Mit einem klangvollen Knall-Bonbon
haben die Tecklenburger Freilichtspiele am
Pfingstmontag bei traumhaftem Frühsommerwetter die neue
Saison eröffnet. Parole: Music(al) alive! Und das waren
nicht nur leere Worte. Am Start die Creme der deutschen
Musical-Szene. Radulf Beuleke (der Vorsitzende)
proudly presents: Leah Delos
Santos, Carolin Fortenbacher P,
Jana Werner, Ethan Freeman, Kevin
Tarte, Kristian Vetter, Sascha Th. G. Krebs und Dean
Welterlen.
Angesichts dieses Aufgebotes an
Top-Künstlern konnte man wirklich nicht meckern. Tat
auch keiner. Über 2300 aus allen Teilen des
Bundesgebiets angereiste Fans erlebten inmitten der
malerischen Anlage eine dreistündige Gala vom Feinsten.
Sie war als Appetitanreger konzipiert und sollte das
Publikum auf die Inszenierungen der Spielzeit 2002
einstimmen. Das Hauptstück im diesjährigen
Tecklenburger Theatersommer ist der Frederick
Loewe-Klassiker My Fair Lady, dessen
Premiere am 22. Juni ansteht. Davon gibt es
insgesamt 17 Aufführungen. Und nachdem sich Jesus
Christ Superstar im vergangenen Jahr von den
Publikumszahlen her gesehen als erfolgreichste Produktion
in der Geschichte der Freilichtspiele erwiesen hatte,
kamen die Verantwortlichen um eine Neuauflage nicht herum. Die
Webbersche Rock-Oper geht ab 2. Juli
in die Verlängerung. 13 Shows stehen auf dem
Spielplan.
Der Begriff Pfingst-Gala
ist insofern ein bißchen irreführend, da es hier alles
andere als steif und distinguiert zugeht. Die
Veranstaltung ist mehr eine (große) zwanglose
Familien-Party mit Festival-Charakter und sozialem
Preisgefüge und macht den Künstlern auf der Bühne
mindestens ebenso viel Spaß wie den Zuhörern. Letzteren
präsentierten sich die Akteure mitunter von einer ganz
unbekannten Seite, wenngleich sie natürlich nicht um
ihre personifizierten Parade-Songs herumkamen.
So war das Vampir-Medley für Graf
Krolock Kevin Tarte Pflicht, aber, er machte auch
Anleihen bei Engelbert. Ethan Freeman sang die
Hymne seiner Heimatstadt: New York, New
York, während Kristian Vetter, der neuer Judas
bei Jesus Christ, durchblicken ließ, auf was
sich die Fans demnächst gefasst machen können. Wie er
gehört auch Leah Delos Santos zum J.C.-Ensemble. Ihr Once
upon a Dream aus Jekyll &
Hyde war einer der vielen großen Momente der
Show.
Mit Charme, Sex-Appeal und Stimme hatte
auch Jana Werner, die Eliza der aktuellen
My Fair Lady-Produktion, das Publikum sehr
schnell auf ihrer Seite. Wie sie, ist auch Multi-Talent
Dean Welterlen mit im Boot des diesjährigen
Hauptstücks. Ein Mann für alle Fälle, ob als Regisseur
oder als Darsteller. Carolin Fortenbacher hatte sich fast
ein Jahr lang ziemlich rar gemacht. In Tecklenburg
unterstrich die Powerfrau mit dem vielen Gold in der
Kehle, dass es nur wenige im Land gibt, die es von der
vokalen Bandbreite und Ausdruckskraft mit ihr aufnehmen
können. Am 6. September wird die Tabaluga-Spinne
i.R. hier eine eigene Show präsentieren: Carolins
Traum.
Sascha Krebs schließlich, der Hauptdarsteller der
Tecklenburger Kreuzigungsgeschichte, feierte ein
Heimspiel und machte sowohl als Sänger, als auch als
Moderator eine blendende Figur.
Jürgen Heimann
22. Mai 2002
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