| Noch bis zum 16. Mai spielt Udo Thomer in der Stuttgarter Komödie im Marquardt |
Verlegtes Glück in Stuttgart
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| Beurteile ein Buch nie nach seinem Umschlag Udo Thomer glänzt in der Stuttgarter Komödie als Nervenbündel |
![]() Die Komödie „Verlegtes Glück“ des Kanadiers Seymour Blicker erzählt die fast tragikkomischen Geschehnisse einiger aufregenden Stunden, die Sherman, ein unsicherer, nicht mehr ganz junger Normalbürger, in einer New Yorker Hotelsuite erlebt. Sherman, scheinbar ein Versagertyp mit wenig Selbstvertrauen, hat heimlich ein Buch geschrieben. Dieses Opus, über dessen Inhalt die Handlung des Stücks so gut wie nichts verrät, soll vom Verlag der Fachpresse vorgestellt werden. Bei der Präsentation soll der Autor in den Literaturbetrieb eingeführt werden. Er jedoch, heimlich angereist ohne seine Verlobte Nancy zu informieren, fürchtet sich vor dem, was da kommen soll. Er bittet daher seinen Freund Matt, für ihn zum Empfang zu gehen. Nach längerem, teilweise heftigem Hin und Her ist Matt überzeugt, dass Sherman für Auftritte in der Öffentlichkeit tatsächlich ungeeignet ist. Also geht er an seiner Stelle. Dumm ist nur, dass sich die für ihre Affären mit Schriftstellern bekannte Maggie, Tochter eines prominenten Literaturkritikers, sofort an Matt hängt und diesem bis in Shermans Appartement folgt. Dann taucht auch noch Nancy auf und bringt die beiden Freunde in noch größere Verlegenheit. Mit allerlei Notlügen versuchen die Männer, sich aus der Affäre zu ziehen. Dass dann am Ende die peinliche Wahrheit doch ans Licht kommt, lässt sich allerdings nicht vermeiden. Aber Sherman erfährt dann glücklicherweise von Maggie, dass er sein Glück doch nicht verlegt hat, sondern sein verlegtes Werk für einen Literaturpreis vorgeschlagen wird. Das regelmäßig störende Zimmermädchen entpuppt sich zudem noch als Literaturkennerin, so dass dem Erfolg von Autor und Buch nichts mehr entgegen zu stehen scheint. ![]() Nein, einen Einblick in den Literaturbetrieb erhält man nicht wirklich. Bei „Verlegtes Glück“ (Originatitel „Never Judge A Book By Its Cover“) - Premiere war am 19. März in der Stuttgarter Komödie im Marquardt - ergötzt man sich vor allem an der Hilflosigkeit zweier Männer, die sich aufgrund von Heimlichtuerei in einem peinlichen Lügengeflecht verheddern, während die weiblichen Partner ihnen haushoch überlegen sind, wenn es um Direktheit und zielgerichtete Aktionen geht. Die Frauen wissen, was sie wollen. Ansonsten könnte aber anstelle des heimlich geschriebenen Buches auch jedes andere typische Männergeheimnis oder Abenteuer stehen. Trotzdem ist das von Pavel Fieber gekonnt in Szene gesetzte Stück kurzweilig und amüsant, und zum größten Teil, wenn auch in grotesk überspitzten Situationen, durchaus realitätsnah. Die Grenzen zum Klamauk sind allerdings nicht mehr fern, wenn die nymphomanische Autorenjägerin Maggie, die nach einer ziemlich unglaubhaften Entledigung ihrer Oberbekleidung im Treppenhaus des Hotels, zugegebenermaßen äußerst sexy, in schwarzer Reizwäsche in Shermans Hotelzimmer eindringt (Szenenapplaus) oder die am Schluss zerschunden ankommende Nancy angeblich einen der Großen des Literaturbetriebs unter kräftigem Einsatz ihres Körpers in den Senkel gestellt haben soll (ebenfalls Applaus). Udo Thomer zieht alle Register seines Könnens. Er gibt den Sherman über große Strecken als glaubhaft klägliche Figur, die trotz ihrer mitleiderregenden Hilflosigkeit immer wieder für Lacher sorgt. Die Rolle, die auf diesen erfolgreichen Darsteller zugeschnitten zu sein scheint, bietet natürlich auch die meisten Pointen. Matt, der Kumpel in der Not, sympathisch gespielt von Gerry Hungbauer, garantiert nicht nur dafür, dass Sherman einen gut aussehenden Stellvertreter hat, sondern bringt dem Stück auch die dringend benötigte Normalität. Victoria Sturm, der gutaussehenden Blondine mit der für ihre Rolle wichtigen Modelfigur, nimmt man den überraschenden Wandel vom scharfen Autorengirlie zur tatsächlich verliebten Frau und gleichzeitigen Überbringerin glücklich „verlegter“ Nachrichten ab. Die Nancy von Stefanie Ströbele scheint überdies alles im Griff zu haben, und das Bücher lesende Zimmermädchen bringt Johanna Hanke mit frecher Schnauze über die Rampe. Das Bühnenbild hat Gert B. Venzky liebevoll gestaltet und die passenden Kostüme schuf Doris Hersmann. Der vielseitige Regisseur Pavel Fieber, der mit Erfolg alle Formen des Sprech- und Musiktheaters zu beherrschen scheint in Kürze gibt es in Augsburg eine „Salome“ von ihm holt aus der Komödie das Optimum dessen heraus, was überhaupt möglich ist. |
14. April 2004 |
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Besetzung:
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| Inszenierung | Pavel Fieber |
| Bühnenbild | Gert B. Venzky |
| Kostüme | Doris Hersmann |
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Sherman
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Udo Thomer |
| Matt | Gerry Hungbauer |
| Maggie | Victoria Sturm |
| Nancy | Stefanie Stroebele |
| Zimmermädchen | Johanna Hanke |
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Informationen:
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| Vorstellungen: Noch bis zum 16. Mai 2004 in der Komödie im Marquardt, Stuttgart Dienstag bis Samstag um 20 Uhr, Sonntag um 18 Uhr, Karten: 7,50 bis 17,50 Euro Kartentelefon: 0711-2277022 Montag von 10 - 17 Uhr, Dienstag bis Samstag von 10 - 19 Uhr und Sonntag von 15 - 17 Uhr Theaterkasse: Marquardt-Bau, Am Schlossplatz, Bolzstr. 4-6, 70173 Stuttgart Dienstag bis Freitag 10 - 14 Uhr und 17 - 20 Uhr, Sa 10 - 20 Uhr, So 15 - 18 Uhr Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn sind nur Karten für die Abendvorstellung erhältlich |