„©Rats“ - LogoEine Uraufführung des Choreographischen Theaters Bonn

"©Rats"
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Von „Ratsen“ und „Catsen“
Die „musical-ische“ Tanzparodie „©Rats“ im Bonner Choreographischen Theater tritt gegen den Musical-Welterfolg „Cats“ an und „mausert“ sich dabei zum Antimusical

"©Rats" in Bonn - Das Rattenensemble

Angeblich handelt es sich um die „ultimative Antwort auf den Versuch, den Katzen das Singen beizubringen“, so der Untertitel. Das Singen bringen die „Ratsen“ den „Catsen“ auf jeden Fall nicht bei. Nicht einmal mit ihren eigenen Leistungen sind sie zufrieden. Die an Divertissements des klassischen Balletts sich anlehnenden Auditions überzeugen die eigene Rattenjury überhaupt nicht. Das geplante „Rats“-Musical kommt nicht zustande. Also kein Stück im Stück. Ein Omen für „©Rats“?
   Zum Abschluss der Show gibt es eine Art Verbrüderung zwischen Ratten und Katzen. Wenn auch nur am Beispiel eines Katers, der, Zuflucht suchend, mit einer Ratte für biologisch eher zweifelhaften Nachwuchs sorgt. Selbiger schwebt eigenartigerweise zum Finale in einem Körbchen von oben, d.h. aus dem „Operettentheater“, herab. Von da, wo die verhassten Katzen an ihrem Musical gearbeitet haben und sich wohl noch aufhalten, denn wer sonst sollte das Körbchen herablassen. Worauf es allerdings gleich wieder in den Schnürboden entschwindet."©Rats" in Bonn - Irineu Marcovecchio, Stefanie Verkerk, Annette Frier und Hanno Friedrich

   Überhaupt folgt der gesamte Plot des Tanztheaterspektakels einer dem Zuschauer nicht ganz eingängigen Logik. Möglicherweise der von Ratten? Auch die plötzlich auf voller Bühnenbreite herabregnende und sogleich leidenschaftlich besungene „Katzenscheiße“ gehört dazu. Und das, obwohl der Ort des Geschehens eigentlich ein stillgelegtes Kanalsystem ist. So was muss man im zeitgenössischen Theater heute einfach „schlucken“.
   Die von Tine und Pavel Mikuláštik ausgedachte Story dreht sich also um das Leiden der im Gully unter besagtem Operettentheater lebenden braven Ratten. Sie fühlen sich nicht nur durch die Katzenmusik-Aktivitäten über Ihrem Heim gestört. Immer wieder kommen auch einzelne Mitglieder der Rattenfamilie „unter die Katzen“. So zuletzt auch Krak, Mrak und Zak, deren Namen „vertrackt“ an Walt Disneys „Tick, Trick und Track“ erinnern. Von ihnen bleiben nur die Schwänze, die in schwarzen „Schuhschachteln“ beseitigt werden. Es werden „Spione“ nach oben ins Theater geschickt, denen es scheinbar gelingt, das Katzenmusical ziemlich durcheinander zu bringen. Nach dem am mangelnden Talent der Rattendarsteller scheiternden eigenen Musicalprojekt besinnen sich die „Ratsen“ auf den schon entschwebten „RatsCats“-Mischling und besingen eine nicht näher begründete Verbrüderung mit dem Song „RatsCats are beautiful“.

Hanno Friedrich und Ensemble

   Die Autoren des Stücks teilen Seitenhiebe gegen die Bonner Intendanz aus. Darüber hinaus wollen sie sich, z.B. mit dem Song „Gegen CATS hilft nur RATS“, klar gegenüber Andrew Lloyd Webbers „Cats“ abgrenzen. Das gelingt. Denn bei „Cats“ handelt es sich um einen Songzyklus, der aus dem wundervollen kleinen Büchlein „Old Possum’s Book of Practical Cats“ des bekannten englischen Literaten T.S. Eliot hervorging. Unterhaltsame Gedichte des Katzenfreunds karikieren das quasi „menschliche“ Verhalten der Tiere. Was soll man dagegen zu den „©Rats“-Texten sagen? Wie „Oh, mein Gott, der alles riecht“, oder „Alle können wählen, wer sich dann verpissen soll aus Theatersälen“?
   Die Musik von James Reynolds, der Elemente von Jazz, Spirtual, Rap u.a. mischt, und diese vielfach im Dreivierteltakt anbietet, ist gefällig. Sie wird gespielt von Ratpack, einer sechsköpfigen „Rattenband“ unter Steve Klink. Allerdings hat man von ähnlich besetzten Bands schon mitreißenderes gehört. Die Tonfolgen gehen wohl zum einen Ohr hinein, gelangen aber irgendwie gar nicht zum anderen Ohr. Gegen Sir Andrews „Katzenmusik“, seine Einfälle und seine Melodik, kann sie, - um im Jargon der Autoren zu bleiben – absolut „nicht anstinken“.
   So hält sich das genügsame Publikum vor allem an das gelungene Bühnenbild von Frank Chamier und die Kostüme von Marja Scholl-Lemcke. Es freut sich am spielerischen, teils wirklich komischen Talent der Darsteller, von denen einige auch durch Singen auffallen. Ihnen ist es zu verdanken, dass sich das Tanzmusical immer wieder über die Längen der dünnen Handlung und ihren Leerlauf hinwegrettet. Die Zuschauer harren geduldig bis zum Ende aus und applaudieren den Mitwirkenden wohlwollend.
   Wer Tanztheater mag, keine musikalischen Hits erwartet, und sich mit einem harmlosen Plot zufrieden gibt, kann zwei „amüsante“ Stunden im Bonner Opernhaus verbringen. Im Theater gibt es eine „©Rats“-CD zu kaufen. Interessenten können sich an die Kontaktadresse
pavel.mikulastik@t-online.de wenden.

Arthur H. Maute
5. Mai 2003

Weitere Vorstellungen: 17. und 30. Mai um 19:30 Uhr
Kartenbestellung: Theater- und Konzertkasse, Windeckstr. 1, am Münsterplatz, 53111 Bonn, Telefon 0228-778008, Fax: 0228-775775


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Fotos: Thilo Beu