
Eine
fantastische Gelegenheit bietet die Stuttgarter
Musikszene in diesen Tagen jungen Musicalfans, die
vielfach nur "Pop-Opern" wie "Tanz der
Vampire", Les Misérables",
"Jekyll & Hyde" oder ähnliche
Produktionen kennen. Das Stuttgarter Kelley Theatre hat
sich jetzt mit seiner neuen abendfüllenden Show deshalb
besonders verdient gemacht. Es erklingen in dieser Show
viele der wunderbaren Songs des Komponisten Richard
Rodgers und seines Librettisten und Songtexters Oscar
Hammerstein II, die der jüngeren Generation bei uns
kaum mehr geläufig sind. Obwohl nur mit
Klavierbegleitung zu Gehör gebracht - die Musik schreit
natürlich nach einem Orchester -, ist es den begabten
Sängern, die bei der Premiere am 13. September 2002 auf
dem Gelände der Kelley Barracks mitgewirkt
haben, gelungen, viel vom Zauber der Werke, die aus der
erfolgreichen Künstler-Partnerschaft
hervorgegangen sind, mit Begeisterung über die Rampe zu
bringen.
Zum 100. Geburtstag des Komponisten
wurden Ausschnitte aus nicht weniger als elf Musicals
einstudiert. Das Programm begann mit dem Renner "Oklahoma",
der es auf nicht weniger als 2212 Vorstellungen
brachte und einen Pulitzer-Preis gewann. Dabei punktete
das Ensemble besonders mit dem gleichnamigen Titelsong,
der das Publikum in echte Musical-Stimmung versetzte.
Neben vielen Ausschnitten aus hierzulande weniger
bekannten Werken, so z.B. den für Film und Fernsehen
geschrieben Stücken "State Fair" (Academy
Award Winner) und "Cinderella", oder "Me
An Juliet", "Pipe Dream", und "Flower
Drum Song", lag der Schwerpunkt natürlich auf
den absoluten Broadway-Erfolgen, deren Ruhm in der
Vergangenheit auch teilweise zu uns nach Deutschland
durchgedrungen war.
Das von Kennern wohl wohl am höchsten
geschätzte Werk "Carousel", war mit
einem Klaviersolo von Alan Buxkemper, in dessen
Händen auch die musikalische Leitung lag, vertreten. Er
spielte unter dem Titel "Carousel Waltz"
einen Ausschnitt aus der einleitenden Bühnenmusik. Ingrid
Harwood und Tony King fanden mit
sich dem schönen "If I loved you" zusammen,
und Jennifer Buxkemper brachte, zusammen mit dem
Ensemble, mit ihrer voluminösen Stimme "You'll
Never Walk Alone".
"South Pacific" ist
bei uns hauptsächlich durch den Film von 1958 mit Rossano
Brazzi und Mitzi Gaynor bekannt geworden.
Ähnliches gilt für das Musical "The King And
I", das 1956 ins Kino kam, damals mit Yul
Brynner und Deborah Kerr, in jüngster Zeit
auch 1999 als Zeichentrickfilm. In der Kelley Show
durften natürlich "Bali Hai" und das
berühmte "Some Enchanted Evening" (gesungen
von Marc Gremm) aus "South
Pacific" und "Hello Young Lovers"
und "Something Wonderful" aus "The
King And I" (vorgetragen von Ingrid Harwood
und Jennifer Buxkemper) nicht fehlen.
Den Abschluss des erfolgreichen Abends
bildete "The Sound of Music" nach dem
deutschen Film "Die Trapp-Familie" von
1956 (mit Ruth Leuwerik und "Hans
Holt"). Fast alle Melodien des Musicals sind
Ohrwürmer. Das bei uns früher oft gehörte und vielfach
als kitschig bezeichnete "Edelweiss" stellt
sich, im Hinblick auf die im Stück kurz bevorstehende
Flucht des Barons von Trapp vor den Nazis aus
Österreich, bei einer Bühnenaufführung als einfach
genialer Einfall des Komponisten
dar. Bei der Aufführung des Kelley Theatres war von
diesem Höhepunkt des Stücks leider nicht so viel zu
spüren.
Ein wenig Kritik muss auch sein: Viele
Szenen der Show (Bühne: Brett Harwood) spielten
in absoluter Dunkelheit, bei denen ein zudem oft noch
viel zu lichtschwacher Spot lediglich das Gesicht der
Solisten einigermaßen erhellte. Das galt insbesondere
auch für den Moderator, der in tiefster Dämmerung durch
die Musikfolge führte. Zu diesem Effekt trug zusätzlich
noch bei, dass die Kostüme der Damen und Herren schwarz
waren, und die Bühne oft komplett von schwarzen
Vorhängen eingehüllt wurde. (Nebenbei: es war deshalb
auch praktisch unmöglich, einen Blick in das Programm zu
tun, um sich mit den Namen der Darsteller etwas
vertrauter zu machen). Etwas heller wurde es nur dann,
wenn sich mehrere Ensemblemitglieder auf der Bühne
befanden, oder sich ein Vorhang im Bühnenhintergrund
öffnete und mit einigen Lichteffekten auf einer Leinwand
die Szene ein wenig zum Leuchten gebracht wurde. Wenn es
sich auch ingesamt mehr um eine konzertante Aufführung
handelte: eine
so triste Darstellung haben Rodgers &
Hammersteins Werke dann doch nicht verdient.

Somit kamen die effektvollen, teils
gespielten Ensembleszenen am besten zur Geltung. In
Erinnerung blieben mir besonders "Wonderful
Guy"/"Wash That Man" aus "South
Pacific" mit Jennifer King und
natürlich die großen Szenen mit den Kindern, die den
Abend doch noch etwas fröhlicher gestalteten: "Getting
To Know You" aus "The King And I"
und "Do-Re-Mi" aus "The Sound
Of Music". Das war nun wirklich "The
Sound Of Their Music".
Arthur H. Maute
23.9.2002
Information:
Die Show wird nochmals am 27., 28. und 29. September
2002 jeweils um 19:30 Uhr wiederholt.
Die Musicals:
"Oklahoma"
Premiere 31. März 1943, 2212
Vorstellungen, Pulitzer-Preis
"State Fair"
Hollywood 1945 & 1962, Academy
Award
"Carousel"
Premiere 19. April 1945, 890
Vorstellungen, Tony Award
"Allegro"
Premiere 10. Oktober 1947, 315
Vorstellungen
"South Pacific"
Premiere 27. April 1949, 1925
Vorstellungen, Pulitzer-Preis
"The King And I"
Premiere 29. März 1951, 1378
Vorstellungen, Tony Award
"Me And Juliet"
Premiere 28. Mai 1953, 360
Vorstellungen
"Pipe Dream"
Premiere 30. November 1955, 232
Vorstellungen
"Cinderella
Hollywood, TV 1957, 1965, 1997
"Flower Drum Song"
Premiere 1. Dezember 1958, 600
Vorstellungen
"The Sound Of Music"
Premiere 16. November 1959, 1443
Vorstellungen, Tony Award
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