| "Chicago" im Theater des Westens in Berlin |
Bericht
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Chicago Das Musical |
Überall in der Stadt prangen
die Plakate von den Litfaßsäulen, auch einer der
Berliner Doppeldecker-Busse fährt mit Szenenfotos und
Logo quer durch die Stadt, und erst durch den Besuch von
Freunden habe ich mich letztendlich aufgerafft und über
die Ticket-Hotline (01 80) 5 99 89 99 telefonisch
kurzfristig und unkompliziert Karten für die Vorstellung
am Donnerstag im Parkett erste Reihe bestellt. Das
Theater des Westens, im Herzen der Stadt Nahe des Kurfürstendamms
und dem Zoo gelegen, ist für seine hochwertigen
Inszenierungen bundesweit bekannt.Chicago, Ende der 20er Jahre ist der Ort, an dem dieses Jazz-Musical spielt. Aber auch heute hat die Story, die auf einer wahren Begebenheit basiert, nichts von ihrer Aktualität und Dramatik eingebüßt. In Schlagworten ausgedrückt, geht es in diesem Musical um Mord, Verrat und andere Herzensdinge. Der international erfolgreiche Scott Faris führt Regie, die Amerikanerin Ann Reinking ist verantwortliche Choreographin für die nationalen und internationalen Produktionen von Chicago - allein für Broadway-Aufführungen gewann sie sechs Tonys. Auch bei einem Blick auf die Besetzung liest man sich durch viele bekannte internationale Namen, wie Yamil Borges (Velma Kelly), die durch die Verfilmung von A Chorus Line mit Michael Douglas ihren internationalen Durchbruch hatte, und auch in deutschen Produktionen wie Dracula oder Tabaluga & Lilli auf der Bühne stand, oder Anne Mandrella (Roxie Hart), sie spielte Cha-Cha in der österreichischen Erstaufführung von Grease und die Babette in der Europa-Premiere von Die Schöne und das Biest, auch Cusch Jung (Billy Flynn), der ein erweitertes Musicalrepertoire von Jesus Christ Superstar, Guys and Dolls, La Cage aux Folles, Cabaret, Hello Dolly, My Fair Lady u.v.m. beherrscht und zudem auch im Bereich Choreographie und Fernsehen arbeitet. Und so könnte man die Liste der Schauspieler und Tänzer bis ins Unendliche fortführen. Gleich beim Betreten des Theaters bekam man einen Eindruck über die
Vielschichtigkeit der interessierten Besucher: von klein
bis groß, jede Altersklasse ist vertreten und neben
Neugierigen und Musikbegeisterten des Jazz traf man auch
Gäste, die diese Vorstellung zum wiederholten Male
besuchten und von anderen Vorstellungen erzählten. Die
Zeit bis zum Einnehmen der Plätze verging rasend schnell
und schließlich saßen wir im Zuschauerraum und blickten
auf die offene Bühne. Eine ansteigende Bühnenkonstruktion,
in der das Orchester des Theaters für die gesamte Dauer
der Vorstellung für das Publikum sichtbar ist, bildete
das Zentrum.Schon während der Ouvertüre wurde der Zuschauer in den Bann der 20er Jahre gerissen. Dieser Eindruck verstärkte sich in der Auftaktnummer "All der Jazz", in dem Velma Kelly und das Ensemble vor allem die tänzerischen Ideen von Bob Fosse umsetzen. Aber zurück zur Geschichte: Roxie Hart bringt ihren Liebhaber Fred Casely (Axel Olzinger) um, als dieser ihr eröffnet, sie verlassen zu wollen. Anfänglich nimmt ihr Ehemann Amos (naiv und unscheinbar: Léon van Leeuwenberg) - die Schuld auf sich und behauptet, er habe Fred bei einem Einbruch erwischt und erschossen. Als Amos jedoch entdeckt, daß Roxie ein Verhältnis mit Casely hatte, nimmt er seine Aussage zurück und liefert sie der Polizei aus ("Schussel Dussel"). So gelangt Roxie in das Gefängnis, wo sie Velma Kelly ein Vaudeville-Girl, gespielt von Yamil Borges trifft, die ihren Mann umgebracht hat, als sie ihn in flagranti mit ihrer Schwester erwischte. Alle Inhaftierten singen und tanzen gemeinsam den Zellenblock-Tango. Hier trifft man auch die liebenswerte Schließerin, "Mama" Morton, die bereit ist, ihnen gegen entsprechendes Kleingeld manchen Dienst zu erweisen ("Sei nett zu Mama"). Velma wird dank ihrer Hilfe "Mörderin der Woche" und erhält für die Zeit nach ihrer Freilassung unzählige Angebote für Auftritte in Vaudeville-Shows. "Mama" Morton ist es auch, die Velma und Roxie den Kontakt zu dem Staranwalt Billy Flynn vermittelt überragend: Cusch Jung -, der in dem Ruf steht, seine Klienten vor dem Galgen retten zu können. Dafür verlangt er ein saftiges Honorar von 5.000$. Mit "Bin nur für die Liebe da" demonstriert er seine Überlegenheit und Arroganz. Um nicht alle
Pointen und das unerwartete Ende zu verraten, zum
weiteren Handlungsablauf soviel: Roxies Anwalt spannt die
Presse, allen voran die Klatschkolumnistin Mary Sunshine
ein Hammer R. Popken vor seinen
Karren und manipuliert die Realität nach Gutdünken.
Auch Roxies Mann Amos bleibt davon nicht verschont.
Genial war die Umsetzung des naiven unscheinbaren
Ehemannes mit dem Song "Mister Zellophan".Die schlichte Bühnentechnik, das geschickt eingesetzte Licht und die passenden schwarz gehaltenen Kostüme ließen den Zuschauer immer wieder glauben, sich tatsächlich in der entsprechenden Zeit und am gezeigten Ort zu befinden. Die Choreographie verlangte den Tänzer eine Menge Können und Kondition ab, aber auch bei ruhigen Songs wie zum Beispiel "Mister Zellophan" tobte das Publikum. Ein sehr empfehlenswerter Theaterbesuch; auch das Programmheft, das konsequent in schwarz-weiß und rot gehalten ist, lohnt eine Ausgabe. Ein Wermutstropfen blieb jedoch: Als man nach der Vorstellung am Merchandising-Stand nach der deutschen Aufnahme (Theater an der Wien) fragte, war diese CD leider vergriffen. Die CD des London Cast und eine Broadway Aufnahme sind jedoch im Fachhandel erhältlich. Manuela Kippes |
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