Am 13. April 2006 ist der Musical-Film „Rent“ in deutschen Kinos angelaufen.Original Soundtrack bestellen |
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„Rent“ ist zehn Jahre alt
Der Musical-Film ist am 13. April in Deutschland angelaufen. |
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Das Musical feiert seinen zehnten Geburtstag. Am 24. April gibt es am Broadway eine Benefizvorstellung mit einer Galaparty bei Cipriani’s. Es soll die ursprüngliche Originalbesetzung auftreten. Die Tickets, die nur auf Einladung erhältlich sind, kosten zwischen 1000 und 2000 Dollar. Der Abend wird zugunsten der Jonathan Larson Performing Arts Foundation, für Friends In Deed und den New York Theatre Workshop veranstaltet. Die Show ist in den USA also nach wie vor äußerst lebendig. Mit 4137 Vorstellungen steht sie an siebter Stelle unter den Broadway Long Runs. Immer noch im Nederlander Theatre, wird für die letzte Woche eine Auslastung von 99,7 Prozent, für die Zeit seit Anfang dieses Jahres eine mittlere Auslastung von über 91 Prozent gemeldet.
„Rent“ ist hervorgegangen aus einer kleinen Workshop-Produktion. Die Premiere war auf Wunsch von Larsons Eltern am 25. Januar 1996 im New York Theatre Workshop, dem Tag, an dem ihr Sohn frühmorgens gestorben war. Schon am 29. Februar 1996 kam die Show im Nederlander heraus. „Rent“ erhielt 1996 den Pulitzer-Preis und einen Tony für das beste Musical, das beste Buch und die beste Originalpartitur. Gleichzeitig erhielt Wilson Jermaine Heredia (Angel) einen Tony als herausragender Nebendarsteller. Adam Pascal (Roger) und Daphne Rubin-Vega (Mimi) waren als beste Hauptdarsteller, Idina Menzel (Maureen) als beste Nebendarstellerin nominiert worden. Heredia gewann auch den Drama Desk Award. Die von Heinz Rudolf Kunze ins Deutsche übertragene Version des Musicals kam Ende Februar 1999 im Düsseldorfer Capitol Theater als deutsche Erstaufführung heraus. Der Produktion war kein Erfolg beschieden. Von Juni 1999 bis Januar 2000 war das Stück auf Deutschland-Tournee. Seither werden immer wieder neue Anstrengungen unternommen, „Rent“ in Deutschland populär zu machen. Vom 24. November 2005 bis 26. Februar dieses Jahres gab es im English Theatre Frankfurt eine erfolgreiche englischsprachige Eigenproduktion. Da Kunzes Übersetzung umstritten ist, hat Wolfgang Adenberg vom Verlag „Musik und Bühne“ den Auftrag erhalten, eine neue Übertragung ins Deutsche anzufertigen. Wie Adenberg letzte Woche bekannt gab, soll die Übersetzung noch in diesem Monat fertig werden. Sie kann dann den Theatern zur Verfügung gestellt werden. Ob die Show in Adenbergs Version in Deutschland besser ankommt, bleibt abzuwarten. Inzwischen ist eine englischsprachige Tourneeproduktion der Arena Theater- & Festspiel GmbH unter der Regie von Georg Malvius für Oktober/November dieses Jahres in Vorbereitung. Trotz all dieser Anstrengungen war Deutschland bisher nicht gerade ein fruchtbarer Boden für „Rent“. Auch der 2005 in den USA gedrehte Film scheint in Deutschland nicht die erwartete Resonanz zu finden. Seit dem 13. April offiziell in deutschen Kinos angelaufen, wird „Rent“ beispielsweise in Stuttgart nur in einem kleinen Programmkino gezeigt. Dabei ist das unter der Regie von Chris Columbus entstandene Werk durchaus sehenswert, auch für jemanden. der die Show schon vor zehn Jahren im Nederlander gesehen hat. Interessant ist, dass fast alle Hauptrollen von Darstellern übernommen wurden, die das Stück 1996 am Broadway aus der Taufe hoben. Neu hinzugekommen sind lediglich Rosario Dawson als Mimi und Tracie Thoms als Joanne. Wie man hört, war Daphne Rubin-Vega schwanger, als die Dreharbeiten anstanden, und mit 35 wohl auch zu alt für die Rolle der 19jährigen Mimi. Fredi Walker war der Meinung, sie sehe für die Rolle der Joanne zu alt aus. Chris Columbus hat sich dafür entschieden, die Show nicht von der Bühne abzufilmen, wenn es im Vorspann auch zunächst so aussieht. Denn da stehen die Darsteller als eine Art Chorus Line im Scheinwerferlicht an der Bühnenrampe und singen „Seasons of Love“. Dann schließen sich aber sofort schnell geschnittene Szenen in der „realen Welt“ an, gedreht vorwiegend in New York, aber auch in San Francisco, in Oakland und anderenorts. Während die Bühnenversion fast keine Dialoge enthält, wurde im Film mehr gesprochener Text zu Lasten der Songs eingefügt. Die Handlung ist dadurch etwas verständlicher, als in der Bühnenversion. Aber trotzdem folgt im Grunde ein Song auf den anderen, und das ist bei einer Dauer von insgesamt 135 Minuten schon ziemlich ermüdend. Die Grundidee des Musicals ist Giacomo Puccinis „La Bohème“ entnommen. Aus den in einer Pariser Mansarde zusammenlebenden „großen Künstlern“, dem Dichter Rudolf, dem Maler Marcel, dem Musiker Schaunard und dem Philosophen Collin sind der Songwriter und Junkie Roger und der Filmemacher Mark, die zusammen in einem Loft im New Yorker East Village wohnen, sowie der Philosophieaushilfslehrer Collins und der Straßenmusikant und Transvestit Angel Schunard geworden. Mimi, das Mädchen mit dem „eiskalten Händchen“, ist bei Larson eine Nachtclubtänzerin, die sich zu Roger verirrt („Light My Candle“). Im Gegensatz zur Oper, in der nur Mimi krank ist und an Schwindsucht leidet, sind im Musical fast alle mehr oder weniger Junkies oder HIV-positiv. Die Handlung beginnt wie bei Puccini am Weihnachtsabend. Aus dem Platz vor dem Pariser Café Momus wird das Life Café („La Vie Bohème“). Damit erschöpfen sich die Parallelen von Oper und Musical weitgehend. Mimi stirbt zwar am Ende auch, hat jedoch tatsächlich nur ein Nahtoderlebnis, in dem sie den inzwischen toten Angel trifft, der sie ins Leben zurückstößt. Roger hat ihr vorher seinen Song, in dem ein Jahr Arbeit steckt, präsentiert („Your Eyes“). Der endet mit der Melodie des berühmten Musettewalzers aus „La Bohème“. Dazwischen gibt es eine Reihe von Beziehungen und Beziehungskrisen. Roger und Mimi leben zusammen und trennen sich, Angel und Collins werden ein Paar. Marks frühere Freundin, die Performancekünstlerin Maureen („Over The Moon“), tut sich mit Joanne zusammen. Außerdem gibt es Sitzungen einer AIDS-Selbsthilfegruppe. Und Mark filmt. Alle von der Broadwayproduktion übernommenen Darsteller scheinen sich über die Jahre künstlerisch beträchtlich weiterentwickelt zu haben. Jesse L. Martin als Collins und Wilson Jermaine Heredia als Angel beeindrucken ganz besonders. Anthony Rapp als Mark wirkt intensiver als früher und Tracie Thoms, die „Neue“, als Joanne ist ein echter Gewinn. Beide brillieren im „Tango: Maureen“, bei dem sich Regisseur Chris Columbus auch mal traut, die „reale Welt“ für einige Momente zu verlassen und eine typische Showtanzszene einzubauen. Die Handlung des Musicals, insbesondere was die adäquate Behandlung des Themas AIDS und der an dieser Krankheit leidenden Menschen angeht, ist umstritten. Inwieweit der Autor und Komponist Jonathan Larson als offensichtlicher Kenner der Szene mit „Rent“ vorhatte, das Thema wirklich kompetent zu behandeln, steht dahin. Zumindest billigt er den Betroffenen ein Leben mit Träumen und Wünschen und das Recht auf Frohsinn und Freude zu. Arthur H. Maute 18. April 2006 |