"Miami
Nights"im Düsseldorfer Capitol |
Miami
Nights
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What a feeling!! Miami Nights hat Charme, Tempo und Klasse und strotzt vor Vitalität Keine Konfektionsware von der Stange, sondern ein maßgeschneiderter Musical-Coup made in Düsseldorf |
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Es hat Charme, es hat Witz, es ist schnell und farbenprächtig, kurzweilig und turbulent. Und ein Hit jagt den nächsten. Kurzum: Man/frau muss dieses Stück einfach mögen, wenn nicht sogar lieben. Und dabei hatten die Skeptiker im Premierenvorfeld von Miami Nights wieder einmal Hochkonjunktur, weil sie eben nur ein weiteres bewegungsintensives und anspruchsloses Gute-Laune-Stück nach Schema F, von denen es ja schon zur Genüge gab und gibt, erwarteten. Sie mussten sich von dem jungen Regie-Talent Alex Balga, Choreografin Natalie Holtom und den anderen Kreativen aus ihrem Dunstkreis (Buch: Marcus Haseloff; Bühnenbild: Walter Schwab; Kostümdesign: Cheesha Gayden; Musikalische Leitung: Heribert Feckler) eines Besseren belehren lassen. Letztere hatten, wie vor allem auch die Produzenten Thomas Krauth und Andrea Friedrichs, von Anfang an fest an ihr Baby
geglaubt, wenngleich für den Außenstehenden zunächst
etwas unersichtlich war, worauf sie ihre optimistischen
Einschätzungen gründeten. Denn: Es konnte und sollte ja
nicht darum gehen, das Tanzmusical neu zu
erfinden. Vielleicht war es aber (höchste) Zeit, es neu
zu definieren. Ob die Helden nun Danny Zuko, Brutus T. Firefly oder Tony Manero heißen, sie hopsen sich die Seele aus dem Leib, haben im Kräftespiel zwischen Angebot und Nachfrage ihren Platz gefunden und bedienen einen real existierenden Markt. Oft ist das Resultat sogar ganz amüsant, doch bleibt, abgesehen von zweieinhalb Stunden zwangloser, mittelmäßig bis guter Unterhaltung, häufig wenig hängen. Und schon gar nicht (oder ganz, ganz selten) stellt sich dieses Aha- und Whow-Erlebnis ein. Und jetzt noch eine Inszenierung nach diesem Strickmuster? Musste das wirklich sein? Die Antwort lautet eindeutig und entschieden Ja! Keine Konfektionsware "Miami Nights" ist keine Produktion von der Stange, keine Konfektionsware, die, weils vielleicht auch bequem ist, andernorts, am Broadway oder im Westend, mal eben schnell eingekauft wurde. Hier ist alles Maßanfertigung made in Germany. Der Erfolg, der sich bereits bei den der Welturaufführung vorgeschalteten Previews anhand der begeisterten Publikumsreaktionen abzeichnete, ist hart und ehrlich erarbeitet. Mit dieser Inszenierung
hat Düsseldorf als Musical-Standort erneut an Gewicht
zugelegt.Nun hat das Capitol-Theater, das bis 1992 als Betriebshof der Rheinbahn diente, in seinem bisherige Dasein als Musen-Tempel ja noch nie Durchschnitts-Kost serviert. Ob "Grease", die deutsche Erstaufführung von "Rent", "Chicago", "Godspell", "Cabaret" oder die "Rocky Horror Show", es waren stets (ausgereifte) Meilensteine, die hier über die Rampe gingen. Und jetzt als (vorläufige) Krönung des Ganzen eine veritable Weltpremiere. Man würde es sich zu einfach machen, die Zugkraft der neuen Produktion einzig und allein der Potenz ihrer Musik zuschreiben. Gut: Die Verantwortlichen haben sich ziemlich ungeniert in den Charts der wilden 80-er bedient und sich daraus die großen Abräumer herausgepickt. Das fängt bei Gloria Estefans"Conga" an, erstreckt sich über "I wanna dance with somebody" von Whitney Housten und "Time after time" von Cindy Lauper und hört bei "What a feeling" von Irene Cara oder "Holding out for a Hero" von Bonnie Taylor noch lange nicht auf. Mag ja durchaus sein, dass allein diese Titel und ihre kalkulierte, zwangsläufige Assoziation mit so legendären Tanzfilmen wie "Dirty Dancing", "Footloose" oder "Fame" schon Eigendynamik und Zugkraft genug entwickeln, um die Besucher die Katze im Sack kaufen zu lassen. Das Publikum erlebt trotzdem noch sein blaues Wunder im positiven Sinne. All diese Mega-Hits wurden aufgepeppt und neu arrangiert und vor allem äußerst geschickt und mit sicherem Gespür in die Handlung eingepasst bzw. mit ihr verwoben. Auch diese Story rankt sich letztlich nur um ein großes
Tanzturnier, das zu gewinnen die Protagonisten alles
daran setzen. Insofern darf man bei einem solchen Sujet
auch keinen falschen Ehrgeiz unterstellen, der vielleicht
auf den literarischen Friedensnobelpreis schielt.
Trotzdem: Das Buch von Autor Haseloff hebt sich
wohltuend von dem gängigen Einheitsbrei anderer, ähnlich
ausgerichteter Vorlagen ab, deren Verlauf und Ende alle
irgendwie doch vorhersehbar sind und deshalb sehr oberflächlich
wirken. "Miami Nights" hingegen steckt
voller Humor und erfrischender Nuancen und beinhaltet
andererseits doch einige überraschende Wendungen. Liebe,
Eifersucht, Intrigen, Egoismus, übersteigerter Ehrgeiz,
Herzschmerz, Lebensfreude, Lust und Frust wirken in ihrer
Darstellung glaubhaft und eben nicht aufgesetzt. Die Charaktere wurden sehr fein und anschaulich herausgearbeitet, wobei deren Agieren, sei es in Wort, Gesang oder Tanz, auch von immenser Detailversessenheit des Regisseurs und der Choreografin zeugen. Hier passt irgendwie alles zusammen. Die schwungvollen Bewegunsgabläufe und blitzschnellen Szenenwechsel in der Manier eines Video-Clips sind von zum Teil schwindelerregender Rasanz. Das Stück hat keine Anlaufschwächen, es geht gleich in die Vollen, von Null auf Hundert in wenigen Sekunden. Und dieses Tempo wird bis zum Schluss durchgehalten was extreme Anforderung an die Akteure vor und hinter den Kulissen stellt. Der Funke springt vom ersten Moment an aufs Publikum über, sodass es im Auditorium nur so wippt und klatscht. Aber erst das knapp 30-köpfige Ensemble bringt die Zauberkraft und die erotisch aufgeladene Atmosphäre der in den tropisch-schwülen Gefilden Südfloridas angesiedelten Love-Story in seiner ganzen Bandbreite zur Blüte. Und man merkt sofort, dass die Künstler hier nicht eine Rolle abspulen, sondern mit Herz, Leib und Seele dahinter stehen. Das Spannungsfeld zwischen Gut und Böse,
Hass und Liebe, Zickigkeit und Lasterhaftigkeit, Sucht,
Erfolgszwang und Emotionen nutzen die Darsteller zur
Entfaltung und individuellen Akzentuierung. Die gesamte
Cast ist ambitioniert und hoch motiviert. Jeder einzelne
Darsteller, und obliegt ihm/ihr noch ein so kleiner Part,
ist vom Ehrgeiz beflügelt, das absolut Beste aus sich
herauszuholen und zu geben. Nicht nur vom Hit-Potential her gesehen, sondern auch personell dürfen sich die Macher des Stücks auf der todsicheren Seite wähnen. Allein die überragende und zauberhafte Karin Seyfried in der Rolle des kubanischen Popcorn-Aschenputtels, das sich zur Latino-Prinzessin Laura Gomez mausert, würde es herausreißen, wenn alle anderen schwach wären. Sind sie aber nicht. Starkes Ensemble Neben der charmanten Wienerin, die zuletzt als Stephanie Mangano in "Saturday Night Fever" auf der Bühne stand, aber schon bei "Elisabeth" in Wien, als Belle in "Die Schöne und das Biest" in Stuttgart sowie in Düsseldorf als Sandy in "Grease" Eindruck machte, darf hier erstmals die ganze Bandbreite ihres Talents ausspielen und zur Geltung bringen. Neben ihr ist der junge und smarte Hendrik Zietz als Turniertänzer Jimmy Miller die überragende Bühnenpersönlichkeit. Bei Gottschalks "Wetten, dass . . ." hatte er am Abend vor der Premiere, weil grippegeschwächt, noch gepasst, aber als es dann galt, war der "Danny Zuko i.R." voll da. Vital und intensiv Das gilt samt und sonders für Paul Kribbe, einen der überragenden europäischen Musical-Stars. Dem abgehalfterten, whisky- und selbstverliebten Parketthengst und Miller-Widersacher "Roy Fire" verleiht der Niederländer, "nebenbei" selbst ein begnadeter Choreograf, soviel macho-haftige, komische Vitalität, dass es eine Freude ist, ihm zuzuschauen. Auf Sabine Schreittmiller, die zickige Intrigen-Queen des Abends als solche geht sie zwar nicht über Leichen, so aber doch über gebrochene Fußknöchel ihrer Konkurrentinnen trifft das
in gleichem Maße zu. Ganz oben auf der Sympathie-Skala
des Publikums stehen Marny Bergerhoff und Japheth
Myers, die, privat ein Ehepaar, nun auch in den
Miami Nights, wenn auch erst auf Umwegen, zueinander
finden und daselbst erstmals gemeinsam im Rampenlicht
stehen. Hut ab, mit welcher überschäumender Intensität
und Spielfreude diese beiden ihre Nebenrollen auskleiden.
Und das gilt auch für alle anderen, ob die nun Maria
Jane Hyde, Gilda Rebello, Ferdi
Antersijn oder Martin Christoph Rönnebeck
heißen. Miami Nights ist ein Ereignis und alles andere als eine mit heißer Nadel gestrickte Billigproduktion, was bei dem Mann (Thomas Krauth), der dahinter steht, auch nicht zu befürchten war. Es hebt sich wohltuend von inhaltlich ähnlichen Inszenierungen seiner Art ab. Das Stück dürfte dem Haus auf Monate hinaus eine hervorragende Auslastung bescheren, und das wäre allemal verdient. Auf dem Spielplan steht die Produktion zunächst bis Ende dieses Jahres, aber man weiß ja nie. Wenn sich die Nachfrage weiter so entwickelt, wie sie sich angelassen hat, dürfte es danach noch einmal in die Verlängerung gehen. Dann müssen die CATSen, die ja im Frühjahr 2003 hier Einzug halten sollten, eben noch etwas warten. Und selbst wenn die Miezen in der Erkrather Straße miauen, geht der Vollmond in Miami immer noch auf und das Stück auf Europatournee. The Rhythm Is Gonna Get You! Jürgen
Heimann Namentlich gekennzeichnete
Kritiken, Kommentare und Berichte Fotos:
Jürgen Heimann |