
Eigentlich war es zu erwarten: Trotzdem wurden nicht nur
die Mitarbeiter und Künstler, sondern auch die Fans
irgendwie auf kaltem Fuß erwischt: Mozart!
sagt Good Bye. Am 30 Juni schüttet das Genie
in der Neuen Flora in Hamburg zum letzten Male seine
Rastalocken.
Am Dienstag hatte Stella-Insolvenzverwalter
Reinhardt Titz im Rahmen einer
Mitarbeiterversammlung in der Stresemannstraße
die Katze aus dem Sack gelassen und seinen entsetzen
Zuhörern reinen Wein eingeschenkt. Die Inszenierung ist
nicht länger zu halten.
Am 21. September vergangenen
Jahres hatte das 1999 in Wien uraufgeführte Kunze
und Levay-Stück nach dem Transfer in die
Hansestadt seine glanzvolle Premiere gefeiert. Nach nur
320 Vorstellungen nun sollen sich die Darsteller am Abend
des letzten Juni-Sonntags für immer abschminken.
Der Niedergang der Produktion ist keine
Qualitätsfrage. Im Gegenteil: Mozart!
gilt nach wie vor als eine der packendsten und inhaltlich
dichtesten Inszenierungen auf deutschen Bühnen.
Letztendlich war es wohl der Löwenking, der den
Salzburger Komponisten-Genius aufgefressen hat. Der auf
breitester Front angelegten PR-Kampagne der Stage
Holding für ihr Disney-Spektakel im Hafen
hatten die Stella-Verantwortlichen nichts Adäquates
entgegenzusetzen bzw. reagierten viel zu spät darauf.
Folge: Die Auslastung sackte mehr und mehr in den Keller.
Jetzt aber gilts: In den noch
verbleibenden Wochen gelten attraktive
Abschieds-Angebote. Ab sofort sind alle Mozart!-Tickets
für die Vorstellungen von Sonntag bis Donnerstag für 39
Euro zu haben, die Karten für Freitag und Samstag kosten
49 Euro. Es gilt die Bestplatzvergabe: Wer zuerst bucht,
sichert sich die besten Plätze!
Buchbar sind die Karten über die Stella-Ticketline
(01805) 44 44 sowie im Internet unter www.stella.de.
Die Konkurrenz aus dem Lager von Joop
van den Endes Stage-Holding hatte ja bereits vor
Wochen unmittelbar nach der Bekanntgabe der
Stella-Insolvenz verschärftes Interesse an der Neuen
Flora bekundet am Theater, nicht am Stück.
Inzwischen soll die Stage Holding bereits Herr im Haus an
der Stresemannstraße sein und die Spielstätte
übernommen haben. Das Pokerspiel hinter den Kulissen um
die Sahnestückchen des kränkenden Entertainment-Riesen
Stella geht indessen weiter. Mit am Spieltisch auch der
US-amerikanische Medien-Multi Clear-Channel. Der
soll aber inzwischen sein Angebot wieder zurückgezogen
haben, und nur noch am Standort Berlin (Potsdamer
Platz) interessiert sein. Insofern wäre die Stage
Holding der Verwirklichung ihres Traums,
(monopolistischer) Marktführer in Deutschland zu werden,
näher als jemals zu vor. Unbestätigten Gerüchten
zufolge hat oder wird sie auch beim Tanz der
Vampire in Stuttgart das Zepter übernommen.
Jürgen Heimann
5. Juni 2002
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