Katja Hentschel und Stefanie Schwendy mit einem amüsanten Songprogramm im Alten Schauspielhaus
„Männerfang für Fortgeschrittene“ in Stuttgart
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Amüsante Nacht mit zwei Blondinen im Alten Schauspielhaus
Wie sie Männer fangen, bleibt allerdings auch nach diesem Abendkurs immer noch ihr Geheimnis

Katja Hetschel (links) und Stefanie Schwendy lassen die Zuschauer über ihr eigentliches Thema zwar weitgehend im Ungewissen, bezaubern aber sonst mit kessen Sprüchen und amüsanten Songs im Nachtprogramm des Stuttgarter Alten Schauspielhauses
Angekündigt haben sie sich unter dem viel versprechenden Titel „Männerfang für Fortgeschrittene“, und wer sich zu später Stunde auf den Weg machte, hatte doch ein klein wenig Hoffnung, dahinter zu kommen, was in den Köpfen der beim Männerfang erfolgreichen Frauen so vor sich geht. Der, oder besser die Lernwillige, die noch nicht weiß, was zu tun ist, wird es auch bei diesem nicht ganz ernst gemeinten Nachtprogramm im Foyer des Stuttgarter Alten Schauspielhauses wohl nicht packen. Das unterhaltsame Songprogramm, das Andreas Geier, also „ein Mann“, sich ausgedacht hat, setzt auf harmlose, durchaus witzige Zwischendialoge, die aber eher auf Probleme und Frustrationen als auf Erfolge der beiden Blondinen in Ihren Beziehungen zielen. Ansonsten bleibt alles locker vorgetragene und leichte Kost, und ist zusammen mit dem im Eintrittspreis enthaltenen Cocktail als süßes Betthupferl zu goutieren. Schließlich sollen die Zuschauer ja auch nach dem Programm keine schlaflose Nacht verbringen, sondern einfach von zwei verlockend sexy auftretenden Blondinen träumen dürfen.Autor und Regisseur Andreas Geier: Weiß er wirklich Bescheid?
  Also: Stefanie Schwendy, eher die Romantische mit der zarten, in der Höhe schwebenden Stimme, und Katja Hentschel, die mit etwas mehr Volumen singende, sich sexbesessen gebende Nymphomanin, fangen die Männer einfach mit ihrem berückenden Charme und ihrem blendenden Aussehen ein. Sie setzen einfach auf ihre typische Weiblichkeit, wie sie seit Urzeiten auf die Männer wirkt. Zwar treten die beiden am Anfang der Show noch in extrem kurzen Trenchcoats auf, aber darunter tragen sie T-Shirt und Jeans oder einen Hosenanzug, also Erwartungen á la „Mädchen Rosemarie“ werden nicht erfüllt. Noch sind sie scheinbar typische Mädchen unseres Jahrzehnts, schlüpfen aber dann unverzüglich in zeitlose Abendkleider.
  Zeitlos, wenn auch im allgemeinen nicht zeitgenössisch, sind auch viele der Lieder, die erklingen: „I Wish I Were In Love Again“ aus „Babes In Arms“ (1936) von Richard Rogers and Lorenz Hart, oder „Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will“ und „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ aus dem fast gleichnamigen Operettenfilm (1932) von Oscar Straus. Nach der Pause erklingt stimmungsvoll aus dem Hintergrund „I Know Him So Well“ aus „Chess“ (1986) von Tim Rice, Benny Andersson and Björn Ulvaeus. Ab und zu geht es auch etwas flotter zu. Über Gittes
„Ich will ’nen Cowboy als Mann“, bei dem der am Klavier sitzende musikalische Leiter Jan Röck von den Blondinen aufs Korn genommen wird, geht es dann fast zu schnell zum Finale mit Walter Kollos Gassenhauer „Die Männer sind alle Verbrecher“ aus der Operette „Wie einst im Mai“. Schließlich gipfelt dieser Vorwurf am Ende mit „Aber lieb, aber lieb sind sie doch“ wieder in einer Art Sympathiekundgebung an die Männer, die, zunächst vielleicht etwas verunsichert durch manch kessen Spruch aus dem Mund der verführerischen Blondinen, dann doch noch beruhigt nach Hause gehen können.

Arthur H. Maute
22. November 2003

Informationen:
Idee und Konzeption:
Andreas Geier
Musikalische Leitung:
Jan Röck
Mitwirkende:
Katja Hentschel und Stefanie Schwendy
Eintritt:
12,50 Euro - Cocktail inklusive!
Termine:
Wiederholung an den Samstagen 22. November und 20. Dezember 2003 jeweils um 23 Uhr
im Foyer des Alten Schauspielhauses
Kartentelefon:
0711-2265505

Fotos: Arthur H. Maute