Jürgen Heimann schreibt über
Marcel Kucera und sein Solokonzert
am 4.3.2002 in Schorndorf

Kommentar
Aktualisiert:
zurück

Marcel Kucera bestreitet am 4. März
in Schorndorf eines seiner raren Solokonzerte
Als Graf Krolock eine Wucht und als Opern-Tenor eine Klasse für sich
Marcel KuceraEr dürfte als einer der stimmgewaltigsten und ausdrucksstärksten Krolocks in die Geschichte der Stuttgarter TdV-Inszenierung eingehen: Marcel Kucera. Wenn dieser Mann als Chef-Vampir zur "Unstillbaren Gier" anhebt, stellen sich dem Publikum in der schwäbischen Musical-Hall mit schöner Regelmäßigkeit die Nackenhärchen auf. Schon heuer ist das Heulen und Zähneklappern unter den Fans groß, dass er nach dem großen Cast-Wechsel zum 31. März nicht mehr mit von der Partie sein wird. Jammerschade!.
   Der gebürtige Tscheche zählte seit Ende 2000 zum Ensemble des "blutigen" Kultmusicals und machte daselbst als Zweitbesetzung des düsteren Grafen eine hervorragende Figur. Doch der Heldentenor hat noch mehr auf dem Kasten und in der Kehle. Die Krolock-Rolle in diesem Polanski-Stück ist quasi nur die Spitze seines vokalen Eisbergs.
   Eine Möglichkeit zu erleben, was der vielsprachige Künstler sonst noch drauf hat, besteht am kommenden Montag, den 4. März. An diesem Abend gibt Kucera im Studio bei Piano-Fischer in Schorndorf in der Nähe von Stuttgart eines seiner raren Solo-Konzerte. Beginn 20.30 Uhr. Begleitet wird der "Magister der Künste" – als solcher darf er sich nach seinem Studium an der Janacek Kunstakademie Brünn offiziell nennen – von dem Pianisten Christoph Wohlleben.
   Apropos Brünn: Das dortige Nationaltheater hatte ihn 1995 und 1996 zweimal hintereinander zum Operettendarsteller des Jahres gekürt. Wohl nicht von ungefähr. Schon zuvor war ihm sein Ruf weit über die Grenzen seines Heimatlandes vorausgeeilt. Das italienische Außenministerium verschaffte ihm sogar ein einjähriges Stipendium in Florenz und an der Mailänder Scala.
   Kucera kommt eigentlich auch aus dem klassischen Opern- und Operettenfach (Verdi, Dvorak, Puccini, Cotel, Bizet, Tschaikowsky, Lehár, Kalman) und sammelte nicht nur daheim, sondern auch in Österreich, Norwegen, Italien und Jugoslawien Bühnenerfahrungen. Gleich bei seinen ersten Gehversuchen im Musical-Bereich vertraute man ihm eine der anspruchsvollsten Rollen dieses Genres an: Den Inspektor Javert in der Prager "Les Misérables"-Inszenierung. Und dabei war er auf den Geschmack bekommen, wenngleich der heute 32-jährige seine musikalische Herkunft nie verleugnen will – und kann.
   Und so wird es bei seinem Liederabend in Schorndorf auch von jedem etwas geben – eine Brise Jekyll & Hyde, eine Quentchen „Les Mis“, eine volle Packung Vampire und die schönsten Arien aus seinen Opern- und Operetten-Engagements. Tickets können im Internet unter 
http://www.marcel-kucera.de/intro.php geordert werden.

Jürgen Heimann
1. März 2002

Namentlich gekennzeichnete Kritiken, Kommentare und Berichte
stellen grundsätzlich die Meinung des Autors, nicht die der MKV dar.

Kritiken + Berichte
Aktuelle Nachrichtenseite