Das Alte Schauspielhaus in Stuttgart versucht sich an der Wiederbelebung eines bisher nicht besonders erfolgreichen Musicals von Cole Porter. „Nicht von dieser Welt“ in Stuttgart
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Wiederbelebungsversuch
Ob Wolfgang Adenbergs Neuübersetzung von Cole Porters Musical wohl auch bei anderen deutschen Theatern Interesse findet


Bäumchen wechsle dich - Hier ist wohl einiges durcheinander geraten - Foto: Jürgen Frahm
Bäumchen wechsle dich
Hier ist wohl einiges durcheinander geraten
Foto: Jürgen Frahm

Man darf schon fragen, warum sich die Schauspielbühnen in Stuttgart - etwas großspurig klingt der neue Name für das Alte Schauspielhaus und die Komödie schon - gerade für dieses blutleere Stück entschieden haben. Weil Cole Porters „Nicht von dieser Welt“ von dem den beiden Häusern eng verbundenen Adenberg („Heesters“, „Swing Sisters“) neu übersetzt wurde? Oder umgekehrt? Oder weil der Name Cole Porter immer noch zieht, obwohl Rick Simas das Original „Out Of This World“ zu den „Musicals No One Came To See“ zählt? Immerhin gibt es Hunderte von Musicals, die eine Aufführung verdient hätten und unter denen wahrlich genügend sind, die mit einem kleinen Ensemble und wenigen Musikern auf die Bühne gebracht werden könnten. Dieses Stück aber schreit nach großer Revue, Big Band Sound und nach einem Chor von Sängern, mit denen die dürftige Handlung zugedeckt und die meist schwachen Songs akustisch aufgedonnert werden müssten. In der Opening Cast des New Yorker New Century Theatre vom 21. Dezember 1950 werden 40 Tänzer und Sänger genannt, unter denen übrigens auch der in Stuttgart bekannte Choreograf GlenTetley war.
   Die Story des Stücks geht zurück auf „Amphytrion 38“ von Jean Giraudoux, in dem Chefgott Jupiter sich in eine Menschenfrau verliebt hat, in Alkmene, die aber leider nur ihren Gatten Amphytrion mag. Der Göttervater muss sich also einen Trick einfallen lassen, um sich der Erdenbürgerin zu nähern. Die pikante französische Komödie wird auch schon mal „die unterhaltsamste Amphitryon-Version in 2200 Jahren Bühnengeschichte“ genannt. Von Cole Porters Version, deren Buch von Dwight Taylor und Reginald Lawrence stammt, kann man so etwas nicht gerade behaupten, zumindest nicht von der in Stuttgart gezeigten deutschen Variante. Schnell stellt sich Langeweile ein, gegen die nur Götterbote Merkur, glänzend gesungen und gespielt von dem Musicalkönner Aris Sas, mit einigem Erfolg ankämpft. Jupiter, von Merkur Paps genannt, wird von Michael Gaedt von der „Kleinen Tierschau“ ohne Tiere gespielt. Als Elvis-Verschnitt, der aber besser nicht singen sollte, macht er sich, auf verschiedenen Zweiradfahrzeugen rollend, auf, die New Yorkerin Helen (Elisabeth Ebner mit Sex Appeal und Soubrettenstimme) anzubaggern. Die hat gerade erst einen Journalisten geheiratet und folgt ihrem von Merkur in die Irre geleiteten Gatten Art O’Malley (etwas blass: Markus Dinhobl) auf seiner Suche nach einem Steuerflüchtling nach Griechenland. Dort trifft sie auf Jupiter, dem es gelingt, sie ausgerechnet in ihrer Hochzeitsnacht zu verführen. Jupiters Ehefrau Juno (Maryanne Kelly, etwas schrill mit ihrem „amerikanischen“ Timbre) tappt zunächst ein wenig im Dunkeln und braucht als Göttin tatsächlich eine Polaroid-Sofortbildkamera, um Gottvater zu erkennen, der sein Äußeres mit Art getauscht hat. Nach einer langen Nacht, die von Nicole Viola Hinz im schwarzen Tutu auf Spitzen personifiziert wird, löst sich das von Merkur angerichtete kleine Chaos wieder auf. Art hat sein Interview mit dem Flüchtling und seine Frau wieder, Juno ihren untreuen Mann, und alles ist soweit also in Ordnung - bis zum nächsten Mal.
   Andreas Geier, bisher Hausregisseur und Musiktheaterspezialist des Hauses („Anything Goes“, „Männerfang für Fortgeschrittene“) hat sich an das Stück gewagt. Es gelingt ihm allerdings nicht, den Klischeerollen so viel Format zu geben, dass sie als Personen interessieren können. Trotzdem hat er es geschafft, mit Hilfe der hübschen Choreografie von Jerome Knols auf der weiträumig praktischen Bühne von Knut Hansen aus der müden Vorlage herauszuholen, was herauszuholen ist. Die Götter treten als Elvis, Marilyn, Chaplin, Marlene und Konsorten auf. Es gab nette kleine Gags, wie das Spiel mit den Buchstaben, die auf Erden die jeweiligen Stationen der Handlung andeuten und im Himmel an den etwas heruntergekommenen Hollywood-Schriftzug erinnern. Die von Jochen Neuffer arrangierte Musik spielte das Old Playhouse Orchestra (vier Musiker), das  allerdings mehr jazzte als swingte.
   Das Alte Schauspielhaus, das sich wohl jedes Jahr in der Pflicht sieht, über die Feiertage ein Stück mit Musik zu bieten, schuf mit dieser Inszenierung einen harmlosen Abend, der sicher manchem gefallen mag, der von den großen Showproduktionen in Möhringen übersättigt ist.
   Premiere war am 13. Dezember 2007. Gespielt wird noch bis zum 26. Januar.

Arthur H. Maute
13. Januar 2008


Als Göttervater hat man es nicht einfach - Jupiter (Michael Gaedt), der die Gestalt des jungverheirateten Journalisten angenommen hat, um sich leichter an seine Frau heranpirschen zu können, hat natürlich Zoff mit Juno, seiner Göttergattin (Maryanne Kelly). - Foto: Jürgen Frahm
Als Göttervater hat man es nicht einfach
Jupiter (Michael Gaedt), der die Gestalt des jungverheirateten Journalisten angenommen hat, um sich leichter an dessen Frau heranpirschen zu können, hat natürlich Zoff mit Juno, seiner Göttergattin (Maryanne Kelly).
Foto: Jürgen Frahm

Vorstellungen:
Bis 26. Januar täglich außer Sonntag jeweils um 20 Uhr,
Kartentelefon:
0711-2265505, Montag bis Samstag von 10 bis 19 Uhr