Trotz toller Leistung des Cast, lobender Kritiken und zwölf Tony Awards für das Original vom Broadway, konnte „The Producers“ nicht genügend Zuschauer ins Wiener Etablissement Ronacher locken.
„The Producers“ in Wien
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Warum der „Frühling für Hitler“ sehr kalt wurde
Ein Versuch, den Misserfolg in Wien zu erklären

von links: Cornelius Obonya (Max Bialystock), Bettina Mönch (Ulla)
Andreas Bieber (Leo Bloom)
Foto: Copyright VBW/Oliver Hadji.

Die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) haben vor etwa einem Jahr für großes Aufsehen gesorgt. Damals wurde bekannt gegeben, dass sie die deutschsprachige Erstaufführung von „The Producers - Frühling für Hitler“ nach Wien holen würden.
   2006 hatte Rüdiger Bering in seinem Buch „Schnellkurs Musical“ noch folgendes veröffentlicht: „Ob Mel Brooks ‚The Producers’ je in Deutschland zu sehen sein wird, ist fraglich: Die deutschen Rechteinhaber bezweifeln, dass im Land des Holocaust ein deutsches Musicalpublikum den bisweilen bewusst geschmacklosen jüdischen New Yorker Humor Mel Brooks’ goutieren wird. …“. Das hätte dann wohl auch für Wien gelten müssen.

Humor ist nicht gleich Humor
   Kathrin Zechner und ihr Team bewiesen Mut. Sie holten die Originalshow, die die meisten Tony-Awards in der Geschichte gewonnen hat, für eine Unsumme ins Etablissement Ronacher, samt Kreativteam. Eigentlich ein Erfolgsgarant, oder? Nein! Nicht für Wien und sein Publikum. Das mussten die VBW auch einsehen.
   Eine Produktion die in Amerika die größten Erfolge feiert, muss in der österreichischen Bundeshauptstadt nicht notwendig funktionieren. Auch diese perfekt inszenierte American Comedy hat bei weitem nicht genügend Publikum ins Theater gelockt - weil sie einfach nicht den Humor hat, welcher viele der Zuschauer in Österreich ansprechen würde. Wien ist nicht der Ort für American Comedy.
   Das Cast in Wien ist großartig. Von Hauptdarsteller bis Nebenrolle sitzt jeder Schritt, jeder Ton und jeder Slapstick perfekt. Zechner hat auch nicht auf die typischen Wiener Publikumslieblinge á la Uwe Kröger oder Lukas Perman gesetzt. Sie glaubte mit dem Burgschauspieler Cornelius Obonya den perfekten Max Bialystock gefunden zu haben. Obonya spielte sich zwar Tag für Tag auf grandiose Art und Weise die Seele aus dem Leib, konnte aber leider weder das Burgtheater-Publikum noch die Musicalfans zahlreich ins Ronacher locken, wie es wohl geplant war.

von links: Andreas Bieber (Leo Bloom), Herbert Steinböck (Franz Liebkind)
Cornelius Obonya (Max Bialystock)
Foto: Copyright VBW/Oliver Hadji.

Lachen über Hitler
   Doch nun zur problematischen Thematik. Darf man über Hitler lachen? Man darf. Kann Wien über Hitler lachen? Wien kann. Zur gleichen Zeit, als die „Producers“ im Ronacher nach dem schlechtesten Stück suchten, feierte George Tabori im Theater an der Josefstadt mit der Tragikkomödie „Mein Kampf“ und Karl Markovics in der Hauptrolle große Erfolge. An dem kann es also nicht gelegen haben.

"The Producers" - Neues PlakatMarkting ist nicht gleich Marketing
   Und woran lag es dann? Die Marketingstrategie der VBW war eine ganz andere. Natürlich ist „The Producers“ kein Hitler-Musical. Doch die zirka zehnminütige Hitler-Show in der Show ist die Schlüsselszene mit rabenschwarzem Humor, einem tanzenden Hitler, mit Panzern, welche Konfetti in die Luft ballern und überdimensionalen Hakenkreuzen, um nur einige der Gags anzuführen. Eine Parodie die ihresgleichen sucht. Anstatt damit zu werben und die Angriff-ist-die-beste-Verteidigung-Taktik zu wählen, konnte man weder auf der Homepage, in Presseaussendungen, in der Pressemappe, noch in Interviews oder Berichten den Namen „Hitler“ finden. Und dem Publikum dieses Musical ohne „Vorwarnung“ zu servieren, hat sich als erfolglos herausgestellt. Obwohl gemunkelt wird, dass die VBW aus vertraglichen Gründen damit nicht werben durften, ist die Schuld nicht in Amerika zu suchen.
   Das wirtschaftliche Ergebnis, im Stück übrigens positiv, ist somit nicht nur auf der Bühne eine Katastrophe. Jede Woche wurden im Ronacher Verluste von mehreren tausend Euro gemacht, der zweite Besucherrang wurde gesperrt um die Auslastungszahl in die Höhe zu schrauben, und zuletzt wurde das Musical vorzeitig abgesetzt. Kathrin Zechner versuchte sich mitunter auf die Euro 2008 auszureden, da diese massive Medienpräsenz genossen habe und „Producers“ schon einen Tag nach ihrem Finale Premiere feierte. Das wusste man aber bereits bei der Terminfixierung.
   Bialystock, Bloom und Co werden also demnächst nach Berlin in den Admiralspalast ziehen. Wie das deutsche Publikum darauf reagieren wird, ist abzuwarten. In Berlin geht man bereits jetzt aggressiv mit „Hitler“ um, wirbt bereits auf der Homepage mit der Schlüsselszene. Wien hat sich Ende des Jahres 2008 zu einem neuen Plakat durchgerungen. Dort kann man sogar Hitler (Martin Sommerlatte) sitzend auf Ulla (Bettina Mönch) sehen. Spät aber doch.

Vera Stelzmayer
20. Januar 2009

von links: Andreas Bieber (Leo Bloom), Cornelius Obonya (Max Bialystock)
Martin Sommerlatte (Roger DeBris), Rob Pelzer (Carmen Ghia)
und Ensemble
Foto: Copyright VBW/Oliver Hadji.

20 01 2009
Fotos und Plakat: Vereinigte Bühnen Wien
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