Das Musical "Rent"
ist am Broadway sehr erfolgreich. Dieser Erfolg war ihm
in Deutschland bisher nicht beschieden.Original Soundtrack des US-Films von 2005 |
Rent
am Broadway Zuletzt geändert: zurück |
Eine Broadway-Attraktion für
das etwas andere Publikum |
Und es kommt an den Broadway,
das etwas andere Publikum. Das Musical Rent
läuft nun immerhin schon seit April 1996. Man darf also
auch heute noch darüber berichten. Ich hatte im letzten
Jahr einen der Previews im Nederlander Theatre besucht.
Das Stück war also schon vom New York Theatre
Workshop, wo es am 13. Februar 1996 Premiere hatte,
umgezogen. Die Grundidee der Handlung ist Puccinis La
Bohème entnommen. Die Musik hat allerdings (fast)
nichts mit dieser Oper zu tun. Sie ist eine für mich
schwer genießbare Mischung aus Einflüssen von Pop,
Jazz, Spiritual, mit einer Portion Minimalismus. Jonathan
Larson wußte das wohl selbst. Er ließ seine Hauptperson
im Stück ein Jahr lang an einer Komposition arbeiten,
die unschwer als eine der genialen Eingebungen von
Puccini zu erkennen ist. Voller Selbstironie läßt
Larson seinen Komponisten als Höhepunkt die Melodie des
Musettewalzers erfinden. Um mein Urteil zu überprüfen,
habe ich übrigens seither noch mehrmals die Original
Cast CD abgehört, die aber meine Meinung nicht
wesentlich geändert hat. Es ist klar, daß diese Musik
ein ganz anderes, junges und eher musicaluntypisches
Publikum anzieht. Auch die Handlung bringt mir die
Personen kaum nahe und berührt mich nur wenig. Der Plot
enthält doch tatsächlich alles, was das Publikum heute
scheints sehen will: Schwule, Lesben, Junkies, WGs,
Aids, und ein irreales Happy-End.Erfrischend jung ist das Ensemble. Hier merkt man eine Begeisterung, die manch andere Theateraufführung vermissen läßt. Allerdings paßt die Inszenierung und besonders die bewußt primitive Ausstattung eher in ein Studio-Theater als in ein großes Musical-Haus. Hier hat wohl letztlich der Kommerz entschieden. Was könnten nun die Gründe dafür sein, daß ein Stück, das sich so weit vom typischen US-Musical entfernt hat, einen solch außergewöhnlichen Erfolg hat? Nicht zuletzt ist es gerade dieses Anderssein, das durch den frühen Tod des Autors noch vor der Première seinen letzten Kick erhalten hat. Weitgehend neu scheint für den New Yorker Musical-Besucher auch eine Gerümpelbühne mit Durchblick auf die Brandmauern zu sein, eine Ausstattung, wie wir sie hier in Deutschland aus vielen Inszenierungen bestens kennen, während der Amerikaner doch eben erst auf den Geschmack der Euro-Ausstattungs-Pop-Oper gekommen ist. Hinzu kommt ein geschicktes Marketing, das vor allem auf den Vergleich mit dem Erfolgsmusical Hair abzielt, und das sich zum Ziel gesetzt hat, junge Leute ins Musiktheater zu locken, durchaus ein löbliches Vorhaben. Dies ist offensichtlich auch weitgehend gelungen, wobei tatsächlich auch die etwas Älteren mitziehen. Immerhin hat Rent als einziges Broadway-Musical laut Variety vom Oktober dieses Jahres eine Auslastung von über 100%. Arthur H. Maute |
Foto: Nederlander Theatre, New York, N.Y., Joan Marcus and Carol Rosegg |