Das Off-Broadway-Musical aus New York ist ab dem 23. April 2005 im Theater Heilbronn in deutscher Erstaufführung zu sehen. |
„The Wild Party“ in Heilbronn Aktualisiert: zurück |
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Es war ein Buchrücken, der ihn fesselte
„The Wild Party“ kommt am 23. April nach Heilbronn |
„Es war der Buchrücken, der mich fesselte. Ich bin wie ein Trinker, der von Flaschen und ihren Etiketten angezogen wird, genau so wie von deren Inhalt. Ich kaufte sogar einmal ein Kochbuch ein Kochbuch! wegen seines Einbands. Ich finde dasselbe Vergnügen in einer antiquarischen Buchhandlung, wie ein Alkoholiker in einer Bar.“ Das schreibt der Cartoonist Art Spiegelman in dem Vorwort zu der 1994 mit seinen Illustrationen bei Pantheon Books in New York erschienen Ausgabe von „The Wild Party: The Lost Classic by Joseph Moncure March“. „Selten verirre ich mich zu den Regalen mit Poesie, und es ist eigenartig, dass ich zufällig auf ‚The Wild Party’ stieß.“ So entdeckte er das in den Roaring Twenties veröffentlichte Gedicht mit seinen synkopiert gereimten Couplets, eine ziemlich abgebrühte Tragödie aus dem Jazzzeitalter. Damals, 1928, schien der Text für eine Publikation zu heiß zu sein, und er erschien lediglich in einer limitierten Auflage von 750 Exemplaren bei Pascal Covici. Einige Jahre nach der Entdeckung des aufregenden Gedichts traf Spiegelman William Burroughs, der ihm gestand, dass Marchs Buch der Grund dafür gewesen sei, dass er Schriftsteller werden wollte. Burroughs hatte das Gedicht schon 1938 gelesen und er rezitierte sofort die ersten Verse: „ Queenie was a blonde, and her age stood still, and she danced twice a day in vaudeville.“ Lange später, 1968, war dann eine stark zensierte Version des Gedichts erschienen. Erst die von Spielman illustrierte Ausgabe enthielt wieder den Originaltext. Andrew Lippa entdeckte das Gedicht 1995 ebenfalls zufällig. Er suchte nach einem neuen Stoff für ein Musical und ging zu Barnes & Noble, geriet in die Abteilung für Poesie und fand dort die Ausgabe von Marchs Gedicht mit den „unglaublichen Zeichnungen von Art Spiegelman“. Er erzählt: „Ursprünglich wollte ich das Gedicht unverändert vertonen, so wie es war, quasi zu meinem ‚Cats’ machen, und ich fing auch damit an. Aber schnell merkte ich, dass das Ganze eine Erzählung in der dritten Person war. Es enthielt keine erste Person oder Augenblicke, die ausdrückten ‚so fühle ich mich jetzt’. Und anders als ‚Cats’ war die Story zu linear, um ähnlich bearbeitet zu werden. So entschied ich mich also, selbst zu schreiben. Denn ich wusste gar niemanden, den ich mit den Songtexten hätte beauftragen können. Ich begann damit, Lieder abzufassen und spielte sie Freunden vor, oder meiner Mutter übers Telefon. Ich wurde gefragt ‚Wer hat die Liedtexte geschrieben?’ und ich antwortete ‚Das war ich’. Und ich hörte Kommentare wie ‚Die sind gut! Du solltest weitermachen!’ Gott sei Dank wurde ich auf diese Weise ermutigt. Denn schließlich brauchen wir alle dann und wann einen Schubs. Also machte ich weiter und so wurde es, was es wurde ...“Die Premiere war am 24. Februar 2000 im Manhattan Theater Club in New York, übrigens nur wenige Tage vor Michael John LaChiusas gleichnamigem, wesentlich konventionellerem Musical nach derselben Vorlage. Das Musical gewann den Outer Critics Circle Award als bestes Off-Broadway-Musical der Saison, und der Komponist und Autor gewann den 2000 Drama Desk Award für die beste Musik. Lippas „The Wild Party“ lag in diesem Jahr mit 13 Nominierungen für den Drama Desk Award weit vor allen anderen New Yorker Produktionen der Saison. Clifford Lee Johnson III, der für das Musiktheater-Programm des Manhattan Theater Clubs zuständige Direktor sagt, dass Andrew Lippa mit seinem Werk ein Stück Musiktheater geschaffen habe, das sexy, zeitgenössisch, gefährlich, melodisch, einzigartig und populär sei. Das Werk stelle das ganze gegenwärtige Musical-Establishment in Frage. Am kommenden Samstag kommt das Musical am Theater Heilbronn zur deutschen Erstaufführung. Die deutschsprachige Erstaufführung war schon am 23.Juli 2003 in Amstetten. Regisseur Frank Düwel soll nach Angaben des Theaters das Erleben des Rauschhaften, Exzessiven und Ekstatischen in den Mittelpunkt seiner Inszenierung stellen. Es heißt, er werde die Geschichte um das junge Künstlerpaar Queenie und Burrs, deren Liebe im Spannungsfeld von Gewalt und Abhängigkeit im Alltag ihrer Beziehung zerbricht, zeitnah in die 80er Jahre übersetzen, in die aufgeladene Atmosphäre einer Partynacht. Zum Produktionsteam in Heilbronn gehört neben Regisseur Frank Düwel und dem musikalischen Leiter Nicolas Kemmer auch Choreograf Ricardo Viviani, der für die Tanzszenen verantwortlich zeichnet. Die Darsteller sind Johannes Bahr, Tom Beck, Christian Burkhardt, Thomas Fritsche, Simone Endres, Angelika Hart, Benjamin Hille, Sina Kießling, Ines Katharina Krapp, Rolf-Rudolf Lütgens, Stefan Naszay, Ulrike Nieding, Anja Schörnig, Anja Schulenburg, Henning Sembritzki, Leila Vallio, Atef Vogel, Felix Würgler und Maureen Wyse. Arthur H. Maute 19. April 2005 |