Stella-Logo - "Mozart" in HamburgMozart! haucht am 30. Juni 2002 sein Hamburger Bühnenleben aus

Bericht
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Am 30. Juni schüttelt Mozart seine Rastalocken zum letzten Male
Das „Aus“ ist besiegelt: Die Stage Holding übernimmt die Neue Flora


"Mozart!" in Hamburg -  Yngve Gasoy-Romdal

Eigentlich war es zu erwarten: Trotzdem wurden nicht nur die Mitarbeiter und Künstler, sondern auch die Fans irgendwie auf kaltem Fuß erwischt: „Mozart!“ sagt „Good Bye“. Am 30 Juni schüttet das Genie in der Neuen Flora in Hamburg zum letzten Male seine Rastalocken.
   Am Dienstag hatte Stella-Insolvenzverwalter Reinhardt Titz im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung in der Stresemannstraße die Katze aus dem Sack gelassen und seinen entsetzen Zuhörern reinen Wein eingeschenkt. Die Inszenierung ist nicht länger zu halten.
   Am 21. September vergangenen Jahres hatte das 1999 in Wien uraufgeführte Kunze und Levay-Stück nach dem Transfer in die Hansestadt seine glanzvolle Premiere gefeiert. Nach nur 320 Vorstellungen nun sollen sich die Darsteller am Abend des letzten Juni-Sonntags für immer abschminken.
   Der Niedergang der Produktion ist keine Qualitätsfrage. Im Gegenteil: „Mozart!“ gilt nach wie vor als eine der packendsten und inhaltlich dichtesten Inszenierungen auf deutschen Bühnen. Letztendlich war es wohl der Löwenking, der den Salzburger Komponisten-Genius aufgefressen hat. Der auf breitester Front angelegten PR-Kampagne der Stage Holding für ihr Disney-Spektakel im Hafen hatten die Stella-Verantwortlichen nichts Adäquates entgegenzusetzen bzw. reagierten viel zu spät darauf. Folge: Die Auslastung sackte mehr und mehr in den Keller.
   Jetzt aber gilt’s: In den noch verbleibenden Wochen gelten attraktive Abschieds-Angebote. Ab sofort sind alle „Mozart!“-Tickets für die Vorstellungen von Sonntag bis Donnerstag für 39 Euro zu haben, die Karten für Freitag und Samstag kosten 49 Euro. Es gilt die Bestplatzvergabe: Wer zuerst bucht, sichert sich die besten Plätze!
Buchbar sind die Karten über die Stella-Ticketline (01805) 44 44 sowie im Internet unter www.stella.de.
   Die Konkurrenz aus dem Lager von Joop van den Endes Stage-Holding hatte ja bereits vor Wochen unmittelbar nach der Bekanntgabe der Stella-Insolvenz verschärftes Interesse an der Neuen Flora bekundet – am Theater, nicht am Stück. Inzwischen soll die Stage Holding bereits Herr im Haus an der Stresemannstraße sein und die Spielstätte übernommen haben. Das Pokerspiel hinter den Kulissen um die Sahnestückchen des kränkenden Entertainment-Riesen Stella geht indessen weiter. Mit am Spieltisch auch der US-amerikanische Medien-Multi Clear-Channel. Der soll aber inzwischen sein Angebot wieder zurückgezogen haben, und nur noch am Standort Berlin (Potsdamer Platz) interessiert sein. Insofern wäre die Stage Holding der Verwirklichung ihres Traums, (monopolistischer) Marktführer in Deutschland zu werden, näher als jemals zu vor. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat oder wird sie auch beim „Tanz der Vampire“ in Stuttgart das Zepter übernommen.


Jürgen Heimann
5. Juni 2002

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Foto: Jürgen Heimann

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