Personelle Veränderungen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens Stage Entertainment
Aktualisiert:
zurück

Ist das Kind in den Brunnen gefallen?
Stage Entertainment entlässt den glücklos agierenden Jan-Pelgrom de Haas. Maik Klokow kehrt zurück und will den Brunnen selbst zudecken.


Dr. Jan-Pelgrom de Haas - Der damals der neue Geschäftsführer der deutschen Stage Entertainment, seit November 2005 im Amt, stellte am 9. Februar 2006 bei einer Pressekonferenz in Stuttgart das Projekt "3 Musketiere" für das Apollotheater vor. - Foto: Copyright © 2006 Arthur H. Maute

Dr. Jan-Pelgrom de Haas
Der frischgebackene Geschäftsführer der deutschen Stage Entertainment, seit November 2005 im Amt, stellte am 9. Februar 2006 bei einer Pressekonferenz in Stuttgart das Projekt „3 Musketiere“ für das Apollo Theater vor.
Foto: Copyright © 2006 Arthur H. Maute


Unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Entwicklung des Unternehmens seien der Anlass dafür, dass Dr. Jan-Pelgrom de Haas, der Geschäftsführer der deutschen Stage Entertainment (SE), das Unternehmen verlasse. Das kündete jetzt eine Pressemitteilung des internationalen Unterhaltungskonzerns, der nach eigenen Angaben weltweit 4700 Mitarbeiter beschäftigt und in Deutschland in 10 Theatern Musicals produziert. Die 2500 Mitarbeiter der deutschen Gesellschaft (Umsatz 330 Mio. EUR) sollen jetzt wieder von Maik Klokow angeführt werden, der jedoch gleichzeitig seine Position im internationalen Vorstand der Stage Entertainment behalten will. Klokow war schon von 2000 bis 2005 für die deutschen Musicalproduktionen verantwortlich und hat wohl entscheidend den bisherigen Erfolg in Deutschland herbeigeführt.

Maik Klokow am 18. Juli 2004 bei der Stuttgarter Premiere von „Mamma Mia!“ - In den Jahren 2000 bis 2005 war Maik Klokow verantwortlich für das deutsche Geschäft der Stage Entertainment. Nach dem Weggang von Dr. Jan-Pelgrom de Haas übernimmt er diese Geschäfte erneut. Unter seinerFührung sollen im kommenden Jahr zwischen 12 und 15 Musicals und Holiday on Ice Shows produziert werden.  - Foto: Copyright © 2004 Arthur H. Maute

Maik Klokow am 18. Juli 2004 bei der Stuttgarter Premiere von „Mamma Mia!“
In den Jahren 2000 bis 2005 war Maik Klokow für das deutsche Geschäft der Stage Entertainment verantwortlich. Nach dem Weggang von Dr. Jan-Pelgrom de Haas übernimmt er diese Geschäfte erneut. Unter seiner Führung sollen im kommenden Jahr zwischen 12 und 15 Musicals und Holiday on Ice Shows produziert werden.
Foto: Copyright © 2004 Arthur H. Maute


   Über die Gründe, warum der 1962 geborene Jan-Pelgrom de Haas schon nach äußerst kurzem Wirken bei der SE gehen muss, kann nur spekuliert werden. Immerhin hatte der Manager vorher Grundy-UFA zum Marktführer bei der Produktion von Low-Cost-Serien fürs TV gemacht. Was natürlich nicht heißt, dass ihm auf einem ganz anderen Sektor der Unterhaltungsindustrie, dem „Legit-Theatre", Erfolg beschieden sein würde. Jedenfalls gibt es in der am 14. Februar herausgegebenen SE-Verlautbarung absolut keinen Hinweis auf die vergangene Arbeit von de Haas, weder ein positive noch eine negative Aussage, auch kein Dank oder Bedauern über sein Ausscheiden. Uwe Bogen schreibt deshalb in den Stuttgarter Nachrichten, die Pressemitteilung könne kaum verschleiern, dass es sich um einen Rauswurf handle. Es heiße, de Haas habe den Musicals in Deutschland keine neuen Impulse verliehen. Es habe sich Bürokratismus in der deutschen Konzernzentrale breit gemacht und man fühle sich an die Endzeiten der Stella AG erinnert. Wenigstens höre man das von Musical-Insidern. Es wird weiter über die allgemeine Verwunderung bezüglich der Entscheidung berichtet, dass „Mamma Mia!“ in Essen auf die Bühne komme, bevor die Produktionen in Hamburg und Stuttgart enden. Oder dass de Haas das am Broadway und in London gespielte Erfolgsmusical „Wicked“ zwar für Ende 2007 angekündigt habe, aber kein Spielort für das Stück genannt werde. Die Zukunft nach dem Weggang von de Haas heiße „Theatermann Klokow soll’s richten“.
   Mag sein, das Jan-Pelgrom de Haas in der kurzen Zeit seit dem Beginn seiner Tätigkeit im November 2005 nicht so performte, wie die Herren von SE sich das wünschten. Vielleicht, weil er das Live-Entertainment nicht wie Maik Klokow von der Pike auf gelernt hat. Aber hatte er überhaupt eine Chance, in 15 Monaten ein neues und erfolgreiches Konzept zu erarbeiten? Über ihm thronten nicht nur Klokow, sondern der internationale Vorstand und nicht zuletzt Joop van den Ende himself, darüber hinaus ein Kreativteam. Schwer zu glauben, dass alles, was möglicherweise hierzulande in letzter Zeit schief ging, dem bisherigen Deutschlandchef allein anzulasten ist. Man darf sich schon die Frage stellen, ob es nicht eher eine grundsätzliche Krise bei der SE gibt, für die eben jetzt de Haas verantwortlich gemacht wird. Leider hält sich das Unternehmen bekanntlich ständig bedeckt, was die wahre Auslastung und die Umsätze in den einzelnen Theatern angeht. Es ist für den Kommentator um ein Vielfaches leichter, Erfolgs- oder auch Misserfolgszahlen über jede einzelne Broadwayshow zu erhalten, als auch nur etwa die Besucherzahlen einer einzigen Produktion der SE zu erfahren. Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass in den Stuttgarter Tageszeitungen - wer weiß, wo sonst noch  - ganzzeitige Anzeigen erscheinen, die für „Mamma Mia!“ mit Riesenrabatten werben, oder dass bei einer Werbung für „3 Musketiere“ 500.000 Degen aus Moosgummi an die Bevölkerung in der Region Stuttgart verteilt werden. Letzteres ist einer Pressemitteilung der SE von heute zu entnehmen.

Arthur H. Maute
16. Februar 2007

16.02.2007
Berichte, Infos, Kritiken und Kommentare
Aktuelle Nachrichten