Oh! What A Night - Logo - Klicken für TicketsangebotAm 11. Januar 2002 gab es in Hamburg die deutsche Erstaufführurng von "Oh! What a NIght"

Premieren-Kritik
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Disco-Fieber in Hamburg
"Oh! What A Night" hatte Premiere im Operettenhaus

"Oh! What A Nigth" - Kid Kreole - Klicken zum vergrößernWird dieses Nicht-Musical in Hamburg Erfolg haben? Das fragen sich einige der "bösen" Kritiker schon am Tag nach der Premiere. Und nur bis zum 28. April 2002 soll das Stück laufen! Hat Stella Entertainment, die zusammen mit Stuart Littlewood produziert hat, doch gewisse Befürchtungen, dass eine reine Disco-Show mit Schlagern der 70er Jahre beim Publikum von heute vielleicht doch nicht so ankommen könnte? Geladen hatte man auf jeden Fall möglichst viele der gängigen Prominenz und diese ernsthaft darum gebeten, doch unbedingt im Disco-Outfit zu kommen und dazu die richtige Party-Laune mitzubringen. Also haben die Macher vielleicht doch etwas Bammel, dass sie auf das falsche Pferd gesetzt haben könnten?
   Wir sollten uns hier von den unvermeidlichen Miesmachern nicht gleich anstecken lassen. Wenn es sich bei "Oh! What A Night" nun auch nicht gerade um ein besonders anspruchsvolles Theaterstück, ja nicht einmal ein echtes Musical handelt, so bereitet die Show um den - kokosnussfreien - Kid Creole einfach Spaß, und man verläßt die "Party total!" - Werbeslogan der Stella - beschwingt und fröhlich, was einem ja nun wirklich nicht oft passiert, nicht einmal bei den gängigen Produktionen der deutschen Musicaltheater. An die sattsam bekannten Inszenierungen der Opern- und Schauspielhäuser darf man dabei schon gar nicht denken.
   Was war das also für eine Nacht? Das Hamburger Operettenhaus war zur riesigen Disco umgestaltet worden, in dem nur die verbliebene Bestuhlung, auf der sich das Premierenpublikum, nach vorherigem Genuss von Sekt und Häppchen, rechtzeitig niedergelassen hatte, irgendwie störte. Eine große Tanzfläche im Saal, umgeben von Tischen, wäre zweifelsohne passender gewesen. Allerdings hätte man dann nicht so viele Leute im Theater untergebracht, was vielleicht gar nicht so schlecht wäre, in Anbetracht der oben erwähnten ängstlichen Prognosen. Aber schließlich hofft man ja, dass die Produktionskosten durch ausverkaufte Vorstellungen wieder eingespielt werden können.
   "Oh! What A Night", das irgendwie an "Saturday Night Fever", an "Grease" - und was sonst noch? ... - erinnert, verfügt auch über eine Handlung. Da nur englisch gesprochen und natürlich gesungen wird, meinte man, diese sei erklärungsbedürftig. Uschi Nehrke, die Moderatorin des Oldie-Senders fun fun Radio und früher im Beat-Club der 70er Jahre, war deshalb dazu auserkoren, am Premierenabend demjenigen Teil des Publikums, das der englischen Sprache nicht, oder nicht genügend, mächtig war, die Handlung zu erläutern. Sie demonstrierte, leider hölzern und langweilig, ohne Drive und Pep, krass den Unterschied zwischen deutscher und angelsächsischer Unterhaltungskultur. In Zukunft sollen die deutschen Zwischentexte, gesprochen von Manfred Sexauer, aus dem Off kommen.
   Mitte der 70er Jahre: Die New Yorker Disco Inferno - DJ ist Kid Creole als Brutus T. Firefly - hat finanzielle Probleme, weil der Besitzer Paul Burns (Philip Childs), selbst sein bester Kunde, was den Whiskeykonsum angeht, von dem Ganoven Jack (Hugo Harold-Harrison) ausgenommen wird. Dieser ist mit Pauls Tochter Nikki
"Oh! What A Nigth" - Rebecca Reany - Klicken zum vergrößern(Rebecca Reaney) liiert. Der junge Engländer Rik (Stuart Ramsey), der glücklicherweise engagiert wird, um die Vakanz an der Disco-Bar auszufüllen, kommt ihm jedoch in die Quere. Dazu verhilft ein überraschend angesetzter Tanzwettbewerb, veranstaltet von Roxie Rochelle (Lucy Moorby), der Vertreterin eines berühmten Hollywood-Studios, die auf der Suche nach einer typischen Szene-Disco in Pauls Etablissement stolpert. Nikkis Boyfriend Jack ist als Tänzer eine Null, und so formieren Rik und Nikki ein Paar. Kurz und gut, nicht nur die beiden, sondern die ganze Disco mit allen Boys und Girls wird für den Film engagiert. Paul läßt das Trinken und Jack ist gefeuert. Damit kann die "Party total!" beginnen.
   Vor dem simplen Bühnenbild (Paul Normandale), das vor allem von dem effektvollen Lichtdesign (Simon Tuchner) zum Leben erweckt wird, singt und tanzt (Regie und Choreographie: Kim Gavin) das vorwiegend aus England kommende Ensemble gut gelaunt in glitzerbunten Kostümen, in denen Hotpants eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielen. Das Ganze wird getragen von den Songs der Siebziger, wie "Sex Machine", "Ladies Night", "Car Wash", "Play that Funky Music", "Disco Inferno", "We Are a Family", und "Love Train ", wegen derer das Publikum schließlich auch gekommen ist. Trotzdem dauert es einige Zeit, bis die Stimmung soweit angeheizt ist, dass der von Stella gewünschte Party-Effekt zum Tragen kommt, nämlich als kurz vor der Pause "Y.M.C.A." erklingt. Von da ab ist das Publikum allerdings nicht mehr zu halten, es erhebt sich von den Sitzen, und feiert mit bis zur abschließenden "Celebration", die in Standing Ovations mündet.
   Der 51-jährige Altstar Kid Creole, wohl der einzige hier bekannte Künstlername, der sich seit 1979 als Kid Creole & The Coconuts mit einer Reihe von Hits einen Namen gemacht hatte, brachte die Party nach der mißlungenen deutschen Einleitung mit Charme und Eleganz ins Rollen und führte die vor allem tänzerisch begeisternde Truppe zu den Höhepunkten der Show. Eine wirkliche Leistung des Ensembles, aus dem sich die Protagonisten, vor allem aber Rebecca Reaney und Stuart Ramsey als Nikki und Rik besonders abhoben.
   Ein Vergleich von "Oh! What A Night" mit dem im gleichen Haus kurz zuvor abgesetzten Stück "Fosse - Die Show" drängt sich natürlich auf. Beide Stücke sind Tanzshows, könnten aber nicht gegensätzlicher sein. Fosse brachte die niveauvolle Broadway-Choreographie Bob Fosses mit ihrer Bonjour-Tristesse-Atmosphäre in einer strengen, fast düsteren Inszenierung auf die Bühne. "Oh! What A Night" weckte die Freude des Publikums am gekonnten, artistischen Showtanz eher angelsächsischer Provenienz und animierte mit fröhlichen Disco-Rhythmen zum Mitmachen. Beide Shows sind großartig. "Oh! What A Night" wird jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit ein ganz anderes Publikum ansprechen als "Fosse - Die Show".

turbo
17.1.2002

Kritiken stellen grundsätzlich die Meinung des Autors, nicht die der MKV dar.

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