Auch die Vereinigten Bühnen Wien entscheiden sich in der Not für Bewährtes.
„Tanz der Vampire"
in Wien
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Die große Sehnsucht der Wiener nach „ihren“ Vampiren
In der Krise setzen nun auch die Vereinigten Bühnen nochmals auf die Beißer

Autor Michael Kunze hat gut lachen - seine Vampire kommen ins Ronacher - 1.Reihe: Thomas Borchert (Graf Krolock), Michael Kunze (Buch), Intendantin Kathrin Zechner, Cornelius Baltus (Regie) - 2. Reihe: Thomas Weissengruber (Koukol), Anna Thorén (Magda), Marjan Shaki (Sarah), Lukas Perman (Alfred), Kentaur (Bühnenbild und Kostüme) - 3. Reihe: Marc Liebisch (Herbert), Gernot Kranner (Professor Abronsius)  - Foto: VBW/Alexander Ch. Wulz
Autor Michael Kunze hat gut lachen - seine Vampire kommen ins Ronacher
1.Reihe: Thomas Borchert (Graf Krolock), Michael Kunze (Buch),
Intendantin Kathrin Zechner, Cornelius Baltus (Regie)
2. Reihe: Thomas Weissengruber (Koukol), Anna Thorén (Magda),
Marjan Shaki (Sarah), Lukas Perman (Alfred), Kentaur (Bühnenbild und Kostüme)
3. Reihe: Marc Liebisch (Herbert), Gernot Kranner (Professor Abronsius)
Foto: VBW/Alexander Ch. Wulz

Die ständige Kritik an den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) hatte im Mai zu einem Misstrauensantrag gegen einen Wiener Kulturstadtrat geführt. Das Entertainment-Unternehmen produziere Musicals zu kostspielig, erreiche zu geringe Auslastungszahlen und investiere Millionen, um Flops zu produzieren (siehe Pressestimmen). Währenddessen hatte die Intendanz sich längst dazu entschieden, ihr Heil in der Neuinszenierung eines Stücks zu suchen, das schon 1997 in Wien die Welt der Musicalbühnen erblickt hatte. Polanskis „Tanz der Vampire“ soll nach den letzten, nur mäßig erfolgreichen Produktionen ab 17. September die Welt im Ronacher wieder in Ordnung bringen. Das verkündete Intendantin Kathrin Zechner in einer Pressekonferenz am 8. Juni 2009, bei der sie auch gleich noch mit der Premiere einer neuen „Wiener Fassung“ drohte. Schon „Rudolf“, ursprünglich in Ungarn aus der Taufe gehoben, war durch Umstricken zu einer Uraufführung umfunktioniert worden. Mit den Vampiren entschieden sich die Wiener für einen ähnlichen Weg zur Aufbesserung von Umsätzen und Besucherzahlen wie die Stage Entertainment in Stuttgart, wo im Frühjahr 2010 ebenfalls die unappetitlichen Blutsauger tanzen sollen. Ob man sich in Stuttgart an der neuen Wiener Version orientieren wird, ist bisher nicht bekannt geworden.
   Ganz unwahrscheinlich ist es aber nicht, denn in der österreichischen Bundeshauptstadt werkelt Cornelius Baltus als Regisseur. Er war schon 2000 als Associate Director am Aufbau der Stuttgarter Produktion beteiligt und ist inzwischen zum Vampirspezialisten mutiert. Er war in der Hamburger Neuen Flora, in Warschau und Budapest im Einsatz und wird demnächst auch Antwerpen mit dem blutrünstigen Drama beglücken. Sollte sich diese Entwicklung auf dem Musicalmarkt fortsetzen, so steht zu befürchten, dass bald in ganz Europa nur noch Vampire tanzen. Den Fans mag es recht sein, denn schließlich hatten einige Tausend von ihnen in Stuttgart bei einem Telefon- und Internet-Voting für die nachtaktiven Untoten gestimmt. Sie hatten Stücke wie „Miss Saigon“ und „Mamma Mia!" abgewählt. Ganz abgeschlagen war dabei das glänzende amerikanische Show- und Steppmusical „42nd Street“, das nur einige hundert Stimmen erhielt.
   Zechner konstatierte anlässlich der Präsentation, dass ihr schon der Erfolg beim Zehnjahres-Gala-Konzert 2007 gezeigt habe, „wie groß die Sehnsucht der Wiener Fans nach ‚ihren’ Vampiren ist“. In dem „Meisterwerk“, wie Zechner es nennt, sieht Textautor Michael Kunze gar eine Parabel, „über die es sich nachzudenken lohnt“, und spricht davon, dass seine Themen Freiheit, Selbstbestimmung, kurz der mühsame Prozess des Erwachsenwerdens seien. Ganz zwingend folgt aus Kunzes Äußerung gewiss sein Finale, in dem die Vampire mit „was aus dieser Welt wird, ist uns scheißegal“ die Herrschaft übernehmen.
   Darauf dürfen die Wiener sich jetzt also freuen, auf 250 Kostüme und 34 Vampirgebisse für die neue Cast im Ronacher. Publikumsliebling Thomas Borchert, der in Wien bisher in „Elisabeth“, „Mozart!“ und „Jekyll & Hyde“ aufgetreten ist, kommt jetzt als Oberbeißer wieder. Marjan Shaki übernimmt die Rolle der in den Fürsten der Nacht verknallten Sarah, Lukas Perman spielt den tapsigen, ängstlich unglücklich liebenden Alfred. Die Beziehung des Liebespaars aus „Romeo & Julia“ ist hier eher einseitig, bevor sie beide zu Ungeheuern der Nacht mutieren. Die komische Rolle des Professor Abronsius mit seinen Geschwindarien á la italienischer Oper übernimmt Gernot Kranner. Er kennt das alles in- und auswendig, denn er hat den kauzigen Vampirjäger schon über 650 Mal gespielt. Zurzeit ist er noch bei der Stage Entertainment in Oberhausen gelistet.
   Die Wiederaufbereitung von Jim Steinmans mehrfach verwerteter Popmusik wurde von Arrangeur und Supervisor Michael Reed vorgenommen. VBW-Musikdirektor Caspar Richter, der die musikalische Leitung übernimmt, bringt sie zum klingen. Der ungarische Maler Laszlo Erkel dräut mit seinem vielsagenden Pseudonym „Kentaur“, dem Pferdemenschen der griechischen Mythologie. Er zeichnet für die Ausstattung verantwortlich. 2006 hatte er für die Wiener Staatsoper an den Bühnenbildern für „Coppelia“ gearbeitet. Im gleichen Jahr war auch seine „magisch-realistische Ausstattung“ für die ungarische Produktion von „Tanz der Vampire“  entstanden. Das könnte vielleicht interessant werden. Dagegen dürfte für die Choreografie wenig Überraschendes zu erwarten sein, denn Dennis Callahan wird vermutlich wie eh und je rucken und zucken lassen.
   Wie man weiß, hört das Publikum sowieso am liebsten, was es schon kennt. Die zahlreichen Compilation-Musicals beweisen es. So könnte die Rückkehr der VBW zu seit Jahren Erfolgreichem von Erfolg gekrönt sein, zumal offenbar eine Schar begeisterter Fans diese Show wieder, wieder und wieder, sehen will.

Arthur H. Maute
12. Juni 2009

Pressestimmen

"Es reicht", sagt hingegen Ringler. Mit der "doch ungewöhnlichen Zusammenarbeit" der beiden Oppositionsparteien und dem Ausschöpfen "eines der letzten Mittel", die der Opposition zur Verfügung stehen, wolle man "verhindern, dass in der Frage der VBW zur Tagesordnung übergegangen wird". Hauptkritik gilt der Musical-Sparte. Diese sei in ihrer Gesamtheit zu überdenken, sagte Wolf, und "Tricks, um zu Auslastungszahlen zu kommen", müssten beendet werden. Die VBW-Musicals würden zu kostspielig produziert und erreichen dann zu geringe Auslastungszahlen - "der Bereich Musical ist in einem kritischen Zustand", so Wolf. Es würden "viele Millionen investiert, um Flops zu produzieren". Es gebe "nur einen im Publikum, der klatscht: Mailath-Pokorny", so Ringler.

derstandard.at vom 22. Mai 2009
(Anmerkung: Marie Ringler ist Kultursprecherin bei den Grünen, Franz Ferdinand Wolf ist Mitglied der ÖVP)
In der Gemeinderatssitzung am Montag musste sich der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) erstmals einem Misstrauensantrag stellen. Auf Antrag von ÖVP und Grünen wurde dem Stadtrat vorgeworfen, auf die Kritik des Kontrollamts zu den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) und vor allem zur Musical-Bühne Ronacher nicht reagiert zu haben. Der Antrag fand auch die Unterstützung der FPÖ, wurde aber von der mit absoluter Mehrheit ausgestatteten SPÖ abgeschmettert.

Wiener Zeitung, Printausgabe 26. Mai 2009