interpretaion des Liedes „Gold von den Sternen“ durch ihre einzigartige Stimme. Mal war sie sanft, dann wieder kraftvoll. Sie bewies einmal mehr, dass es sich lohnt für den Traum, einer Karriere auf der Bühne zu kämpfen.
Als Abschluss stand „Romeo und Julia“ auf dem Programm. Lukas Perman konnte mit dem Lied „Ohne sie“ überzeugen. Filipcic rührte die Zuschauer mit der französischen Version des Liedes „Siehe da, sie liebt“.
Marie-Anne Lammar
29. Juni 2006